Auf orangefarbenem Hintergrund Text „ICH BIN BERLINER Michail Gorbatschow 15.10.1996“.

Entwurf für Ich bin Berliner, Michail Gorbatschow, 1986

Entwurf: Martin Mlecko, Vertreten durch: DOROTHÉE NILSSON GALLERY

12 Hermannstraße

Ich bin Berliner

1986 konzipierte der Fotograf und Künstler Martin Mlecko die Arbeit Ich bin Berliner, Michail Gorbatschow, die als Plakatfläche an den Yorckbrücken in Berlin-Kreuzberg installiert werden sollte. Das Projekt steht in Bezug zu John F. Kennedys berühmter Solidaritätsbekundung von 1963, als der damalige Präsident der USA mitten im Kalten Krieg erklärte: „Ich bin ein Berliner“.

Nach Mleckos Tod im Jahr 2016 finden sich nur noch wenige konkrete Informationen über sein damaliges Vorhaben. Das Weglassen des Artikels „ein“ mag wie ein kleiner Eingriff erscheinen, kann jedoch auch eine signifikante Bedeutungsverschiebung signalisieren. Kennedys „Ich bin ein Berliner“ war die solidarische Geste eines Außenstehenden, Mleckos „Ich bin Berliner“ wirkt dagegen wie eine direkte Zugehörigkeitserklärung. Durch den Austausch der „Zitatquelle“ zugunsten von Gorbatschow wollte der Künstler möglicherweise auch die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands und Berlins zum Ausdruck bringen. Die tatsächliche Öffnung der Mauer sollte erst drei Jahre später erfolgen und Mleckos Vorhaben wurde mit dem Kommentar abgelehnt, dass man mit diesen Witzchen besser in München bleiben solle. Die Frage aber ist aktuell geblieben: Wer ist (ein*e) Berliner*in?

Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.

Die Zukunftsvision für das Projekt Ich bin Berliner, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin ein System der Stadtbürgerschaft einführen würde, für das Menschen sich an den Kiosken der Ringbahn registrieren könnten?