Maschinengeschriebener Text auf einem gelben Papierbogen, oben links mit „1646/43“ gestempelt.

Bertolt Brecht, Diskussionsbeitrag auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongress, Berlin, 1956

© Bertolt-Brecht-Erben / Suhrkamp Verlag GmbH, Berlin; Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv 1646/43

Station 25: Beusselstraße

Theaterchen

Im Januar 1956, nur wenige Monate vor seinem Tod, eröffnete Bertolt Brecht seinen Diskussionsbeitrag auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongress in Berlin mit der Forderung nach „Theaterchen“. Darunter verstand der Theatermacher kleine, mobile Kollektive aus professionellen Schauspieler*innen und Amateur*innen, die jenseits fester Spielstätten politisch wirksam werden sollten.

Inspiriert von der Tradition der Agitprop stellte sich Brecht flexible Gruppen vor, die mit kurzen, kabarettähnlichen Programmen direkt ihr Publikum erreichen sollten, etwa durch Auftritte in Bahnhofshallen oder auf Parkplätzen. Als Inhalte sollten keine abstrakten Stoffe dienen, sondern konkrete, ortsbezogene Themen aus dem Alltag der Menschen. Die „Theaterchen“ stünden als lokale Gruppen in direktem Zusammenhang mit der örtlichen Politik und sollten jene Themen und Konflikte aufgreifen, welche die Menschen vor Ort tatsächlich bewegten. Im Vergleich zu den großen, schwerfälligen Theaterapparaten würden diese „kleinen mobilen Truppen“ eine viel direktere und wendigere Arbeit leisten können – mit schnellen Reaktionen auf aktuelle lokale Anlässe und ohne den Umweg über langwierige Ausarbeitungs- und Produktionsprozesse. Brecht sah das Potenzial, dass diese „Theaterchen“ überall und jederzeit, „sozusagen durch Selbstzündung“, autonom entstehen könnten. Brechts Konzept der „Theaterchen“ blieb unrealisiert. Ob dafür sein früher Tod oder seine Rolle als Leiter einer offiziellen Kulturinstitution ausschlaggebend waren, lässt sich heute kaum entscheiden.

Maschinengeschriebener Text auf einem gelben Papierbogen, oben links mit „1646/43“ gestempelt.

Bertolt Brecht, Diskussionsbeitrag auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongress, Berlin, 1956

© Bertolt-Brecht-Erben / Suhrkamp Verlag GmbH, Berlin; Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv 1646/43

Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.

Die Zukunftsvision für das Projekt Theaterchen, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn die Ringbahn zu 27 Theatern würde?


Dieses Projekt ist Teil von

Tour F: Zur Ringstadt