Das Internat

von Ersan Mondtag
Text von Alexander Kerlin und Matthias Seier

Schauspiel Dortmund
Uraufführung 9. Februar 2018

Ersan Mondtags erste Arbeit am Schauspiel Dortmund ist ein mächtiger Bilderreigen von Träumen und Alpträumen, die uns von der Romantik in die Kriegslandschaften der Gegenwart führen – mit grandioser Musik von T.D. Finck von Finckenstein.

Videotrailer

© Schauspiel Dortmund

Diese Inszenierung kann leider beim Theatertreffen 2019 nicht gezeigt werden.

Sa 4.5.
Verleihung 3sat-Preis an Ersan Mondtag & Theatertreffen-Ehrung für „Das Internat“

Ein Internat am Ende von Raum und Zeit, darin 17 uniformierte Zöglinge, deren Leben von Ritualen beherrscht werden und deren Herzen im Takt der Angst schlagen. Wer ist Opfer, wer Täter? Wer ist dieses Kind, dessen Stimme wir hören? „Das Internat“ von Ersan Mondtag ist ein wie gemalt wirkender Bilderreigen, der von der Romantik in die Kriegslandschaften der Gegenwart führt, untermalt mit Musik von T.D. Finck von Finckenstein. Ein intensiver Trip in die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens und eine Geschichte über Trauma, Krieg und Zeit.

Statement der Jury

Es ist eine optisch spektakuläre Welt-Entrückung, die Ersan Mondtag aus Pappmaché und naiven Zeichnungen als Gothic-Geisterbahn am Schauspiel Dortmund erschafft: Angsträume, die wir uns nicht in kühnsten Albträumen ausmalen möchten. Immer neue dunkle Kammern öffnen sich auf der Drehbühne, durch die 17 dressierte und uniformierte Zöglinge schleichen und mechanisch-rhythmische Alltagsroutinen vollziehen: essen, schlafen, quälen. Das Internat – und sein reicher kulturhistorischer Assoziationsraum – wird gezeigt als ewiger Kreislauf von Unterdrückung und Unterdrücktsein, Opfer- und Täter*innentum, Angst und Paranoia. Das archaisch-künstliche Szenario löst große philosophische Fragen aus: Was ist eine gerechte Revolution? Wann schlägt sie um in Faschismus? Ab wann ist Gewalt erlaubt? „Das Internat“ ist die Geschichte einer Gehirnwäsche, in der die Ideologien beständig umschlagen: eine düstere Weltmetapher.

Besetzung

Regie, Bühne, Kostüme Ersan Mondtag
Komposition T. D. Finck von Finckenstein
Licht-Design Rainer Casper
Realisierung des Kostüms, Kostümmalerei Annika Lu Hermann
Video-Art Tobias Hoeft
Dramaturgie Alexander Kerlin

Mit
Massiamy Diaby, Klara Eham, Christian Freund, Frank Genser, Johannes Hoff, Bettina Lieder, Max Poerting, Philipp Joy Reinhardt, Jojo Rösler, Uwe Rohbeck, Alicja Rosinski, Ansgar Sauren, Vera Hannah Schmidtke, Uwe Schmieder, Nairi Sevinc, Philipp Steinheuser, Merle Wasmuth
Stimme des Kindes Alicja Rosinski