Konzert

Un mar de músicas

Jordi Savall, Leitung
Céspedes / Fernandes / Lully u.a.

Einziges Gastspiel in Deutschland

Aufnahme von Jordi Savall beim Dirigieren

Dirigent, Gambist, Vordenker der Alten Musik: Jordi Savall © Daniel Dittus

Der Atlantik als Begegnungsraum: Das große Verbrechen des Sklavenhandels im Dreieck zwischen Europa, Afrika und den Amerikas prägt die Welt, wie wir sie kennen. Auch die Musikgeschichte hat es nachhaltig verändert. Jordi Savall, der große Visionär der historischen Aufführungspraxis und Kenner der musikalischen Weltkulturen, entwickelt u. a. mit seinem wegweisenden Ensemble Hespèrion XXI und Musiker*innen aus Kuba, Haiti, Brasilien, Mali, Venezuela und Mexiko einen Klangdialog wechselseitiger Einflüsse zwischen europäischem Barock und den Liedern der Sklav*innen zwischen 1440 und 1880.

18:10, Südfoyer
Einführungsveranstaltung

Jordi Savall ist nicht nur einer der bedeutendsten Gambisten unserer Zeit, sondern auch ein Vordenker der historisch informierten Aufführungspraxis. Als Gründer mehrerer hochkarätiger Originalklang-Ensembles hat er vergessene Musik rund um den Erdball aus vielen Jahrhunderten wiederentdeckt und immer wieder in thematisch kuratierten Konzerten der Gegenwart zugänglich gemacht. Gemeinsam mit Gastmusiker*innen aus Kuba, Haiti, Brasilien, Mali, Venezuela und Mexiko und mit seinen Ensembles Hespèrion XXI und La Capella Reial de Catalunya würdigt Jordi Savall nun unter dem Titel „Un mar de músicas“ die mehr als 12 Millionen Menschen, die in fast vier Jahrhunderten von den europäischen Großmächten deportiert und versklavt wurden – und ihre musikalischen Sprachen. Ein Abend, der diese menschliche Tragödie in Erinnerung ruft und ein klangliches Netz über den Schwarzen Atlantik spannt, von der afrikanischen Küste zur amerikanischen, zur Karibik und zurück nach Europa. Und der die Wege zeigt, die musikalische Einflüsse in beide Richtungen nahmen: Musik des europäischen Barock und der Renaissance beeinflussten die kreolischen Lieder und Komponist*innen der Kolonien, wie die Musik der Sklav*innen umgekehrt Komponist*innen in Frankreich und Spanien inspirierte. „Un mar de músicas“ ergänzt die Klänge um Texte, die die Geschichte des europäischen Sklavenhandels in aller Drastik zeigen: Von den ersten Menschenhändler-Expeditionen in Afrika über die beginnenden Aufstände in der Karibikregion bis zum späten Beschluss zu Abschaffung der Sklaverei. Eine Erinnerung an all jene, für die Musik zum Überlebensmittel wurde.

Programm

Kreolische Lieder und Lieder der Sklav*innen aus der Alten und Neuen Welt

Lieder von Gaspar Fernandes, Diegon Durón, Juan Gutiérrez de Padilla, Felip Olivelles, Juan García de Céspedes und aus dem Codex Trujiilo

Tänze mit Variationen von Santiago de Murcia und anonymen Autor*innen

Europäische Musik des 17. und 18. Jahrhunderts von
André Danican Philidor l’ainé, Jean-Baptiste Lully, Jean-Philippe Rameau

Mitwirkende

Neema Bickersteth (Kanada), Sekouba Bambino (Guinea), Yannis François (Guadalupe), Ballaké Sissoko, Mamani Keïta, Tanti Kouyaté, Fanta Sissoko (Mali), Maria Juliana Linhares, Zé Luis Nascimento (Brasilien), Teresa Yanet, Lixsania Fernández, Marlon Rodriguez, Frank Pereira (Kuba), Sylvie Henry (Haiti), Iván García (Venezuela)

Tembembe Ensamble Continuo (Mexiko / Kolumbien)
La Capella Reial de Catalunya
Hespèrion XXI

Jordi Savall – Diskantgambe und Leitung

Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds