Theatre

Conte d’Amour

By Markus Öhrn, Nya Rampen and Institutet
“Conte d’Amour was awarded best off theatre production (2011) at the theatre festival “Impulse”

Premiere 14 May 2010 Ballhaus Ost, Berlin

Conte d’Amour

Conte d’Amour © Markus C. Öhrn

Der bildende Künstler Markus Öhrn hat seine zweite Zusammenarbeit mit dem finnischen Kollektiv Nya Rampen und dem schwedischen Kollektiv Institutet in Berlin produziert. Vielleicht ermöglichte es ihnen gerade der Umweg über die für alle fremde Sprache, dem Zusammenhang von Paternalismus, Liebe und häuslicher Sicherheit so unheimlich nahe zu rücken, wie es ihnen mit „Conte d’Amour” gelingt. Dabei erzählt das Männerensemble konsequent aus der Sicht des eigenen, rein männlichen Begehrens und eignet sich den machoiden Blick so erbarmungslos an, dass die standardisierten Gleichberechtigungs- und Offenheitsnormen gerade dadurch demaskiert werden.

Public discussion 6th May 2012, 21:30
Haus der Berliner Festspiele, Kubus
Moderation Tobi Müller
In English

Ein Mann mit Bademantel und Socken sitzt in seinem Wohnzimmer und spielt mit lebensgroßen Puppen. Dann steigt er in den Keller. Dort empfängt ihn ein Mann in Frauenkleidern mit Streicheleinheiten. Er entpuppt sich als seine Tochter, die hier unten lebt und sich um die beiden gemeinsamen Söhne kümmert, die ihn mit „We love you, Daddy“ begrüßen. Dieser Daddy regiert seine Familie, wie jeder gute Patriarch, getreu dem Motto: „Trautes Heim, Glück allein!” Er geht arbeiten und bringt das Essen heim, Tochter und Mutter in Personalunion bleibt zu Hause und kümmert sich um die Kleinen. Eine echte Bilderbuch-Familie wird da auf zwei Leinwände übertragen, die zusehends zum Zerrbild ihrer selbst wird. Daddy nämlich wiederholt sich in affenhaften Drohgebärden, alle verfallen in apathische Bewegungsmuster, plötzlich haucht einer der Söhne perfekt intoniert „Love will tear us apart“ in die Kamera.

„Conte d’Amour“ erzählt nicht nur die Geschichte von Fritzl und seinem Haus in Amstetten. Die Arbeit versucht, ohne dabei die Moralkeule zu schwingen, die Bedürfnisse einer Gesellschaft zu beschreiben, die solche Phänomene erzeugt. An der Odenwaldschule, in kirchlichen Jugendheimen wurde nicht traumatisiert, es wurden Absprachen getroffen, es wurde verhandelt und es wurde entschieden, so wie in jedem anderen paternalistischen Zusammenhang auch. Denn: Auch das düsterste Märchen bleibt eine Liebesgeschichte, wenn sich alle Beteiligten nach Liebe sehnen. Knapp drei Stunden sperren sich Institutet und Nya Rampen in ihren Keller ein, die Zuschauer können kommen und gehen, werden mit Getränken und Knabbereien versorgt. Wie frei aber sind wir tatsächlich als Zeugen dieser unheimlichen Vorgänge, die sich im Keller ereignen? „No, I don't want to fall in love!“ Max-Phillipp Aschenbrenner

Direction/stage/video/photo Markus Öhrn
Composition/music Andreas Catjar
Costumes Pia Aleborg
Text Anders Carlsson
Lighting / technical directors Daniel Goody, Maximilian Wegner

Producers Alexandra Hill, Alexa Gräfe
Artistic coordination Pamela Schlewinski

With
Jakob Öhrman, Elmer Bäck, Rasmus Slätis, Anders Carlsson

Markus Öhrn / Nya Rampen / Institutet in co-production with studiobühne Köln, Ballhaus Ost (Berlin), Baltic Circle International Festival (Helsinki), Inkonst (Malmö)