Ein einzelner Baum mit grünen Blättern auf einem Feld, dahinter steht eine weiße Leinwand. Es sieht deshalb aus wie ein großes Bild eines Baumes, das in der Landschaft steht.

Tree #14, 2007

© Myoung Ho Lee, Courtesy Yossi Milo Gallery, New York

Schritte zu mehr Nachhaltigkeit

Einblicke in die CO2-Klimabilanzierung des Theatertreffen 2019 und das auf Recycling basierende Festivalzentrum des Theatertreffen 2022

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Festivalorganisation und -ausstattung ist kein Sprint, eher ein Marathon. Und wie beim Sport sind auch hier die ersten Schritte entscheidend. Das Theatertreffen beschäftigt sich bereits seit Jahren mit ökologischer Nachhaltigkeit und stellt zur Festivalausgabe 2022 zwei ausgewählte Projekte vor: den CO2-Fußabdruck des Theatertreffens 2019 und das Ausstattungsprojekt „Theater / Material / Kreislauf“.

Der Bericht 2019

Theatertreffen goes Klimabilanz – ein Einblick

2021 fragte sich das Team des Theatertreffens, welchen ökologischen Fußabdruck die Vorbereitung und Organisation des Festivals hat. Damit begab es sich auf einen komplexen Lernprozess der Datenerhebung und -auswertung, denn die CO2-Bilanzierung steckt im deutschen Kultursektor noch in den Anfängen. Die COVID-19-Pandemie führte dazu, dass 2020 und 2021 rein digitale Theatertreffen-Festivalausgaben entwickelt werden mussten. Ohne Publikum vor Ort und mit einer 10er Auswahl, die in vielen Fällen aus dem jeweils produzierenden Theater als Stream übertragen wurde, erschien eine Betrachtung der letzten beiden Jahre als wenig beispielhaft. Aus diesem Grund entschied sich das Theatertreffen-Team, zum Auftakt das Jahr 2019 in den Blick zu nehmen.

Ziel der Bilanzierung ist es, die Umweltauswirkungen der Festivalaktivitäten zu kennen, aber auch die eigenen ökologischen Bestrebungen messbar zu machen, um langfristig einen zukunftsfähigen Theater- und Festivalbetrieb zu ermöglichen.

„Nachhaltiges Theater bedeutet gleichzeitig auch zukunftsfähiges Theater. Die Sehnsucht nach einer schöneren und klimabewussteren Welt kann auf und hinter den Bühnen dieses Landes neu verhandelt werden. Dabei brauchen wir radikale Ehrlichkeit bei der Beschreibung der Situation. Und genug Mut und Fantasie, uns immer wieder die Möglichkeit einer besseren Zukunft für uns alle vorzustellen.“
Jacob Sylvester Bilabel (Leiter des Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit für Kultur und Medien)

Nachhaltiges Umweltmanagement an den Berliner Festspielen

Die Berliner Festspiele und ihre Dachorganisation, die Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, setzen sich seit Jahren mit nachhaltigem Umweltmanagement auseinander. Die Maßnahmen betreffen auf institutioneller Ebene beispielsweise die energetische Optimierung des Haus der Berliner Festspiele und des Gropius Bau. Auf künstlerische Ebene sind Projekte und Künstler*innen, die Nachhaltigkeit reflektieren, Teil des Programms.
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Der Ausgangspunkt

Seit der EMAS-Zertifizierung der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH im Jahr 2013 widmet sich das Theatertreffen-Team um Yvonne Büdenhölzer und Katharina Fritzsche der Frage, wie sich das Festival langfristig ökologisch nachhaltiger organisieren lässt. Seit mehreren Jahren gibt es überwiegend vegetarisches Catering, das Wasser kommt gefiltert in eigenen Glaswasserflaschen und Merchandise-Produkte werden in reduzierter Auflage aus nachhaltigen Quellen bezogen. Zudem entstand 2021 in enger Zusammenarbeit mit dem  Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien das „Forum ökologische Nachhaltigkeit im Theater / Green Ambassadors“, das als Ort des Voneinander-und-miteinander-Lernens dient.

Forum Ökologische Nachhaltigkeit im Theater

Die Teilnehmer*innen am Forum Ökologische Nachhaltigkeit im Theater 2021 versammeln sich für ein Gruppenbild.

Für das Forum ökologische Nachhaltigkeit im Theater ernennen die für die 10er Auswahl des Festivals nominierten Theater und Produktionshäuser zwei Mitarbeiter*innen zu „Green Ambassadors/Grünen Botschafter*innen“, die in mehreren Workshops Wissen zu nachhaltigen Produktionsweisen erwerben und ihre Erfahrungen austauschen. Neben dem Vernetzungscharakter zielt das Forum darauf, dass die Green Ambassadors ihre Erkenntnisse in die eigenen Häuser tragen, um sie dort anzuwenden und zu institutionalisieren.

Das Bedürfnis, für die Festivalaktivitäten einen CO2-Fußabdruck zu berechnen, folgt als nächster Schritt in der ökologischen Weiterentwicklung des Theatertreffens, an dem das Team seit knapp zwei Jahren intern arbeitet.

Der Weg zur Bilanz

Das Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien schulte und führte die Mitarbeiter*innen des Theatertreffens nicht nur in die Welt der CO2-Bilanzierung ein, sondern stellte ihnen auch ihren CO2-Rechner zur Verfügung. Als Grundlage für die Berechnung wurde eine detaillierte Darstellung der Festivalstruktur und -prozesse mittels eines Mappings herangezogen.

Das Diagramm zeigt die Festivalbereiche des Theatertreffens in kreisrunden Feldern.

Mapping Theatertreffen 2019

© Berliner Festspiele

Dadurch wurden die zahlreichen Teilbereiche des Theatertreffens definiert und deren Zusammenhänge grafisch veranschaulicht. In einem weiteren Schritt wurde der Ziel- und Untersuchungsrahmen für die Bilanz 2019 festgelegt. Im Anschluss folgte die Sammlung der Daten.

Die zeitaufwendige, aber wichtige Auseinandersetzung mit den eigenen Prozessen ermöglicht dem Theatertreffen zukünftig, CO2-Fußabdrücke mit hoher Aussagekraft zu berechnen.

Das Theatertreffen 2019 in Zahlen

  • 18 Tage
  • 96 Veranstaltungen an 10 Veranstaltungsorten in Berlin
  • 75,5 Stunden Theater live
  • 19.661 Zuschauer*innen

Zum Gesamtprogramm des Festivals 2019

Ausstellungsansicht Andro Wekua

Ausstellungsansicht Andro Wekua

Foto: Thomas Beetz. Courtesy: der Künstler

Die Datengrundlage

Die Bilanz der Festivalausgabe 2019 setzt sich primär aus den Jury- und Gastspielreisen zusammen, ebenso wurden die einen geringeren Teil ausmachenden Dolmetscher*innen-Reisen berücksichtigt. Diese Bereiche wurden betrachtet, da sie unmittelbar mit der 10er Auswahl zusammenhängen, einem Programmsegment, das eine zentrale Rolle im Festivalgeschehen einnimmt und auch von der Öffentlichkeit intensiv wahrgenommen wird.

In die Berechnungen einbezogen wurde die Reisemobilität aller beteiligten Jurymitglieder, Gastspielteams und Dolmetscher*innen (inklusive innerstädtischer Fahrten) per PKW, Flugzeug, Bahn oder Bus sowie deren Übernachtungen in Berlin. Für die Juryreisen betrifft das die ganzjährigen Sichtungsreisen der sieben Juror*innen, die fünf Jurysitzungen in Berlin, die Pressekonferenzen und die Anwesenheit während des Festivals im Mai. Die Gastspielteams reisen für das Festival und zusätzlich für die technischen Vorbesichtigungen an. Außerdem werden die Bühnenbilder der eingeladenen Inszenierungen zum Festival nach Berlin transportiert. Dieser explizit die Gastspiele betreffende Fußabdruck wurde im Bereich „Frachttransport“ in der Bilanz gesondert ausgewiesen, während personenbezogene Daten den Bereichen „Personaltransport“ und „Unterkunft“ zugeordnet wurden. Die Dolmetscher*innen reisen nur zum Festival an.

Die Datenquellen

Die Datenerhebung für einen bereits vergangenen Zeitraum bringt viele Herausforderungen mit sich. Mithilfe der Reisekostenabrechnungen der Juror*innen und Dolmetscher*innen konnten die Reisen detailliert für diesen Teil des Fußabdrucks zurückverfolgt werden. Anders sah es bei den Reisen der Gastspielteams aus. In der Klimabilanzierung wurden nur Gastspiele erfasst, von denen die Reisekosten vom Theatertreffen übernommen wurden. Bei zwei Gastspielen handelte es sich um Berliner Produktionen, wodurch keine Reisekosten für das Theatertreffen anfielen. Bei zwei weiteren Gastspielen lagen keine vollständigen Daten vor, da die Reisekosten zum Teil von externen Theatern oder Stiftungen übernommen wurden. Für die verbleibenden Gastspiele sind die vollständigen Datensätze vorhanden. Dennoch lassen sich aus den erhobenen Daten bereits Ansätze und Möglichkeiten erkennen, mit denen die Umweltauswirkungen der Festivaltätigkeiten zukünftig weiter verbessert werden können.

Die Erkenntnisse

Ein kreisrundes Diagramm stellt den CO2-Fußabdruck des Theatertreffens 2019 grafisch dar.

CO2-Fußabdruck Theatertreffen 2019

© Berliner Festspiele

Der gesamte CO2-Fußabdruck der Festivalausgabe 2019 beträgt 117 Tonnen. Auf den Frachttransport entfallen bei insgesamt 11.418 gefahrenen Kilometern 23 Tonnen, auf den Personaltransport mit 463.886 zurückgelegten Kilometern (inkl. Flugstrecken) 64 Tonnen. Die insgesamt 1.444 Übernachtungen im Bereich Unterkunft ergaben einen CO2-Ausstoß von 30 Tonnen.

Da die Juryreisen mit einem Anteil von 47 Prozent an der Gesamtbilanz (56 Tonnen CO2) große Auswirkungen auf die Bilanz 2019 haben, wird nun insbesondere die Transportmittelwahl in den Blick genommen.

Die Juryreisen

Um die 10 bemerkenswerten Inszenierungen für das Theatertreffen 2019 zu ernennen, sichteten die sieben Juror*innen 418 Inszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wofür sie knapp unter 293.000 Kilometer zurücklegten. In 6 Prozent der Fälle wurde der PKW, in 39 Prozent das Flugzeug sowie in 55 Prozent die Bahn als Transportmittel gewählt, was zusammen 45 Tonnen CO2 verursachte. Die folgenden Diagramme zeigen, welche prozentualen Anteile die Juryreisen an der Gesamtstrecke pro gewähltem Transportmittel haben und wie viele Tonnen CO2-Ausstoß das ergibt.

Ein Balkendiagramm zeigt grafisch den durch Personaltransport angefallenen CO2-Ausstoß beim Theatertreffen 2019.

CO2-Ausstoß Personaltransport Theatertreffen 2019

© Berliner Festspiele

Ein Balkendiagramm zeigt grafisch die zurückgelegten Kilometer des Personals pro Transportmittel für das Theatertreffen 2019.

Personaltransport Theatertreffen 2019 in Kilometern

© Berliner Festspiele

Obwohl das Flugzeug im Vergleich zur Bahn deutlich weniger genutzt wurde, sind 76 Prozent (34 Tonnen) des CO2-Ausstoßes dem Fliegen zuzuschreiben, während die Bahnfahrten einen deutlich geringeren Anteil von 15 Prozent (7 Tonnen) ausmachen.

Die Erkenntnisse

Schon vor der Bilanzierung ging das Theatertreffen-Team davon aus, dass die Juryreisen die größten Emissionen verursachen und somit einen ersten effektiven Anknüpfungspunkt zur Verbesserung darstellen. Das Ergebnis bestätigte und bestärkte den Ansatz, das Reiseverhalten in Frage zu stellen und damit zukünftig noch konsequenter umzugehen. Ein Umdenken hat seit der letzten analogen Festivalausgabe 2019 bereits stattgefunden. Seit 2020 ist das Theatertreffen stetig bemüht, die Reisevorgaben zu reglementieren und anzupassen. Die COVID-19-Pandemie machte die digitale Sichtung von Inszenierungen neben der Sichtung vor Ort zu einer weiteren Möglichkeit, sorgsamer mit den persönlichen Ressourcen und den klimatischen Belangen umzugehen. Für die Festivalausgabe 2022 wurden die bereits seit 2020 strengen Reisevorgaben bestärkt, wodurch Flüge bestmöglich vermieden wurden.

Die digitale Sichtung von Inszenierungen gewann zwar an Relevanz, doch der Weg ins Digitale ist nicht die eine Lösung, denn die digitalen Emissionen von Streaming, Videokonferenzen etc. sind noch eine Dunkelziffer. Auch wurde durch die Pandemie deutlich, dass ein physisches Zusammenkommen nicht leicht ersetzt werden kann. Deswegen werden Reisen weiter fortbestehen. Wie gereist wird, ist dabei die ausschlaggebende Frage und hat einen enormen Einfluss auf den CO2-Fußabdruck des Festivals.

Ähnliches gilt für die Besucher*innen-Mobilität, sie wird in der Festivalausgabe 2022 mit dem Ticketkauf abgefragt und erfasst. Erstmals ist in jedem Theaterticket ein ÖPNV-Ticket inkludiert, das eine kostenfreie Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln im Raum Berlin ermöglicht. Damit möchte das Theatertreffen für das Publikum einen Anreiz zu einem umweltfreundlichen und stressfreien Festivalbesuch schaffen.

„Ein zukunftsfähiges Theater ist ein Theater, in dem es selbstverständlich ist, dass ökologisch orientiertes Verhalten und nachhaltige Entscheidungen kein Verzicht, sondern Gewinn auf allen Ebenen bedeuten.“
Yvonne Büdenhölzer (Leiterin des Theatertreffens)

Der Ausblick

Mit dieser ersten Klimabilanzierung der Festivalausgabe 2019 hat das Team des Theatertreffens einen komplexen Prozess begonnen, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Vor allem die Gastspielreisen, zusammen mit dem dadurch entstehenden Frachttransport, werden bei voller Datenerfassung in Zukunft einen großen Teil des gesamten Fußabdrucks des Festivals ausmachen. Durch die Zusammenarbeit mit den Institutionen und Ensembles der 10er Auswahl hofft das Theatertreffen, neben dem eigenen Lernprozess einen Motivationsschub für weitere Häuser und Institutionen zu erzeugen und die Suche nach einem ressourcenschonenderen Theater- und Festivalbetrieb vorantreiben.

Effektive Maßnahmen zur Reduzierung des eigenen Fußabdrucks lassen sich erst definieren, wenn ein datenbasiertes Bild über die eigenen Emissionsquellen vorliegt. Eine vollständige Datenerfassung, zusammen mit den Emissionen aus anderen Festivalbereichen sowie den Streamingaktivitäten aus 2020, 2021 und darüber hinaus, setzt sich das Theatertreffen als nächstes Ziel.

Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit im Festivalprogramm

2022

Team

Datenerhebung: Susanne Albrecht (Administration und Controlling), Lina Erlenmaier (Assistentin Organisation), Katharina Fritzsche (Organisationsleiterin) sowie Laura Hänel (Assistentin Administration) und Marie Speckmann (Studentische Mitarbeiterin).

Text: Diana Palm (Teil des Teams der Berliner Festspiele, Kulturmanagerin, Autorin, seit 2021 Transformationsmanagerin für Nachhaltige Kultur und Betreiberin des Blog  eARTh – How arts & culture work for our planet)

Das Festivalzentrum 2022

Theater / Material / Kreislauf

Eine Nahaufnahme von pinkem Granulat.

Pinkes Granulat

© Eva Veronica Born

Wie können Bühnenbilder nach der Dernière der Produktion, für die sie entstanden sind, weiter genutzt werden? Begrenzte Lagerkapazitäten und zum Teil noch fehlende Umsortierungs-Mechanismen führen dazu, dass der Großteil der Theatermaterialien ohne Nachnutzung in der Müllpresse landet.

Die Architektin und Bühnenbildnerin  Eva Veronica Born beschäftigt sich bereits seit längerem in unterschiedlichen Kontexten mit dem Thema Nachhaltigkeit in Theaterhäusern und Kultureinrichtungen. Unter anderem gestaltet sie seit 2015 das Festivalzentrum des Theatertreffens im Haus der Berliner Festspiele so nachhaltig wie möglich. Für die Festivalausgabe 2022 entwickelte sie das Projekt „Theater / Material / Kreislauf“: Das Theatertreffen-Festivalzentrum wird nach den Corona-Jahren 2020 und 2021 ausschließlich aus „abgespielten“ Bühnenbildern und recycelten Elementen aus verschiedenen Kontexten bestehen, die nach Ende des Festivals weiteren und neuen Nachnutzungskreisläufen zugeführt werden.

Materialkreislauf “Forecast House”

Volksbühne Berlin / Produktion „Forecast“ 2020 & 2021 → Theatertreffen 2022 → haubrok foundation

Das “Forecast House”

Ein Ausgangspunkt für das Projekt war die Theaterproduktion „Forecast“ des Regisseurs und Komponisten Ari Benjamin Meyers an der  Volksbühne Berlin. Meyers und sein künstlerisches Team arbeiteten bereits seit 2017 an diesem Projekt, das infolge der Corona-Lockdowns sowie mehrerer Leitungswechsel des Theaters nie öffentlich vor Publikum gezeigt werden konnte. Das aufwendig produzierte Bühnenbild von Eva Veronica Born sollte im Januar 2022 entsorgt werden.

Durch das Projekt „Theater / Material / Kreislauf“ konnte das Bühnenbild – ein Bausatz, der während der Aufführung zu einem Haus zusammen- und wieder auseinandergebaut werden sollte – von der Volksbühne Berlin erworben und für das Theatertreffen-Festivalzentrum 2022 im Garten des Haus der Berliner Festspiele nachgenutzt werden. Das „Haus“ aus der „Forecast“-Produktion dient beim Festival als Aufenthaltsort und präsentiert die Komposition aus dem Stück als Audio-Installation. Nach dem Theatertreffen wird das “Forecast House” von der  haubrok foundation übernommen und in weiteren Kontexten zu sehen sein. Für die „Forecast“-Inszenierung, die als Abend über den Klimawandel und Ressourcenverschwendung erarbeitet wurde, stellt diese Nachnutzung eine konzeptionelle Fortsetzung dar.

Das leicht pink leuchtende „Forecast House“ steht auf der Bühne, davor sitzen eine Frau in einem schwarzen Kleid und ein Musiker.

„Forecast House“ auf der Bühne

© Eva Veronica Born

Aus der Vogelperspektive gesehen bilden die Einzelteile des ªForecast House“ ein grafisches Muster.

„Forecast House“ in Einzelteilen

© Eva Veronica Born

Das Gerüst eines Hauses mit pinken Platten steht im Garten des Haus der Berliner Festspiele.

Aufbau „Forecast House“ im Garten des Haus der Berliner Festspiele

© Eva Veronica Born

Eine Leiter steht im verspiegelten Innenraum des „Forecast House“.

Aufbau „Forecast House“ im Garten des Haus der Berliner Festspiele

© Eva Veronica Born

Der verspiegelte Innenraum eines Hauses zeigt bunte Reflexe.

Innenraum „Forecast House“ im Garten des Haus der Berliner Festspiele

© Eva Veronica Born

Aus der Vogelperspektive gesehen bilden die Einzelteile des „Forecast House“ ein grafisches Muster.

„Forecast House“ in Einzelteilen

© Eva Veronica Born

Ein pink leuchtendes Haus steht im Garten des Festspielhauses zwischen blühenden Kastanien.

„Forecast House“ im Garten des Haus der Berliner Festspiele

© Eva Veronica Born

Materialkreislauf „18 Kubikmeter pinkes Granulat“

Münchner Kammerspiele / Produktion „Heart Chamber Fragments“ 2021 → Theatertreffen 2022 → Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien e.V. → documenta fifteen in Kassel & weitere Nachnutzer*innen und Bauvorhaben im Umkreis von Berlin & Volkstheater in Wien

18 Kubikmeter pinkes Granulat

Ein weiteres Bühnenbild, das für das Festivaldesign weiterverwendet wird, stammt aus dem Projekt  „Heart Chamber Fragments“ des Theaterkollektivs Papertiger aus Beijing/Berlin, das an den  Münchner Kammerspielen im Herbst 2021 uraufgeführt wurde. Die Produktion wurde sechs Wochen en suite in München gespielt; aufgrund der Corona-Pandemie musste die anschließend geplante Tour durch China abgesagt werden. Das Bühnenbild aus hochwertigem, universell einsatzbaren und aufwendig hergestelltem Granulat wurde zur Entsorgung freigegeben, obwohl dieses Granulat als feuerfeste Schüttdämmung auf auf Baustellen verschiedenster Art eine nachhaltige Nachnutzung finden könnte.

Mit den Berliner Festspielen, den Münchner Kammerspielen und  Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien e.V. entstand die Zusammenarbeit mehrerer Institutionen, die einen Transport nach Berlin organisierten und dort nach dem Theatertreffen 2022 die Weiternutzung vermitteln und koordinieren. So wird ein großer Teil des pinken Granulats im Anschluss an das Theatertreffen nach Kassel zur  documenta fifteen gebracht und dort im Rahmen einer Kunstinstallation weiterverwendet. Weitere Anteile werden als Schüttdämmung bei Bauvorhaben im Berliner Umland dienen, womit das Material seinem ursprünglichen Nutzen wieder zugeführt wird. Am  Volkstheater in Wien wird aus einem Teil des Granulats ein weiteres Bühnenbild entstehen.

Menschen bewegen sich in Bergen von pinkem Granulat auf einer Bühne.

Pinkes Granulat auf der Bühne

© Eva Veronica Born

In einem LKW befinden sich mehrere weiße Säcke mit pinkem Granulat; davor befindet sich ein Mitarbeiter der Münchner Kammerspiele mit einem Stapler.

Transport pinkes Granulat

© Ji Hyung Nam / Münchner Kammerspiele

Mehrere weiße Säcke mit pinkem Granulat befinden sich vor dem Haus der Berliner Festspiele.

Säcke mit pinkem Granulat vor dem Bühneneingang des Haus der Berliner Festspiele

© Eva Veronica Born

Pinkes Granulat liegt in einer Art Einfassung, die an einen Pool erinnert.

Pinkes Granulat als Pool-Installation

© Eva Veronica Born

Publikum sitzt auf der Umrandung eines Pools, der mit pinkem Granulat gefüllt ist.

Eröffnung Theatertreffen 2022

© Eva Veronica Born

Materialkreislauf „Labyrinth zu Pool“

Theatertreffen 2017 / Ein Banklabyrinth → Theatertreffen 2022

Labyrinth zu Pool

Dem „Theater / Material / Kreislauf“-Projekt vorausgegangen ist die Arbeit für die Gestaltung des Festivaldesigns des Theatertreffens, für das Eva Veronica Born seit 2015 einen nachhaltigen Ansatz verfolgt und Elemente des Festivalzentrums der vorangegangenen Theatertreffen in die Gestaltung miteinbezieht, sie verändert und in neue Kontexte stellt. So wurde zum Beispiel für die Festivalausgabe 2022 die Konstruktion und Umrandung des Granulat-Pools aus einem für das Theatertreffen 2017 entworfenen „Labyrinth“ aus Holzbänken und Winkeln geplant und gebaut. Die geschlossene „Camp-Arena“ des Theatertreffens 2015 findet sich als langgezogene, bunte Sitztreppe für die Zuschauer*innen 2022 im oberen Foyer des Festspielhauses. Die kleinen stapelbaren Hocker, die für eine Veranstaltungsreihe des Theatertreffens 2016 konzipiert wurden, sind in diesem Jahr überall auf dem Campus verstreut und bieten Möglichkeiten für spontane Begegnung und Austausch. Ein hölzerner Steg, der im Jahr 2015 in den damals zum ersten Mal genutzten neuen Haupteingang des Festspielhauses führte, wurde für das Theatertreffen 2022 in Sitzbänke verwandelt, die die Zuschauer*innen hinter diesem mittlerweile etablierten Haupteingang empfangen.

Pinkes Granulat liegt in einer Art Einfassung, die an einen Pool erinnert.

Pinkes Granulat als Pool-Installation

© Eva Veronica Born

Viele Menschen befinden sich auf dem Vorplatz des Haus der Berliner Festspiele in einem aus Holzbänken gebildeten Labyrinth.

Bänke-Labyrinth Theatertreffen 2017

© Piero Chiussi

Weiß und türkis bemalte Holzbänke stehen im Festspielhaus.

Bänke Theatertreffen 2022

© Eva Veronica Born

Holzbänke stehen vor dem Haus der Berliner Festspiele.

Bänke Theatertreffen 2015

© Eva Veronica Born

Ein Hocker steht bei gelben Stühlen im Festspielhaus.

Hocker Theatertreffen 2022

© Eva Veronica Born

Übereinander gestapelte weiße Hocker bilden ein Muster.

Hocker Theatertreffen 2015

© Eva Veronica Born

Pflanzen stehen auf einem weiß ummantelten treppenartigen Aufbau.

Tribüne Theatertreffen 2022

© Eva Veronica Born

Eine aus Hockern und Planken gebaute Arena befindet sich in der Kassenhalle des Festspielhauses.

Camp Theatertreffen 2015

© Eva Veronica Born

Weiße und schwarze Drehstühle stehen vor einer Bar im Festspielhaus.

Drehstühle Theatertreffen 2022

© Eva Veronica Born

Weiße und schwarze Drehstühle stehen auf einer bunten Fläche vor dem Festspielhaus.

Drehstühle Theatertreffen 2021

© Eva Veronica Born

Das Kreislauf-(Pilot)Projekt „Theater / Material / Kreislauf“ soll Perspektiven, Möglichkeiten, Hemmnisse und Fragen über und für einen Umgang mit abgespielten Materialien im Theater- und Kulturbetrieb thematisieren, kritisch hinterfragen und Perspektiven für die Zukunft schaffen.

Die Theatertreffen-Auszeichnung 2022

Mehrere hellbraune Pokale mit buntem Sockel stehen auf einer hellen Fläche.

Auch die  Theatertreffen-Auszeichnung 2022 steht im Zeichen der Nachhaltigkeit. Eva Veronica Born hat für diese Festivalausgabe einen „Pokal“ aus Erde entworfen, die Samen verschiedener Pflanzen enthält. Die Ensembles sind aufgerufen, die Auszeichnung an einen für die Produktion besonderen Ort zu bringen. Das „Eine“ wird vergraben, ausgesät und eine neue Vielheit wird daraus entstehen. Blumen, Sträucher und Bäume werden aus dem gemeinsamen Akt erwachsen und ihrerseits etwas Neues und Dauerhaftes der Welt zurückgeben.

Projekt

Eva Veronica Born ist Architektin und Bühnenbildnerin und entwirft für das Theatertreffen seit dem Jahr 2015 die Festival-Räume im Haus der Berliner Festspiele und seit 2016 als Künstlerin die offizielle Auszeichnung des Theatertreffens.