Anatol Vieru

Der aus einer jüdischen Familie stammende rumänische Komponist Anatol Vieru (1926–1998) wurde in Jassy, einem kulturellen Zentrum im Osten des Landes, geboren. Als Heranwachsender überlebte er das Pogrom in seiner Heimatstadt, dem im Juni 1941 13.000 Menschen zum Opfer fielen. Nach Kriegsende studierte Vieru Komposition und Dirigieren in Bukarest und in Moskau, wo unter anderem Aram Chatschaturian sein Lehrer war. Ab 1955 unterrichtete er dann selbst am Konservatorium in Bukarest, ab 1962 als Professor für Komposition. Im rumänischen Musikleben gehörte Vieru zu den bestimmenden Persönlichkeiten, gründete unter anderem eine Konzertreihe und trat als Dirigent hervor.

Vieru hatte immer wieder Gelegenheit, sich auch länger im Westen aufzuhalten. So nahm er etwa an den Darmstädter Ferienkursen teil und unterrichtete in Israel und in den USA. Vierus kompositorisches Schaffen ist umfangreich, vielgestaltig und zeigt eine bemerkenswerte stilistische Entwicklung von Anfängen im Zeichen des Sozialistischen Realismus über eine avantgardistische Phase hin zu einer eher neoklassizistischen Position. Besonders intensiv setzte sich Vieru mit der Welt der modalen Tonleitern auseinander, der er auch theoretische Studien widmete.