Konzert

Boston Symphony Orchestra

Andris Nelsons, Leitung
Adolphe / Gershwin / Strawinsky

Durch eine Plane schimmern Stühle und Tische eines Cafés

Venedig 1988 © Estate of Sibylle Bergemann / OSTKREUZ / Courtesy Loock Galerie

Amerikanische Musik präsentiert das Boston Symphony Orchestra in der Philharmonie Berlin. Mit seinem „Concerto in F“ erweiterte George Gershwin die klassische Klangpalette in jazzige Gefilde. Die Musik der in Los Angeles lebenden Komponistin Julia Adolphe gilt es hierzulande noch zu entdecken. Einzig Igor Strawinskys Ballettmusik „Petruschka“ ist in Westeuropa entstanden, lange bevor Strawinsky in den USA sein neues Zuhause fand.

„Wenn man nicht swingt“, sagt Jean-Yves Thibaudet, dann „spielt man auch nicht das Concerto in F“. Schließlich befinde sich das von pulsierenden Charleston-Rhythmen eingeleitete Werk „zwischen zwei Stühlen – Klassik und Jazz.“ Dass Gershwin in beiden musikalischen Welten zu Hause war, reizt den jazz-affinen Meisterpianisten aus Frankreich besonders: „Seine Musik ist grenzenlos.“ Seit mehr als drei Jahrzehnten sorgt Jean-Yves Thibaudet mit unverkennbarem Anschlag, Farbenreichtum, perlender Virtuosität und poetischen Deutungen auf den internationalen Podien für Begeisterung. Gershwins Klavierkonzert zum Berliner Gastspiel mitzubringen, ist da eine glückliche Wahl. An seiner Seite hat Thibaudet das Boston Symphony Orchestra, dessen Musikdirektor Andris Nelsons angesichts des traditionsreichen Klangkörpers von einem „der besten Orchester der Welt“ schwärmt. Nelsons, der seinerseits zu den gefragtesten Orchesterleitern unserer Tage zählt, und das Boston Symphony Orchestra widmen sich in der zweiten Konzerthälfte Igor Strawinskys Burleske „Petruschka“, die dem „ewig unglücklichen Helden aller Jahrmärkte in allen Ländern“ gewidmet ist (Strawinsky). Die kaleidoskopartige Musik, die der kongeniale Impresario Sergej Diaghilew mit seinen Ballets Russes aufführte, lebt vom Spiel mit kurzen melodischen und rhythmischen Bausteinen und Zitaten, die immer wieder neu kombiniert werden. „Opener“ des Abends ist ein äußerst dynamisches Orchesterwerk der in New York geborenen Komponistin Julia Adolphe: „Makeshift Castle“, das in den Worten der Komponistin die „kontrastierenden Zustände der Beständigkeit und Vergänglichkeit“ thematisiert.

Julia Adolphe (*1988)
Makeshift Castle (2020 – 2022)

George Gershwin (1898 – 1937)
Concerto in F für Klavier und Orchester (1925)

Igor Strawinsky (1882 – 1971)
Petruschka (1910 – 1911, rev. 1946/47)
Burleske Szenen in vier Bildern

19:10, Südfoyer
Einführungsveranstaltung

Jean-Yves Thibaudet im Gespräch mit Mario-Felix Vogt
ZumInterview

AbendprogrammBoston Symphony Orchestra 5.9.2023

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Die Konzerte mit Werken der Gegenwart sind Teil des Monats der zeitgenössischen Musik der Initiative field notes.