Kreuzberg: Das Magazin

Kunst und Migration seit 1960

Einführung

Kreuzberg: Vom Ankommen und Bleiben rückt künstlerische Perspektiven auf den Bezirk ins Zentrum. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten von Künstler*innen, die in den 1970er und 1980er Jahren durch Stipendien, zum Studieren, aus politischen, ökonomischen oder familiären Gründen nach West-Berlin kamen. Ihre Werke thematisieren Migration und Exil, Rassismuserfahrungen, Wohnungsnot und die Bedingungen sogenannter Gastarbeit: die systematische Anwerbung von Arbeitskräften – insbesondere aus der Türkei, aber auch aus Ländern wie Griechenland, Italien, Süd-Korea und dem damaligen Jugoslawien. Gleichzeitig erzählen sie von Selbstermächtigung, Widerstand, Solidarität und Gemeinschaft und machen deutlich, wie sich Menschen mit ihren eigenen Bildern gegen fremde Zuschreibungen wehren. Neben den ausgestellten Malereien, Skulpturen, Filmen und Fotografien aus dieser Zeit blicken jüngere Künstler*innen in aktuellen Arbeiten zurück und stellen den Bezug zum heutigen Kreuzberg her.  

Die Werke geben einen Einblick in die bewegte Geschichte des Stadtteils: Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 war Kreuzberg an den Rand West-Berlins gerückt. Durch Leerstand, niedrige Mieten und das Desinteresse der Stadtpolitik entstand ein Ort, an dem viele Menschen zusammenkamen, die anderswo wenig Platz fanden: darunter Arbeitsmigrant*innen, Studierende, Hausbesetzer*innen und Künstler*innen. Dadurch war der Bezirk gleichzeitig Ausgangspunkt und lebendige Bühne für künstlerische Ausdrucksweisen. Hier wurden im Kleinen gesellschaftliche Veränderungen sichtbar, die auch die bundesdeutsche Realität prägten. Die Ausstellung macht Kreuzberg als künstlerischen Möglichkeitsraum sichtbar: als Ort, an dem gelebte Erfahrungen von Migration, Geschlecht und Klasse zu Bildern, Stimmen und Haltungen wurden, die bis in die Gegenwart fortwirken

Blick in die Ausstellung

Schriftsammlung

Ein gebrauchter Lederschnürschuh auf einem weißen Tisch, dessen Absatz auf zwei schwarze Räder gestützt ist. Vorne am Schuh ist eine Schnur befestigt.

Kindheit in Kreuzberg

Ab den 1970er Jahren prägte die alltägliche Präsenz migrantischer Kinder in den Straßen Kreuzbergs den Blick von Künstler*innen auf den Stadtteil. Ihre Lebensumstände, aber auch ihre Wünsche und Hoffnungen sind Gegenstand zahlreicher Werke aus dieser Zeit.

Zu den Künstler*innen
Ein gebrauchter Lederschnürschuh auf einem weißen Tisch, dessen Absatz auf zwei schwarze Räder gestützt ist. Vorne am Schuh ist eine Schnur befestigt.

Der arbeitende Körper

“In der Radiolampenfabrik hatte ich ein neues Wort gelernt. Akkord.  Man sagte nicht mehr, ich komme aus der Fabrik, man sagte, ich  komme vom Akkord.” – Emine Sevgi Özdamar 

Zu den Künstler*innen
Ein gebrauchter Lederschnürschuh auf einem weißen Tisch, dessen Absatz auf zwei schwarze Räder gestützt ist. Vorne am Schuh ist eine Schnur befestigt.

Faschistische Kontinuitäten

In den 1970er und 1980er Jahren fragten Künstler*innen in ihren Werken immer wieder, wie weit sich die Bundesrepublik von nationalsozialistischen Denkweisen und rassistischen Strukturen gelöst hatte. Denn in dieser Zeit wurden alte und neue Formen von Rassismus immer deutlicher sichtbar.

Zu den Künstler*innen
Ein gebrauchter Lederschnürschuh auf einem weißen Tisch, dessen Absatz auf zwei schwarze Räder gestützt ist. Vorne am Schuh ist eine Schnur befestigt.

Biopolitik und bürokratischer Apparat

Das behelfsmäßige Leben aus Koffern und die andauernde Abhängigkeit von bürokratischen Prozessen gehören zu den zentralen Motiven der Arbeiten in diesem Raum. Sie stellen der starren Verwaltung die Verwundbarkeit der Lebensrealitäten von Arbeitsmigrant*innen entgegen, denen zwischen Aufbruch und Ankommen das Bleiben verweigert wird.

Zu den Künstler*innen