Architektonische Skizze eines urbanen Bereichs mit geometrischen Formen und Gebäuden in Draufsicht.

Entwurf für Bersarinplatz, Ikarusflug, 1984

Entwurf: Christian Enzmann, Bernd Ettel

6 Storkower Straße

Ikarusflug

Ikarusflug ist ein allegorischer Entwurf von Christian Enzmann und Bernd Ettel aus dem Jahr 1984, den die beiden Architekten im Rahmen eines Wettbewerbs zur Umgestaltung des Bersarinplatzes vorlegten. Ihre Pläne umfassten eine inszenierte, repräsentative Straßengestaltung mit Potemkin-Fassaden, die das von der DDR-Führung propagierte Ideal von Einheit und Macht darstellen sollten. Dahinter jedoch offenbart ein halbkreisförmiger Bereich den verdeckten Verfall und bietet einen symbolischen Raum für individuelle Ausdruckfreiheit. Zentrales Element des Entwurfs ist das Kunstobjekt Ikarusflug, das den Bürger*innen den eigenen Versuch eines Flugs in die Freiheit ermöglichen sollte, wobei die Fliegenden noch vor Erreichen des Ziels durch „staatliche Gewalt, symbolisiert durch Laserkanonen“, jäh gestoppt werden.

Kurz nach Einreichung des Entwurfs wurden die beiden Architekten, die nach einer illegalen Teilnahme an einem West-Berliner Architekturwettbewerb bereits unter der Beobachtung des Staatssicherheitsdienstes standen, verhaftet. Ettel wurde zu 33 Monaten Haft verurteilt, Enzmann erhielt eine Strafe von 20 Monaten. Ikarusflug kann als ihr „gezeichnetes Manifest“ gelesen werden – ein schonungsloses Bild totaler Überwachung, erzwungener Konformität und systematischer Zerstörung von Individualität. Am Bersarinplatz selbst wurde anstelle ihres Entwurfs ein standardisierter Plattenbau errichtet.

Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.

Die Zukunftsvision für das Projekt Ikarusflug, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin ein Mahnmal für einen zukünftigen Überwachungsstaat errichten würde?