
Agitzug
Foto: Sammlung Dziga Vertov / Österreichisches Filmmuseum
27 Wedding
Die sowjetischen Agit-Züge entstanden nach der Russischen Revolution im Jahr 1917 als mobile Propagandainstrumente. Der sowjetische Staat schickte Züge und Dampfschiffe in die entlegenen Regionen seines riesigen Territoriums, um politische Botschaften zu verbreiten und die überwiegend analphabetische Bevölkerung zu erreichen. Die Züge waren auffällig bunt bemalt, mit revolutionären Parolen beschriftet und aufwendig ausgestattet. In bis zu 18 Waggons beherbergten sie unter anderem einen eigenen Radiosender, Druckereien, Bibliotheken und sogar ein Kino. Dort konnten eigens für diese Einsätze produzierte Kurzfilme vorgeführt werden.
Auch der Filmemacher Dziga Vertov arbeitete auf diesen Zügen und begleitete die Filmvorführungen mit mündlichen Erläuterungen. Der aktivste Zug, die „Oktoberrevolution“, absolvierte zwischen 1919 und 1920 zwölf Einsätze und erreichte innerhalb von nur zwei Monaten mehr als 100.000 Zuschauer*innen bei 97 Filmvorführungen. Weitere Agit-Züge trugen die Namen „Roter Osten“, „Sowjetischer Kaukasus“, „Roter Kosak“ und „Lenin“. Die Berliner Ringbahn wurde bis heute nie von Agit-Zügen befahren.
Für What If Berlin überführt Akira Takayama nicht verwirklichte Projektideen aus den Archiven der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen sowie von Architekt*innen und Künstler*innen in die Gegenwart und stellt die Frage, welche Vision wir künftig verwirklichen wollen.
Die Zukunftsvision für das Projekt Agit Trains, die im Rahmen von What If Berlin ab dem 28. August 2026 präsentiert wird, antwortet auf die Frage: Was, wenn Berlin seine S-Bahnen als Hip-Hop-Schule nutzen würde?