
Tanz
The Forsythe Company, Frankfurt a. M. / Dresden

Sider © Dominik Mentzos
Tänzer in bunten Kostümen, die mit Kartonplatten hantieren, sie gegeneinander stellen, stapeln, unter ihnen verschwinden: Der Titel „Sider“ spielt mit der Doppelbedeutung des Wortes, Outsider/Insider, Außenseiter oder Dazugehöriger. Mechanismen der Ausgrenzung wie der Inklusion werden von William Forsythes exzellenten Tänzern auf der Bühne erprobt, Grenzen mittels Kartonplatten markiert – und dann flugs verschoben und überschritten. Komplexe Sprachmuster liegen diesem Abend zugrunde, auch wenn Sprache für das Publikum nur noch in Spurenelementen aufscheint, in Satzfetzen, auf die Kartons geschrieben oder als Leuchtschrift auf die Rückwand projiziert, während der Soundtrack von Thom Willems übernimmt.
Es ist eine alte Technik, die hier neu erprobt wird: Das elisabethanische Theater hat mit seinem Sprachrhythmus wie der des klassischen Tanzes über mehr als 400 Jahre hinweg eine eigene Tradition der Übermittlung von Darsteller zu Darsteller kultiviert, und Forsythe greift diese auf, durch den Soundtrack der gefilmten Version einer Tragödie aus dem späten 16. Jahrhundert. Die Haftung der Aktionen an diese Vokalpartitur verursacht zwischen den Darstellern beunruhigende, für den Zuschauer nicht sofort entschlüsselbare Konfigurationen von abwegiger Musikalität, die die Themen von Analogie und Undurchsichtigkeit dieses Dramas unterstreichen – wie ein Puzzle, das sich erst später zusammensetzt.
Eine Arbeit von William Forsythe
und der Forsythe Company
Musik Thom Willems
Lichtobjekt Spencer Finch
Beleuchtung Ulf Naumann, Tanja Rühl
Kostüme Dorothee Merg
Sounddesign Dietrich Krüger
Media Assistent David Morrow
Dramaturgie- und Produktionsassistenz Billy Bultheel, Dr. Freya Vass-Rhee, Elizabeth Waterhouse
Mit:
Yoko Ando, Cyril Baldy, Esther Balfe*, Dana Caspersen, Katja Cheraneva, Frances Chiaverini, Brigel Gjoka, Amancio Gonzalez, Josh Johnson, David Kern, Fabrice Mazliah, Roberta Mosca, Tilman O’Donnell*, Jone San Martin, Yasutake Shimaji, Ildikó Tóth, Riley Watts, Ander Zabala
*Gast
The Forsythe Company wird gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden und den Freistaat Sachsen sowie die Stadt Frankfurt am Main und das Land Hessen. Sie ist Company-in-Residence in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste (Dresden) und im Bockenheimer Depot (Frankfurt am Main).
Mit besonderem Dank an die ALTANA Kulturstiftung für die Unterstützung der Forsythe Company.