
Ausstellungskatalog: Berlin plant. Erster Bericht, 1946
© Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Nr. 1514
8 Ostkreuz
Am 22. August 1946 wurde im notdürftig instand gesetzten Weißen Saal des Berliner Schlosses die Ausstellung Berlin plant. Erster Bericht eröffnet, in der ein Planungskollektiv um den damaligen Stadtbaurat Hans Scharoun seinen sogenannten Kollektivplan zum Wiederaufbau des von den Weltkriegen stark zerstörten Berlins vorstellte. Berlin sollte zu einer durchgrünten Stadtlandschaft mit modernen Großsiedlungen im Herzen Mitteleuropas werden, geprägt von Werkbund- und Bauhaus-Tradition.
Der Öffentlichkeit wurden umfassende Konzepte und Statistiken zur Planung ausreichenden Wohnraums und angemessener Lebensstandards, einer an die Verhältnisse der Stadt angepassten Verkehrsstruktur sowie gerecht verteilter Zentren für Kultur und Erholung vorgestellt. Hierzu zeigte die Ausstellung unter anderem Modellhäuser aus Kunststoff, die der dramatischen Wohnungsnot begegnen sollten – mit dem Ziel, solche Montagehäuser auch international zu exportieren. Neben Scharoun gehörten zum engeren Kreis des Planungskollektivs Architekt*innen und Planer*innen wie Wils Ebert, Ludmilla Herzenstein, Peter Friedrich, Herbert Weinberger und Reinhold Lingner. Ihr radikaler, viel diskutierter Entwurf wurde jedoch nie umgesetzt und bleibt ein insbesondere durch die Teilung Berlins im Jahr 1949 verdrängtes Kapitel der Berliner Stadtplanungsgeschichte.

Ausstellungskatalog: Berlin plant. Erster Bericht, 1946
© Akademie der Künste, Berlin, Hans-Scharoun-Archiv, Nr. 1514
Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.
Die Zukunftsvision für das Projekt Berlin plant … Erster Bericht, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin wieder einen Planungswettbewerb für die ganze Stadt ausschreiben würde?