Concert
Dvořák / Prokofjew
The digital programme is only available in German.
Antonín Dvořáks Violinkonzert
„Wollen Sie mir ein Violinkonzert schreiben?“ Im Januar 1879 erhält der damals 38-jährige Prager Komponist Antonín Dvořák diese Anfrage aus Berlin. Der da um ein Violinkonzert für sich bittet, ist allerdings kein Musiker, sondern der Musikverleger Nikolaus Simrock, in jener Zeit einer der Einflussreichen und Mächtigen seiner Zunft. Johannes Brahms veröffentlichte so gut wie alle seine Werke in diesem Verlag, und Simrocks Berliner Villa war seit 1871 ein angesagter Treffpunkt für musikalische Aktivitäten und Netzwerkerei in der Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches. In jenem Jahr erlebte der nicht mehr ganz junge Dvořák in Prag mit einem Klavierlied die erste öffentliche Aufführung einer seiner Kompositionen. Doch dann ging alles sehr schnell – und die Schubladen des bis dahin noch Unbekannten waren bereits übervoll. Es folgten Prager Aufführungen größerer Werke, Dvořák gab seine Stelle als Bratschist am Prager Opernhaus auf und hoffte, dort bald mit einer Oper herauszukommen. Seine Kompositionen schickte er nach Wien, der Hauptstadt des österreichischen Kaiserreiches, von der aus auch Prag regiert wurde. Bei dieser Bewerbung um das Österreichische Künstlerstipendium waren zum ersten Mal auch einflussreiche Musiker*innen außerhalb Prags auf Dvořáks Kompositionen aufmerksam geworden, allen voran der von ihnen begeisterte Johannes Brahms. Vier Jahre in Folge erhielt Dvořák das gut dotierte Stipendium. Brahms machte auch seinen Verleger Simrock mit dem Hinweis auf „das Pikante“ – den böhmischen Tonfall – in Dvořáks Musik neugierig. Simrock witterte darin ein gutes Geschäft, und er war es dann auch, der Dvořák zu einer Art „slawischem Brahms“ aufbauen wollte – für den „Export“ nach Deutschland, Westeuropa und schließlich auch Amerika.

Violinist Hilary Hahn
© Chris Lee
Sergej Prokofjews „Romeo und Julia“
Sergej Prokofjew war von den bedeutenden russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts der einzige, dem es gelang, noch einmal an die von Peter Tschaikowsky geprägte Tradition des abendfüllenden Handlungsballetts anzuknüpfen. So steht bis heute Prokofjews Komposition nach der Vorlage von William Shakespeares Romeo und Julia in einer Reihe mit Tschaikowskys Dornröschen, Schwanensee und Nussknacker. Und ähnlich wie bei diesen Stücken hat sich auch Prokofjews Musik unabhängig von der Tanzbühne, ja sogar unabhängig vom Konzertsaal durch vielfältige Anwendung Präsenz verschafft. Ein echter Ohrwurm ist vor allem der Tanz der Ritter, der mit seiner auftrumpfenden Wucht die Rockmusik inspirierte und sogar als Soundtrack zu einem raffinierten, mittlerweile ikonischen Werbespot für ein französisches Herrenparfüm beitrug.

Romeo and Juliet, a ballet by Sergei Prokofiev, first performed in Brno in 1938
© akg-images