Tanz

zwischenkörpern

Soley Huber und Jonathan Walker, tanzApartment-Studio
Berlin

Zwei Personen in schwarzer Kleidung tanzen auf einer Bühne vor einem dunklen Hintergrund.

zwischenkörpern © Magda Myjak

In einer mitreißenden Gefühlsspirale stehen zwei Körper im Dialog. Ausgehend von einem Ort der Geborgenheit durchlaufen sie unterschiedliche Beziehungszustände von Lebensfreude, Erschöpfung, Konflikt, Verständnis und gegenseitigem Halt. So wie auch die menschlichen Gefühle im stetigen Wandel sind, ist diese strukturierte Contact Improvisation ein fortwährender Kreislauf.

Produktion und Ensemble
Zwischenmenschliche Beziehungen werden in Phasen des Umbruchs und der Entwicklung immer relevanter. Wir selbst befinden uns gerade an einem Punkt, an dem wir das erfahren. In Freundschaften sowie in Liebesbeziehungen sehen wir uns mit einer neuen Intensität konfrontiert. Beziehungen erscheinen facettenreicher. Diese Erfahrung war Ausgangspunkt für die Entstehung unseres ersten eigens choreografierten Stückes zwischenkörpern

Zum Nachschauen
Verfügbar ab 28. September 2026 bis 30. September 2027 in der Mediathek der Berliner Festspiele.


Anschließend ECHO-RAUM
Nach den Vorstellungen laden 20-minütige Echo-Räume zu einem ersten Austausch über das Gesehene ein. Für alles, was nach der Vorstellung noch nachhallt: ein offener Raum zum Teilen, Zuhören und Weiterdenken. 

In unserem Duett werden verschiedene zwischenmenschliche Beziehungszustände untersucht und die Gefühle darin erforscht. Ausgehend von einem gemeinsamen Atem, einem Ort der Geborgenheit, entwickelt sich eine Gefühlsspirale durch den Raum. Wir erfahren darin Lebensfreude, Erschöpfung, Konflikte, versuchen einander zu verstehen und erreichen gegenseitigen Halt. Da Menschen im Laufe ihres Lebens immer wieder mit ihren Gefühlen und deren Wandel konfrontiert werden, kann unser Stück als ein fortwährender Kreislauf betrachtet werden.

zwischenkörpern ist eine strukturierte Contact Improvisation, in der unsere Körper in ständigem Dialog stehen. Es setzt sich zusammen aus festgelegten Elementen sowie Qualitäten, bietet aber auch den Freiraum für Momente der Improvisation. Unser Duett ist somit wiederholbar und trotzdem jedes Mal individuell. Besonders jetzt, angesichts gesellschaftlicher Spaltung, werden für uns zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch in gesellschaftlichen Kontexten immer bedeutender. Es ist uns daher wichtig, einen offenen Umgang miteinander zu finden, in den Austausch zu gehen und auf das Zwischenmenschliche vertrauen zu können. 

Jurykommentar von Silke Gerhardt

Zwei Körper sind eng miteinander verwoben und wirken wie eine lebendige Skulptur. Kaum ist zu erkennen, wo der eine endet und der andere beginnt. Langsam und beinahe unmerklich lösen sie sich aus dieser gemeinsamen Form. Mit großer Ruhe entsteht aus der Skulptur ein erster Dialog. Die Tanzenden gleiten sanft in das Stück hinein und lassen den Tanz wie aus der Stille heraus entstehen. Bereits dieser Auftakt ist berührend und lädt ein, sich auf die feinen Bewegungen und die besondere Verbindung der beiden Körper einzulassen.

Mit zwischenkörpern gelingt Soley und Jonathan ein Duett von großer künstlerischer Reife. Das Stück erzählt von Nähe, Vertrauen und dem Mut des Miteinander und entwickelt daraus eine vielschichtige Reflexion über Beziehung. Ohne Worte entsteht durch Bewegung, Berührung und gemeinsamem Atem eine Geschichte, die zugleich persönlich und universell erfahrbar ist. Dabei stellt das Duett grundlegende Fragen zu Zusammenhalt, wie Menschen miteinander in Verbindung treten und diese Verbindung aufrechterhalten können, auch in Momenten von Disharmonie.

Aus dem anfangs untrennbaren Körper entwickeln sich nach und nach zwei eigenständige Menschen, die sich einem gemeinsamen Bewegungsfluss hingeben. Sie begegnen sich neugierig – lehnen sich aneinander, gleiten herab, tragen und halten sich, rotieren umeinander, entfernen und verschmelzen wieder. Bis auf eine kleine Passage sind sie in ihrem Tanz immer miteinander verbunden.

zwischenkörpern ist aus einem langen gemeinsamen Forschungs- und Probenprozess hervorgegangen. Beeindruckend ist die außergewöhnliche tänzerische Präsenz und Präzision von Soley und Jonathan. Jede Bewegung entsteht harmonisch aus der vorhergehenden und fließt logisch in die nächste über. Grundlage dieser Bewegungssprache ist die Contact Improvisation, deren Prinzipien weit über eine Technik hinausgehen. Man spürt beim Zusehen das unbedingte Vertrauen der Tanzenden zueinander – Zuhören, gemeinsames Entscheiden und spontane Reaktionen bilden das Fundament ihrer choreografischen Arbeit. Sie tragen, stützen, fordern und überraschen einander mit einer Selbstverständlichkeit, die große technische Souveränität erkennen lässt. Gerade das fein austarierte Zusammenspiel von choreografischer Struktur und improvisatorischer Offenheit verleiht dem Stück seine besondere Dynamik. Jede Begegnung wirkt authentisch und ehrlich, als würde der Tanz genau in diesem Moment entstehen. 

zwischenkörpern lässt den Zuschauenden einerseits die Schönheit der eindrucksvollen Bewegungssprache genießen, andererseits zeigt das Duett, wie Tanz ohne Worte von den großen Fragen des Miteinanders erzählen kann. Es berührt und hallt nach dem letzten Bild noch lange nach.  

Von und mit

Soley Huber, Jonathan WalkerKonzept, Choreografie, Tanz, Kostüm
Vanessa HuberProjektbegleitung
Lorenz HuberSounddesign
Laura TölkeKostümschneiderin

Unterstützt von tanzApartment-Studio und theaterhaus berlin