Programm
Konzert
Robert Schumann
Donnerstag, 3.9.2026, 20:00 Uhr
Philharmonie Berlin, Großer Saal
Dauer: circa 1 h 40 min, inklusive Pause
Anstelle einer Einführung: Quartett der Kritiker
18:00 Uhr, Oberes Foyer Kammermusiksaal
Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Robert Schumann (1810–1856)
Ouvertüre zur Oper Genoveva op. 81 (1847/48 )
Langsam – Leidenschaftlich bewegt
Konzert für Violine und Orchester d-Moll (1853)
In kräftigem, nicht zu schnellem Tempo
Langsam
Lebhaft, doch nicht zu schnell
Pause
Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61 (1845/46)
Sostenuto assai – Un poco più vivace – Allegro ma non troppo
Scherzo. Allegro vivace – Trio I – Trio II – Coda
Adagio espressivo
Allegro molto vivace
Violine I
Éva Borhi*
Hannah Visser
Leonie Flaksman
Thomas Fleck
Irina Granovskaya
Katharina Grossmann
Markéta Knittlova
HyeWon Kim
Lea Schwamm
Laura Peres
Violine II
Péter Barczi*
Beatrix Hülsemann
Christa Kittel
Sofia Belo
Aliza Vicente
Jörn-Sebastian Kuhlmann
Petra Melicharek
Lotta Suvanto
Cecilie Valter
Annelies van der Vegt
Viola
Corina Golomoz*
Martina Bischof
Avishai Chameides
Yuko Hara
Aino Hildebrandt
Raquel Massadas
Chloé Parisot
Anne Sophie van Riel
Violoncello
Stefan Mühleisen*
Annekatrin Beller
Arthur Cambreling
Philine Lembeck
Ute Petersilge
Andreas Voss
Kontrabass
Dane Roberts
Kinnon Church
Enrique Rodriguez Yebra
Johann Warzecha
Flöte
Daniela Lieb
Sophia Kind
Oboe
Ann-Kathrin Brüggemann
Eleonora Trivella
Klarinette
Lorenzo Coppola
Elia Bianucci
Fagott
Jani Sunnarborg
Carles Vallès
Horn
Bart Aerbeydt
Ricardo Rodríguez
Milo Maestri
Renske Wijma
Trompete
Jaroslav Rouček
Hannes Rux
Posaune
Stanislav Penk
Lukáš Moťka
Pavel Debef
Pauken
Michael Juen
Dirigierassistenz
Julie Røssland
* Konzertmeister*in, Stimmführer*innen
Isabelle Faust – Violine
Freiburger Barockorchester (Orchestermitglieder hinter dem Icon )
Sir Simon Rattle – Leitung
von Bernd Heyder
Robert Schumann war lange Zeit vergeblich auf der Suche nach einem passenden Sujet für eine Oper. Fündig wurde er erst, als sich ihm im Winter 1844 in Dresden die Gelegenheit zum engen Austausch mit Richard Wagner bot. Wagner, der im Jahr zuvor zum Kapellmeister der Dresdner Hofoper ernannt worden war, legte Schumann die Lektüre von Genoveva ans Herz. Das Drama von Friedrich Hebbel, das auf einer mittelalterlichen Legende basiert, brachte Schumann schließlich im Frühjahr 1847 zu seinem Opernstoff. Mit den ersten Textentwürfen für ein Libretto, an denen der Dichter und Maler Robert Reinick arbeitete, war Schumann jedoch nicht zufrieden. Schließlich erstellte er, nachdem ein Treffen mit Hebbel ergebnislos verlaufen war, selbst das Textbuch, wobei er einzelne Passagen aus Ludwig Tiecks Drama Leben und Tod der heiligen Genoveva hinzunahm. So beglückend er dann die Zeit des Komponierens erlebte, so ernüchternd war die Publikumsreaktion auf die Uraufführung am 25. Juni 1850 im Leipziger Stadttheater unter Schumanns Leitung. Genoveva blieb seine einzige Oper.

Georg Frederick Bensell, Die heilige Genoveva von Brabant im Wald, 1860
© akg-images
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
2 Naturhörner
2 Ventilhörner
2 Naturtrompeten
3 Posaunen
Pauken
Streicher
25. Juni 1850 in Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent: Robert Schumann
von Bernd Heyder
Mit dem Violinkonzert d-Moll von Robert Schumann verbindet sich aufs Engste die Künstlerpersönlichkeit des berühmten Geigers Joseph Joachim. Im Mai 1853 hatte der Virtuose beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf mit Ludwig van Beethovens Violinkonzert brilliert. Er war noch keine 22 Jahre alt und königlicher Konzertmeister am Hof von Hannover. Als Düsseldorfer Musikdirektor hatte Schumann die Aufführung geleitet. Kurz darauf erreichte ihn ein Brief Joachims: „Möchte doch Beethoven’s Beispiel Sie anregen, den armen Violinspielern, denen es, ausser der Kammermusik, so sehr an Erhebendem für ihr Instrument fehlt, aus Ihrem tiefen Schacht ein Werk an’s Licht zu ziehen, wunderbarer Hüter reichster Schätze!“ Schumann ließ sich nicht lange bitten. In einem wahren Schaffensrausch entstanden ab September die Fantasie C-Dur op. 131 für Violine und Orchester und das Violinkonzert d-Moll, außerdem als Gemeinschaftsarbeit mit seinem Schüler Albert Dietrich und dem ebenso jungen Johannes Brahms eine Violinsonate.

Isabelle Faust
© Marco Borggreve
Violine solo
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
2 Ventilhörner
2 Ventiltrompeten
Pauken
Streicher
Das Violinkonzert entstand im Herbst 1853 innerhalb weniger Wochen und gehört zu Robert Schumanns letzten vollendeten Orchesterwerken. Es wurde für den Geiger Joseph Joachim komponiert, gelangte jedoch zu Schumanns Lebzeiten nicht zur Aufführung. Nach seinem Tod blieb das Konzert unveröffentlicht, bis das Manuskript in den 1930er Jahren wiederentdeckt wurde.
26. November 1937 in Berlin, Berliner Philharmoniker, Dirigent: Karl Böhm, Solist: Georg Kulenkampff
Joseph Joachim
von Bernd Heyder
Das Jahr 1844 brachte für Robert Schumann eine einschneidende psychische und künstlerische Krise mit sich. Er verließ die lebendige Musikszene Leipzigs und zog mit seiner Familie ins beschaulichere Dresden. Die schöpferische Neuorientierung dort verband sich mit einer Rückbesinnung auf die ältere Musik, vor allem auf die Kontrapunkt-Kunst Johann Sebastian Bachs. Schumanns Sinfonie C-Dur op. 61 ist eine Frucht seiner mit Problemen beladenen, letztlich aber wegweisenden ersten Zeit in Dresden: „Die Symphonie schrieb ich im Dezember 1845 noch halb krank; mir ist’s, als müßte man ihr dies anhören“, konstatierte der Komponist 1849 in einem Brief an den Hamburger Musikdirektor Georg Dietrich Otten. Dem Dresdner Werk waren schon 1841 die im Leipziger Gewandhaus uraufgeführten Sinfonien B-Dur und d-Moll vorausgegangen, von denen Letztere aber erst nach einer Revision 1853 als Schumanns 4. Sinfonie im Druck erschien.

Lucienne Collière, Porträt von Robert Schumann, 1842
© Heritage Images / Fine Art Images / akg-images
2 Flöten
2 Oboen
2 Klarinetten
2 Fagotte
2 Naturhörner
2 Naturtrompeten
3 Posaunen
Pauken
Streicher
1845/46
5. November 1846 in Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent: Felix Mendelssohn Bartholdy
König Oskar I. von Schweden und Norwegen
Zum Autor
Bernd Heyder ist Musikwissenschaftler und Autor mit Schwerpunkt auf Alter Musik. Er ist langjähriger Redakteur und Mitherausgeber von CONCERTO – Das Magazin für Alte Musik, einem der wichtigsten deutschsprachigen Fachmagazine für historische Aufführungspraxis.
Das Konzert wurde von Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet und steht nun bis zum 5. November 2026 zur Verfügung.

Freiburger Barockorchester