Maschinenschriftlicher Brief der Berliner Festspiele GmbH an DDR-Kulturministerium mit handschriftlichen Markierungen.

Auszug aus einem Gesprächsprotokoll, 1988

© Landesarchiv Berlin, B Rep. 002, Nr. 22992, Landesarchiv Berlin, B Rep. 002, Nr. 37070

17 Bundesplatz

Geheime Zusammenarbeit im kulturellen Bereich

Am 11. Januar 1988 trafen sich DDR-Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann und (West-)Senator Volker Hassemer im Otto-Nagel-Haus in Berlin-Biesdorf. Begleitet wurde das Treffen unter anderem von Dr. Thomas Flierl und Ulrich Eckhardt, langjähriger Intendant der Berliner Festspiele. Im Gespräch geht es um den Austausch von Kulturveranstaltungen zwischen der DDR und West-Berlin. Zu dieser Zeit war es West-Berliner Institutionen nicht erlaubt, offizielle diplomatische Beziehungen zur Regierung der DDR zu unterhalten. Um dieses Verbot zu umgehen, nutzt Eckhardt die formale Rechtsform der Berliner Festspiele als GmbH zu seinem Vorteil: Anstatt als Staatsvertreter oder Diplomat aufzutreten, ermöglicht er dieses Gespräch aus der Position einer „quasi-kommerziellen Agentur“.

Das Treffen am 11. Januar 1988 bleibt nicht das einzige und führt zu einem Kulturaustausch über die Mauer hinweg. Durch dieses zunächst informelle Netzwerk wurden Projekte ermöglicht, die mithilfe konventioneller Diplomatie kaum hätten realisiert werden können: die Teilnahme der DDR am Theatertreffen, die einzige Joseph-Beuys-Ausstellung auf DDR-Gebiet, Austausch mit zeitgenössischen Künstler*innen aus Moskau und die Ausstellung Topographie des Terrors in Ost-Berlin. Die geheime Zusammenarbeit im kulturellen Bereich entzog sich also geschickt politisch-diplomatischer Grenzsetzungen und baute stattdessen eine kulturelle Infrastruktur auf, die Menschen über politische Grenzen hinweg miteinander verband.

Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.

Die Zukunftsvision für das Projekt Geheime Zusammenarbeit im kulturellen Bereich, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin ein geheimes kulturelles Netzwerk aufbauen würde?