Person mit lockigem Haar, Perlenschmuck, Fächer und schulterfreiem Kleid schaut zur Kamera.

Lili Elbe, 1926

© Wikimedia Commons

14 Südkreuz

Lili-Elbe-Archiv

Das Lili-Elbe-Archiv wurde 2013 gegründet und nach der dänischen Malerin Lili Elbe benannt, die sich 1930 einer der ersten geschlechtsangleichenden Operationen in Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft in Berlin unterzog. Das Anliegen des Archivs bestand darin, einen unabhängigen und selbstbestimmten Ort für die Geschichten von inter*, trans*, genderqueeren und nicht-binären Menschen zu schaffen und diese öffentlich sichtbar zu machen. Die Sammlung umfasste Bücher, Fotos, Videos, Interviews sowie weitere historische Dokumente aus der Zeit vor und nach 1945, die aufgrund von Normabweichungen oder nicht vorhandenen Identifikationsnummern (ISBN) bis dahin keinen Einzug in die Bestände öffentlicher Archive gefunden hatten.

Die elf Gründer*innen agierten in dem Bewusstsein, dass es die Aufgabe jeder widerständigen Bewegung sei, „ihre Geschichte selbstdefiniert zu sammeln [und] zu bewahren“. Neben dem Archiv gab es eine Präsenzbibliothek in Berlin, Publikationen wurden veröffentlicht und Workshops sowie Bildungsprojekte veranstaltet. Außerdem bestand als Digital Transgender Archive eine Partner*innenschaft mit bestehen Archiven in den USA und Kanada, um die vorhandenen Quellen in einem globalen Kontext zusammenzuführen. Im Jahr 2022 jedoch verschwand der Onlineauftritt des Archivs und damit auch der Zugang zur Präsenzbibliothek. Nach zehn Jahren der Selbstorganisation und fehlender Finanzierung schloss das Archiv still seine Türen, eine offizielle Erklärung der Betreiber*innen gab es nicht. Die Archivbestände und Sammlungen wurden nach Kanada überführt. Bis heute fehlt in Deutschland ein Raum für jene Geschichten, für die das Lili-Elbe-Archiv gegründet wurde. 

Person mit lockigem Haar, Perlenschmuck, Fächer und schulterfreiem Kleid schaut zur Kamera.

Lili Elbe, 1926

© Wikimedia Commons

Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.

Die Zukunftsvision für das Projekt Lili-Elbe-Archiv, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin ein verlorenes Archiv wiederaufbauen würde?