Grußwort

Andrea Zietzschmann

Seit 75 Jahren sind die Berliner Festspiele ein Gradmesser musikalischer und gesellschaftlicher Entwicklungen – in einer Stadt, die selbst Symbol für Wandel und Debatte ist. Das Musikfest Berlin, aus den traditionsreichen Berliner Festwochen hervorgegangen, bildet heute den strahlenden Auftakt der Konzertsaison und vereint renommierte Orchester, Ensembles, Solist*innen und Dirigent*innen aus aller Welt mit der reichen Orchesterlandschaft Berlins.

Neben dem sinfonischen Repertoire erweist sich das Musikfest Berlin 2026 auch als Ort außergewöhnlicher Opernaufführungen: Werke wie György Ligetis Le Grand Macabre, George Gershwins Porgy and Bess oder Karlheinz Stockhausens Mittwoch aus Licht stehen exemplarisch für die programmatische Offenheit des Festivals.

In den 1950er-Jahren, inmitten der Umbrüche einer geteilten Welt, waren die Berliner Festwochen bewusst politisch aufgeladen. Sie standen für einen freiheitlichen Geist – für eine Kunst, die Offenheit einfordert und verteidigt. Heute jedoch erleben wir, wie manche dieser Gewissheiten brüchig werden. Umso mehr sind wir gefordert, für Werte wie Freiheit und Vielfalt einzutreten.

Das Musikfest Berlin ist ein Ort, an dem solche Fragen nicht theoretisch, sondern im künstlerischen Miteinander verhandelt werden. Ensembles aus Japan, Südafrika, Europa und den USA gestalten das Festival mit eigenen Programmen in einem künstlerischen Dialog, der aus Kontrasten, Bezügen und inspirierenden musikalischen Begegnungen entsteht. Auf diese Weise wird kultureller Austausch hörbar, der Unterschiede produktiv ins Gespräch bringt.

Ich freue mich sehr, dass die Berliner Philharmoniker auch in diesem Jubiläumsjahr mit zwei sinfonischen Programmen vertreten sind. Zum einen kehrt Brett Dean, unser diesjähriger Composer in Residence, als Dirigent und Komponist zu uns zurück. Über 14 Jahre war er Teil der Bratschengruppe der Berliner Philharmoniker und entwickelte sich zugleich zu einem Komponisten mit unverwechselbarer Handschrift. Er wird mit Beggars and Angels eines seiner bedeutendsten Werke selbst dirigieren.

Das zweite sinfonische Programm der Berliner Philharmoniker wird musikalisch von Sir Simon Rattle geleitet. Werke von Manuel de Falla und Leoš Janáček stehen auf dem Programm sowie eine Uraufführung der Komponistin Cathy Milliken, die als erste Leiterin unseres Education-Programms entscheidende Impulse in unserem Haus setzte. In ihrem neuen Werk für Englischhorn und Orchester – mit Dominik Wollenweber, seit Jahrzehnten prägend als Solist im Orchester – zeigt sich die Offenheit für musikalische Gegenwart.

Erwähnen möchte ich auch Hans Werner Henze, dessen 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Mehrere seiner Werke werden beim Musikfest Berlin erklingen – ein schöner Anlass, das Schaffen dieses großen Komponisten zu würdigen, der das Musikleben des 20. Jahrhunderts mit außergewöhnlicher Weite, Tiefe und Humanität geprägt hat.

Mein Dank gilt den Berliner Festspielen – ihrem Intendanten Matthias Pees und Winrich Hopp, dem Künstlerischen Leiter des Musikfests Berlin – für ihr großes Engagement und die inspirierende Zusammenarbeit. Dass die Berliner Festspiele dieses traditionsreiche Festival veranstalten und wir es als Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mitgestalten dürfen, empfinden wir als Glück und Verantwortung zugleich.

Das Musikfest Berlin bleibt ein Labor der künstlerischen Ideen und eine internationale Plattform, auf der Musik ihre Kraft als Brückenbauerin entfaltet. Möge das Festival weiterhin ein mutiges Statement für Austausch, Vielfalt und die Kraft des offenen Dialogs sein – gerade in herausfordernden Zeiten.

Mit herzlichen Grüßen

Andrea Zietzschmann
Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker