von Akira Takayama
Während wir die gebaute Realität der Stadt durchqueren, sind wir ständig von unrealisierten Bauplänen, verloren gegangenen künstlerischen Entwürfen und Visionen eines anderen Zusammenlebens umgeben. Anlässlich des 75. Jubiläums der Berliner Festspiele lädt der japanische Künstler Akira Takayama zu sechs geführten Touren auf der Berliner Ringbahn ein, die Begegnungen mit diesen Geistern alternativer Zukünfte ermöglichen.
Die nicht verwirklichten Projektideen stammen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen. Takayama überführt sie in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Visionen wir künftig verwirklichen wollen. An vier Wochenenden werden die 27 Stationen der Ringbahn zu Orten vergessener künstlerischer Zukunftsentwürfe, die von erfahrenen Stadtführer*innen neu erzählt werden. Die geführten Touren finden in deutscher und englischer Sprache statt.
Für What If Berlin wurden über 100 unrealisierte künstlerische Projektideen und Stadtentwicklungskonzepte aus den Bereichen Architektur, Film, Bildender Kunst, Theater und Performance, Musik, Urban Art und Aktivismus gesichtet. Aus dem Recherchematerial wählte Takayama 27 nicht verwirklichte Entwürfe aus und verortete deren mögliche zukünftige Realisierung an jeweils einer S-Bahn-Station. Die Touren auf und entlang der Berliner Ringbahn machen diese alternativen Zukunftsentwürfe zugänglich und vermitteln dabei unterschiedliche thematische Zugänge:
Wie kann das vergessene künstlerische Erbe der DDR reaktiviert werden? Welche Infrastrukturen und urbanen Systeme erlauben Teilhabe und Diversität? Wie öffnet sich das Zentrum Berlins hin zu seiner Peripherie? Wo verlaufen die neuen Grenzen und unsichtbaren Mauern in der einstmals geteilten Stadt und wie können wir sie überwinden? Das Publikum ist dabei eingeladen, sich eine andere Stadt, ein nochmal „Neues Berlin“ vorzustellen – und darf am Ende selbst aktiv werden: Ab dem 28. August kann auf der Website der Berliner Festspiele für drei Monate über dasjenige Projekt abgestimmt werden, das Berlin am meisten braucht.