Vier Fotografien einer Wüstenlandschaft stehen an einer alten, kaputten Wand.

© Ali Ghandtschi

Reflexe & Reflexionen

Der 7. Oktober, der Gaza-Krieg und die Debatte in Deutschland

Thementage im Haus der Berliner Festspiele, kuratiert von Saba-Nur Cheema und Meron Mendel
&
Deutsche Erstaufführung des Theaterstücks „House“ von Amos Gitai / La Colline – théâtre national, Paris

13. bis 16. Juni 2024

Der Anschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der Gegenangriff Israels im Gaza-Streifen treiben nicht nur Palästinenser*innen und Israelis weiter auseinander, sondern spalten auch Deutschland. Verhärtete Fronten zeichnen die Debatte im öffentlichen Raum und privaten Kontext. Manche verstummen aufgrund der Angst, etwas vermeintlich Falsches zu sagen. Andere wiederum sind lautstark, insbesondere in den sozialen Medien, und fordern eine Positionierung. Dabei erleben jüdische Menschen in den vergangenen Monaten ein neues Ausmaß antisemitischer Gewalt und Hetze. Palästinenser*innen sowie muslimische Menschen werden unter Generalverdacht gestellt, islamfeindliche Straftaten steigen stark an. Terror und Krieg zementieren auch in Deutschland alte Feindbilder und bringen neue hervor.

Die Berliner Festspiele möchten an vier Thementagen einen Raum öffnen für differenzierte Auseinandersetzungen ohne reflexhafte Positionierung auf einer von vermeintlich nur zwei möglichen Seiten. Das interdisziplinäre Programm wird von der Politologin Saba-Nur Cheema und dem Historiker und Autor Meron Mendel kuratiert. Beide sind seit vielen Jahren im jüdisch-muslimischen Dialog engagiert, arbeiten gegen Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit und beschäftigen sich insbesondere mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf unser Miteinander in Deutschland.

Das Programm besteht aus mehreren Podiumsdiskussionen, in denen jüdische, muslimische, israelische, palästinensische und deutsche Stimmen miteinander ins Gespräch kommen, und einem Forum mit Vertreter*innen von Friedensinitiativen aus Israel. Auf den Panels werden u. a. Eva Illouz, Yassin Musharbash, Mira Awad, Sapir Heller, Osama Zatar, Alena Jabarine, Per Leo, Ahmed Fouad Alkhatib und Muriel Asseburg sprechen. Als künstlerische Beiträge werden ein Stand-up-Comedy Programm von Shahak Shapira und Abdul Kader Chahin sowie ein Gastspiel des Theaterstücks „House“ von Amos Gitai gezeigt.

Während der gesamten Thementage ist im Oberen Foyer im Haus der Berliner Festspiele eine Library mit einer Auswahl an Büchern und Dokumentarfilmen zum Thema eingerichtet. Außerdem ist dort die Foto-Ausstellung „Overlaps“ von Ali Ghandtschi zu sehen. Besucher*innen sind dort vor und nach den Veranstaltungen, für die sie ein Ticket besitzen, herzlich willkommen. 

Programm

Veranstaltungen im Rahmen von „Reflexe & Reflexionen“

Darsteller*innen auf der Bühne bei der Aufführung von „House“ von Amos Gitai

House

© Simon Gosselin

Kooperationsstatement Junge Islam Konferenz

Als Programm der politischen Bildungsarbeit, das sich sowohl an junge Muslim*innen als auch Nicht-Muslim*innen richtet und zu den Themen rund um den Islam, Teilhabe und Zusammenleben in unserer postmigrantischen Gesellschaft arbeitet, spüren wir die Auswirkungen des Anschlags der Hamas sowie des fortdauernden Kriegs in Gaza auch in Deutschland sehr stark. Um miteinander im Austausch zu bleiben und uns nicht in Fronten zu verlieren, brauchen wir eine aufrichtige Debatte, die Minderheiten und marginalisierte Gruppen nicht gegeneinander ausspielt und ihnen die Möglichkeit bietet, ihre Perspektiven und Geschichten differenziert und mit all ihren Einzelheiten, die sie ausmachen, zu vermitteln. Wir brauchen Multiperspektivität und Einblicke von Betroffenen aus unterschiedlichen Kontexten. Kern unserer Arbeit und unserer Aufgabe als Kooperationspartnerin für die Thementage ist es deshalb, Begegnungen, insbesondere zwischen Menschen mit muslimischem, jüdischem, palästinensischem und israelischem Hintergrund, zu ermöglichen, Räume zu öffnen, Gespräche und Reflektionen stattfinden zu lassen, Innenperspektiven zu teilen und gleichzeitig neuen Geschichten zuzuhören. Wir wünschen uns noch mehr Allianzen in unserer Gesellschaft, auch Allianzen zwischen Jüdinnen und Juden und Muslim*innen, die sich für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben einsetzen.

Dr. Asmaa Soliman, Leitung der Jungen Islam Konferenz und des Kompetenznetzwerks Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft bei der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa

Kooperationsstatement Anne Frank Zentrum

Die Massaker der Hamas vom 7. Oktober haben eine große Verunsicherung bei den in Deutschland lebenden Juden*Jüdinnen hinterlassen. Als Einrichtung der historisch-politischen und antisemitismuskritischen Bildung haben wir in den Monaten danach einen enormen Zuwachs an Anfragen für Fortbildungen im Themenfeld des israelbezogenen Antisemitismus und Nahost-Konflikts erlebt. Bei den Teilnehmenden zeigte sich eine große Unsicherheit im Sprechen und Handeln mit Blick auf die häufig verhärteten Debatten. Der Bedarf an einer kritischen und multiperspektivischen Auseinandersetzung mit den Ereignissen in Israel und Gaza, aber insbesondere auch mit den Reaktionen und Debatten in Deutschland ist groß. Die Thementage „Reflexe & Reflexionen. Der 7. Oktober, der Gaza-Krieg und die Debatte in Deutschland“ reagieren auf diese Notwendigkeit, Räume für Gespräche und kritische Auseinandersetzungen zu schaffen und unterschiedliche Perspektiven zusammen zu bringen. Wir freuen uns, daran beteiligt zu sein!

Franziska Göpner, Anne Frank Zentrum, Bereichsleiterin Wanderausstellungen und Leiterin der Koordinierungsstelle des Kompetenznetzwerks Antisemitismus

Gefördert durch

Kooperationspartner

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