
Max Lingner, Aufbau der Republik, 1950-1953
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
10 Sonnenallee
Das Wandbild Aufbau der Republik wurde 1952 von Max Lingner im Auftrag der DDR-Regierung gestaltet und ziert bis heute die offene Vorhalle des Detlev-Rohwedder-Hauses zur Leipziger Straße, dem Sitz des Bundesfinanzministeriums. Das von den Nationalsozialisten errichtete Gebäude diente ursprünglich als Reichsluftfahrtministerium, wobei das Wandbild dazu beitragen sollte, dem Bau in der noch jungen DDR eine neue politische Bedeutung zu verleihen. Bei der Gestaltung unterlag Lingner strengen politischen Vorgaben, weshalb das auf Meißner Porzellanfliesen ausgeführte Werk insgesamt sechsmal überarbeitet werden musste.
Das Wandbild zeigt einen ideologischen Querschnitt der Gesellschaft: So finden sich neben demonstrierenden Werktätigen und Jugendlichen eine Gruppe junger Frauen, Musikant*innen, Arbeiter*innen, Motive der Schwerindustrie sowie der Bau- und Landwirtschaft und eine junge Familie. Den ursprünglichen Entwürfen mussten unter anderem blaue FDJ-Hemden, Pionierhalstücher und ein Architekturzitat der Stalinallee hinzugefügt werden, die Anfang der 1950er-Jahre das größte Bauprojekt der DDR darstellte. Dem Bild wurde eine weitere historische Dimension verliehen, als sich vor ihm bereits einen Tag vor dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 Demonstrant*innen versammelten. Diese Mehrschichtigkeit greift Wolfgang Rüppel mit einem im Jahr 2000 in den Boden eingelassenen Fotodenkmal auf dem Vorplatz auf, das Lingners Werk formal spiegelt und zugleich die Widersprüche zwischen politischer Wunschvorstellung und gesellschaftlicher Wirklichkeit kommentiert. Trotz seiner starken symbolischen Ausstrahlung ist Lingners Fries – wie viele Mosaike der DDR – heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Max Lingner, Aufbau der Republik, 1950-1953
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.
Die Zukunftsvision für das Projekt Aufbau der Republik, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin den Aufbau der Republik nie beenden würde?
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