
Bildmontage für „Überschrieben“, 1997
Entwurf: Reinhard Matz, Rudolf Herz; Bildmontage: Hans Döring
22 Messe Nord / ICC
Im Rahmen der zweiten Runde des Berliner Wettbewerbs zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas im Jahr 1997 reichten Rudolf Herz und Reinhard Matz ihren Entwurf Überschrieben ein. Anstelle eines repräsentativen Denkmals in der Hauptstadt sah ihr Entwurf vor, den Autobahnkilometer 334 der A7 südlich von Kassel auf einer Länge von einem Kilometer in beide Fahrtrichtungen zu pflastern und mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h zu versehen. Rund 40 Millionen Menschen jährlich würden auf diese Weise das Mahnmal nicht nur wahrnehmen, sondern zwangsläufig nutzen – eine bewusste Störung des gesellschaftlichen Funktionsablaufs im Zeichen lebendiger Erinnerung. Die Autobahn, Symbol des deutschen Wirtschaftsaufschwungs, Inbegriff nationaler Identität und bis heute vielfach mit dem Erbe des Dritten Reichs verknüpft, würde auf diese Weise zu einem Ort des Innehaltens und Gedenkens.
Das ursprünglich für das Denkmal vorgesehene, prominent platzierte Berliner Grundstück sollte verkauft und der Erlös in eine neu zu gründende Stiftung zur Unterstützung verfolgter Minderheiten überführt werden. Deren Mittelvergabe wäre jedes Jahr neu zu diskutieren, die Stiftung ein lebendiges Denkmal. Der Entwurf von Herz und Matz widersetzt sich der symbolischen Geste und einer konkreten Darstellung. Die zentrale Frage der Künstler an unsere rastlose und stark auf die Gegenwart fixierte Gesellschaft bleibt: „Was ist das eigentliche Ärgernis? Der Holocaust oder diese Form seiner Erinnerung?“
Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.
Die Zukunftsvision für das Projekt Überschrieben. Mahnmal für die ermordeten Juden Europas, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin die Stadtautobahn in einen Erinnerungsort verwandeln würde?