
Wäre Georg Friedrich Händel (1685–1759) kein großer Komponist gewesen, sein Leben bliebe faszinierend genug. Als Sohn eines Arztes aus Halle an der Saale unterhielt er beste Verbindungen zum englischen Königshaus und bewegte sich zwanglos im englischen Hochadel, ohne einen förmlichen Dienstherrn zu haben oder irgendwo angestellt zu sein. Stattdessen führte er das im 18. Jahrhundert eigentlich undenkbare Leben eines unabhängigen Künstler-Unternehmers und stand mehr als einmal vor dem Bankrott. Händels immenses kompositorisches Werk umfasst so gut wie sämtliche Gattungen seiner Zeit mit Ausnahme der evangelischen Kirchenmusik. Es hat klare Schwerpunkte auf der italienischen Opera seria und auf dem Oratorium, das Händel zwar nicht direkt erfunden, aber entscheidend geprägt hat.
Händel erhielt eine gründliche musikalische Ausbildung bei einem Hallenser Kirchenmusiker. Seine erste berufliche Station war die Hamburger Oper am Gänsemarkt, wo er etwa drei Jahre lang im Orchester spielte. Im Alter von 21 Jahren machte sich Händel nach Italien auf, dem damaligen Zentrum der musikalischen Welt. Vermutlich hatte der junge Mann einige Empfehlungsschreiben bei sich, aber soweit wir wissen, reiste er letztlich auf eigene Faust. Er hielt sich dann vor allem in Venedig und Rom auf, machte sich den international führenden italienischen Stil aus erster Hand zu eigen und wurde mit Aufträgen geradezu überschüttet.
Die nächste Station als exorbitant gut bezahlter Kapellmeister des Kurfürsten von Hannover führte ihn 1710 wieder zurück nach Deutschland. Der Kurfürst war designierter britischer Thronfolger und so reiste Händel mehrfach nach London, fungierte als eine Art Vertrauensmann zum britischen Königshaus und beförderte mit erfolgreichen Opern und Huldigungskompositionen für Queen Anne die hannoversche Sache.
1713 siedelte Händel endgültig nach London über, wo er mit offenen Armen empfangen wurde. Das Musikleben in der englischen Hauptstadt war ungemein bewegt. Ein Opernhaus, das heute noch Gewinne abwarf, konnte morgen schon zahlungsunfähig sein. Der Schlüssel zum Erfolg waren die Gesangsvirtuosen, um deren Engagement miteinander rivalisierende Adelskreise buhlten. In dieser komplizierten Situation leitete Händel ab 1720 verschiedene Opernunternehmen, oft auf eigene Rechnung. Diese mal goldenen, mal sehr schwierigen Zeiten gingen zu Ende, als das Publikum das Interesse an der Oper allmählich verlor. In finanziell bedrängter Lage schlug Händel nun einen wagemutigen neuen Weg mit dem Komponieren von Oratorien ein. Das erste Werk dieser Gattung war der Messias, dessen umjubelte Premiere in Dublin im Jahr 1741 eine einzigartige, nie abgebrochene Aufführungstradition in Gang setzte. Es folgten mehrere weitere Oratorien, bis Händel Anfang 1751 von einer Augenkrankheit heimgesucht wurde, die rasch zur Erblindung führte. Trotz vielfältiger Unterstützung musste er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er starb hochverehrt 1759 in London.