Eine überbordende Klangphantasie ist die Grundlage der Musik von Milica Djordjević (geb. 1984). Als Komponistin verfügt sie souverän über das ganze Arsenal zeitgenössischer Klang- und Spieltechniken und ist in der Lage, die von einem einsamen Cello erzeugten Klänge mittels Live-Elektronik in ein akustisches Gewitter von schier existenziellen Dimensionen zu transformieren, umgekehrt zwölf Schlagzeuger*innen sich in das Übergangsfeld vom Unhörbaren zum Schattenhaften versenken zu lassen oder in Ensemble- und Orchesterkompositionen statische Klangflächen sacht zu verflüssigen und in träge und zäh dahinrinnende Strömungen zu verwandeln. In ihrer Musik können die Hörenden nie vor Überraschungen sicher sein. Fast programmatisch mutet es da an, dass sie ein großes Orchesterwerk aus dem Jahr 2016 Quicksilver genannt hat, denn ihrem ganzen Komponieren haftet etwas Quecksilbriges an, das sich der eindeutigen Festlegung entzieht. Dabei ist dieses Schaffen von einer unbedingten künstlerischen Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit getragen, die sich ihrer Hörer*innenschaft unmittelbar mitteilt.
Milica Djordjević begann ihre Kompositionsstudien in Belgrad, wo sie sich auch schon mit elektronischer Musik beschäftigte, ging danach nach Strasbourg und ans Pariser Institut de recherche et coordination acoustique/musique (IRCAM), bevor sie schließlich von 2011 bis 2013 ihr postgraduales Studium in Berlin bei Hanspeter Kyburz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin abschloss.
Ihr bereits umfangreiches Schaffen umfasst Werke für Soloinstrumente, Kammermusikwerke in verschiedenen Besetzungen vom instrumentalen Duo bis zum Doppelquartett, Vokalwerke und groß besetzte Orchesterkompositionen. In seiner Vielfalt unterstreicht es die Versatilität und handwerkliche Virtuosität der Komponistin.
Djordjević arbeitete mit führenden Interpret*innen und Klangkörpern unserer Zeit, darunter die Berliner Philharmoniker, Gustavo Dudamel, Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, WDR Symphonieorchester, SWR Symphonieorchester, Arditti Quartet, Münchener Kammerorchester, Ensemble Musikfabrik, Ensemble Modern, Ensemble Recherche, JACK Quartet, Ilan Volkov, Marco Blaauw, Carl Rosman, Peter Rundel, Teodoro Anzellotti, Tamara Stefanovich, Enno Poppe, Bas Wiegers und Pierre-Laurent Aimard.
Für ihre Werke hat Djordjević zahlreiche hochrangige Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter der Claudio-Abbado-Kompositionspreis der Berliner Philharmoniker (2020), der Förderpreis Komposition der Ernst von Siemens Musikstiftung (2016) und der Belmont-Preis für zeitgenössische Musik (2015). Ihre monografischen CDs erhielten den Preis der deutschen Schallplattenkritik 2017 und 2024.
Sie lebt und arbeitet in Köln.
Stand: März 2025