Internationales Forum 2019

Workshops

Art Thinking in the Public Realm

Von und mit Barbara Van Lindt

Zeitgenössisches Theater ist oft eine transdisziplinäre Praxis. Für Luis Camnitzer ist „Art Thinking“ der Bereich jenseits von Handwerk und Kunstgeschichte. Es ist ein Weg, Wissen zu erlangen mit ungebundener Vorstellungskraft, wodurch neue Perspektiven erschaffen werden. In diesem Workshop entwickeln die Teilnehmer*innen Wege, ihre Praxis des „Art Thinking“ miteinander und mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Barbara Van Lindt, geboren 1966 in Belgien, schloss ihr Masterstudium in Philosophie und ein postgraduales Studium in Theaterwissenschaft ab. Die meisten ihrer Erfahrungen sammelte sie im Berufsleben mit zwei wiederkehrenden Interessen: performative Künste in einer globalisierten Welt sowie die Unterstützung der Entwicklung junger Künstler*innen. Am Gasthuis Theater (Amsterdam, 1997-2001) und am wpZimmer (Antwerpen, 2002-2006) initiierte und leitete sie Werkstätten für Nachwuchskünstler*innen aus den Bereichen Theater, Performance und Tanz. Als Kuratorin arbeitete sie für das Programm von Kunstenfestivaldesarts (Brüssel, 2006-2009). 2009-2018 war sie Leiterin von DAS Theatre (ehemals DasArts). Dort förderte sie den künstlerischen Austausch und entwickelte eine eigene Feedback-Methode und -Kultur. Derzeit arbeitet sie freiberuflich als Dramaturgin, Mentorin und Beraterin zwischen den Feldern (darstellende) Kunst und Bildung.

Something to Remember

Von und mit She She Pop

Dieser Workshop beschäftigt sich mit der Aufgabe der*des Performer*in auf der Bühne. Wir werden uns gegenseitig Aufgaben stellen, um herauszufinden, was eine gute Aufgabe für die Bühne eigentlich ausmacht. Ein spezieller Fokus wird auf der Aufgabe der szenischen Erinnerung liegen. Welche Mittel der Beschreibung und der Verfremdung eignen sich, um Erinnertes auf der Bühne zu rekonstruieren?

She She Pop ist ein Performance-Kollektiv, das in den 1990er Jahren am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft gegründet wurde. Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Fanni Halmburger, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou und Berit Stumpf und Elke Weber als Geschäftsführerin.

Die Mitglieder der Gruppe sind in der Mehrzahl Frauen und arbeiten im Kollektiv. Die Performer*innen verstehen sich als Autor*innen, Dramaturg*innen und Ausführende ihrer Bühnenhandlung. Das Einbeziehen der eigenen Autobiografie ist dabei vor allem Methode, nicht Zweck der Arbeit. Daraus entsteht eine Theaterform, die dem Experiment verpflichtet ist. Die Bühne ist immer ein Ort der akuten Öffentlichkeit. Hier werden Entscheidungen getroffen, Gesprächsweisen und Gesellschaftssysteme ausprobiert, Sprechgesten und soziale Rituale einstudiert oder verworfen. She She Pop sehen ihre Aufgabe in der Suche nach den gesellschaftlichen Grenzen der Kommunikation - und in deren gezielter und kunstvoller Überschreitung im Schutzraum des Theaters. Das Theater wird zu einem Raum für utopische Kommunikation. Auch das Publikum erhält häufig eine konkrete Zuschreibung und eine besonderen Funktion: Sämtliche Arbeiten von She She Pop sind auf ihre Weise Experimente oder Beweisführungen, die ohne Zeugenschaft ungültig würden. She She Pop sind seit 1998 in Berlin ansässig und feierten 2018 ihr 25-jähriges Jubiläum. Das Theater HAU Hebbel am Ufer ist seit 2003 ihr kontinuierlicher Koproduzent und Kooperationspartner in Berlin.

Weitere regelmäßige Kooperationspartner im In- und Ausland sind: Münchner Kammerspiele, Schauspiel Stuttgart, Kampnagel in Hamburg, Forum Freies Theater in Düsseldorf, Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main sowie Kaserne Basel, brut Wien, Theatre de la Ville / Festival d'Automne à Paris, Kyoto Experiment – Kyoto International Performing Arts Festival, Divadlo Archa in Prag, Prager Theaterfestival deutscher Sprache, Festival Konfrontationen in Lublin.

She She Pop wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Wild Card beim Theaterfestival FAVORITEN 2010, mit der Einladung zum Theatertreffen 2011, mit der Auswahl für das virtuelle nachtkritik-Theatertreffen 2011, mit dem Friedrich-Luft-Preis 2011, mit dem Preis des Goethe-Instituts beim Theater Festival Impulse 2011, mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2012 für die Hörspielfassung (Produktion mit DeutschlandRadio Berlin), mit dem Best Performance Award von der National Theater Association of Korea, mit der Einladung zur Impulse Theater Biennale 2013, mit dem Preis der Kinderjury in der Kategorie Das herzergreifendste Stück beim Kunstfest Weimar 2015, mit dem George Tabori Preis 2015 des Fonds Darstellende Künste e.V., mit der Auswahl für den Europe Prize Theatrical Realities 2017 und mit dem Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung 2019.

Was Ödön a Woman? Oder: Boys Will Be Boys What They Are Taught.

Von und mit Florian Fiedler

Im Stück „Glaube Liebe Hoffnung“ steht eine Frau im Zentrum, die permanent gegen ihren Opferstatus kämpft und die, wie es sich für zentrale Frauen in der Weltliteratur gehört, am Ende zu sterben hat. Wie funktionieren Rollenzuschreibungen auf der Bühne? Welche Rollenbilder sind uns eingeschrieben, wie reproduzieren wir sie und wie lassen sie sich aufbrechen?

Florian Fiedler wurde 1977 in Hamburg geboren. Als Bühnenregisseur inszenierte er am Theater Basel, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Münchner Volkstheater und am Schauspiel Frankfurt. Seit der Spielzeit 2017/18 ist er Intendant des Theaters Oberhausen. 2003 erhielt er den Kurt-Hübner-Preis für junge Regie der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. 2004 wurde er im Rahmen der Kritikerumfrage von Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt. Seine Inszenierungen wurden mehrfach zu radikal jung – Das Festival für junge Regie eingeladen und seine Inszenierung „Die Leiden des jungen Werther“ gewann dort den Publikumspreis. Vom Goethe-Institut ist er unter den 50 bedeutendsten Regisseur*innen im deutschsprachigen Raum gelistet.