
Clara Iannotta © Manu Theobald
Clara Iannotta, 1983 in Rom geboren, hat mit ihrer kompromisslos eigenständigen und experimentellen Klangsprache internationale Beachtung gefunden. Ihr Schaffen ist geprägt von einer substantiellen Sensibilität für die Materie Klang, deren Physiognomien sie mit erweiterten Instrumentarien und Spieltechniken, vielfältigen Präparationen und Mikrotonalitäten neu ausdifferenziert.
Iannotta studierte zunächst Komposition, Elektronische Musik und Musikwissenschaft am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand bei Allessandro Solbiati. Ihre Ausbildung führte sie anschließend nach Paris an das IRCAM sowie an das Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, wo sie bei Frédéric Durieux studierte. An der Harvard University setzte sie ihre Kompositionsstudien bei Chaya Czernowin fort. Weitere wichtige Impulse erhielt sie in Meisterkursen, u. a. bei Helmut Lachenmann, Brian Ferneyhough und Georg Friedrich Haas.
Ein zentraler Aspekt von Iannottas Arbeit ist die physische Dimension des Klangs und damit verbunden eine Neubestimmung und Sensibilisierung des Hörens. Instrumente sind für Iannotta Resonanzkörper, deren verborgenes Innenleben Teil der musikalischen Struktur wird. Die Grenzbereiche von Geräusch und Ton, von Gestalt und Auflösung werden zur Voraussetzung einer personalstilistischen Klangpoesie, wo die Instabilität der Klanggebung integraler Bestandteil der musikalischen Wirkung ist. Ihre Werke entfalten sich oft als innerlich bewegte Kontinuen mit einem großen Reichtum an Klangfarben. Dabei verzichtet sie weitestgehend auf elektronische Mittel.
Clara Iannottas Werke werden von den führenden Ensembles der Neuen Musik (Ensemble Intercontemporain, Klangforum Wien, Ensemble Modern, Quatuor Diotima, Arditti Quartet, Ensemble Nikel) ebenso aufgeführt wie von bedeutenden Orchestern (WDR Sinfonieorchester, SWR Symphonieorchester, RSO Wien).
Iannotta erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ernst von Siemens Förderpreis (2018), den Hindemith-Preis (2018), den Una Vita nella Musica Giovani (2019) sowie den Premio Abbiati (2021). 2013 war sie Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, 2018/19 in der Villa Medici. Clara Iannotta ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. Seit 2024 ist sie Mitglied im Kuratorium der Ernst von Siemens Musikstiftung.
Iannotta ist auch als Kuratorin tätig. Von 2014 bis 2024 war sie künstlerische Leiterin der Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik. 2022 hatte sie die künstlerische Co-Leitung der Klangspuren Schwaz und 2024 der Winter Music der Akademie der Künste in Berlin inne. Aktuell ist sie verantwortlich für die Konzeption des Musikprogramms beim Festival d’Autonome de Paris. Von 2023 bis 2025 war Clara Iannotta Professorin für Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seit September 2025 ist sie Professorin für Komposition am Conservatoire de Paris.
Stand: Februar 2026