Tanz

Herzhaft romantisch

TanzTheater-AG Neukölln 11, Schule am Bienwaldring, Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung 
Berlin

Sieben Personen unterschiedlicher Altersgruppen tanzen auf einer Bühne in bunten Outfits. Zwei Stühle stehen auf der Bühne.

Herzhaft romantisch © Christina Voigt

Das interkulturelle Tanzensemble setzt sich aus 13 Personen im Alter von 8 bis 18 Jahren mit geistiger Behinderung zusammen. Das Stück handelt von Emotionen und spiegelt die Gefühlszustände der Tänzer*innen sowie ihre Lebenswelten wider: Angst, Wut, „Gefühlte KI“ (die wahrgenommene Intelligenz einer KI aus Sicht der Nutzer*innen), Gefühlschaos, Verliebtsein und gemeinsam glücklich sein.

Produktion und Ensemble
Herzhaft romantisch entstand im Rahmen des jährlichen inklusiven Tanzfestivals „Neukölln tanzt!“ unter dem Motto „(E)motion“. Es spiegelt die individuellen Lebenswelten der Tänzer*innen wider.

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 30. September 2026 bis 30. September 2027 in der Mediathekder Berliner Festspiele.


Anschließend ECHO-RAUM
Nach den Vorstellungen laden 20-minütige Echo-Räume zu einem ersten Austausch über das Gesehene ein. Für alles, was nach der Vorstellung noch nachhallt: ein offener Raum zum Teilen, Zuhören und Weiterdenken. 

Wir arbeiten mit Elementen des zeitgenössischen Tanzes und performativen Theaters in individuellen und kollektiven Prozessen. Unsere bewegungsorientierten Performances werden gemeinsam entwickelt. Sie beinhalten somit auch immer biografische Einflüsse. Die Schüler*innen treten als Expert*innen ihrer eigenen Sache auf. Empowerment ist uns ein zentrales Anliegen. Kulturelle Teilhabe für ALLE. 

Die Originalmusik zu den Choreografien wurde von Schüler*innen der Abschlussstufe des sonderpädagogischen Förderzentrums Gustav-Meyer-Schule elektronisch komponiert und produziert. Im letzten Bild unseres Stücks „Gemeinsam glücklich“ bereichern auch die Komponist*innen die Tanzperformance. 

Das interkulturelle Tanzensemble „Neukölln 11“ setzt sich aus 13 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8-18 Jahren mit geistiger Behinderung zusammen. Seit 2009 besteht das Ensemble im Rahmen einer klassenübergreifenden TanzTheater-AG. 

Seit 2016 arbeitet die Gruppe im inklusiven Tanz- und Theaterkontext. Dabei gab es Kooperationsprojekte unter anderem mit dem Maxim-Gorki-Theater, TUSCH Berlin sowie mit den Goethe-Instituten in Turin und Marseille.

Jurykommentar von Silke Gerhardt und Aliyye Sahin

Wer kennt sie nicht, die Vielfalt der Gefühle - Schmetterlinge im Bauch bei Verliebtheit, der Magen grummelt, wenn man wütend ist oder die Gänsehaut, die sich ausbreitet, wenn man sich vor etwas fürchtet. Die TanzTheater-AG Neukölln 11 nimmt uns mit ihrem Stück Herzhaft romantisch mit auf eine Reise der Gefühle. In sechs klar voneinander abgegrenzten Szenen entstehen ganz unterschiedliche Stimmungen und Bilder. Dabei wird keine festgelegte Geschichte erzählt. Vielmehr öffnet das Stück einen Raum, in dem jede*r eigene Erinnerungen, Gedanken und Gefühle wiederfinden kann.

Mit großer Selbstverständlichkeit übersetzen die Tänzer*innen Emotionen in Bewegungen. Die Gruppe entschied gemeinsam, welche Gefühle für jede*n aus der Gruppe besonders wichtig sind und wer sie vertanzen möchte. Die Akteur*innen brauchen keine Worte, um zu zeigen, was in ihrem Inneren geschieht. Ihre Körper erzählen Geschichten, die mal laut und kraftvoll, mal leise und zerbrechlich wirken. Jede Szene hat ihre ganz eigene Energie. Mal füllt Spannung den Raum, dann wieder entsteht ein Moment der Ruhe, bevor sich alles erneut verändert. Genau diese Wechsel machen das Stück lebendig und überraschend. So entstehen Bilder, die sofort berühren und gleichzeitig offen genug bleiben, damit die Zuschauenden etwas Eigenes darin entdecken können.

Eine besondere Stärke von Herzhaft romantisch liegt in der Ehrlichkeit. Jede Persönlichkeit bleibt sichtbar und bringt ihre eigene Art zu tanzen mit auf die Bühne. Gerade diese Unterschiede machen das Ensemble stark. Es wird deutlich, wie aufmerksam die Tänzer*innen miteinander umgehen, sich gegenseitig wahrnehmen, auffangen und unterstützen. So entsteht das Bild einer Gemeinschaft, die nicht von Gleichförmigkeit geprägt ist, sondern von Vertrauen, Respekt und dem Zusammenspiel vieler verschiedener Menschen.

Eine besondere Qualität der Inszenierung liegt in der eigens komponierten elektronischen Musik, die durch eine Kooperation mit Schüler*innen der Gustav-Meyer-Schule entstanden ist. Im Arbeitsprozess zur Entstehung des Stückes kam es dabei immer wieder zu gegenseitigen Impulsen zwischen Choreografie und Musik. Die entstandene Komposition schafft für jede Szene einen eigenen Klangraum und verstärkt die Atmosphäre. Musik und Bewegung greifen immer wieder ineinander und lassen die Emotionen noch intensiver spürbar werden. Am Ende findet sich ein gemeinsamer Glücksmoment aller Beteiligten der Produktion auf der Bühne, der ins Publikum überspringt und mitten ins Herz trifft. Danke euch für dieses wunderschöne Gefühl! 

Von und mit

My Tam Julia Dam, Alma Farhat, Lynel Fredrisch Kamga Noubissi, Finn Luca Griebel, Adam Kaptur, Leonie Linz, Tommy Lütke, Mohammad-Ali Nasar, Purity Patrick, Safa Sumajja Rahaman, Emannuel Rusuf, Mahmud Souleman, Yakub Ünsal

Friederike Jentsch und Katharina EckardtChoreograf*innen
Sonderpädagogisches Förderzentrum Gustav-Meyer-Schule 
Mohamad Wasim Bakeer, Amaiak Manukiani, Daouda DiakiteMusiker*innen
Asif Shwartz-YassourMusikalische Leitung