Ein Mann mit weißem kurzen Bart lehnt auf einer Stuhllehne und schaut lächelnd in die Kamera. Im Hintergrund ist eine bunte Blumentapete zu sehen.

© Bettina Stoess

Brett Dean

Brett Dean wurde in Australien geboren und studierte dort, bevor er nach Deutschland zog. Vierzehn Jahre lang war er Mitglied der Berliner Philharmoniker, eine Zeit, in der er auch seine kompositorische Tätigkeit aufnahm. Seine Musik wird von vielen der weltweit führenden Dirigent*innen und Orchester interpretiert, darunter Sir Simon Rattle, Vladimir Jurowski, Simone Young, Daniel Harding, Andris Nelsons, Marin Alsop und Sakari Oramo. Ein Großteil von Deans Schaffen speist sich aus literarischen, politischen, ökologischen und visuellen Impulsen, darunter zahlreiche Werke, die von Kunstwerken seiner Frau Heather Betts inspiriert sind.

Dean begann 1988 zu komponieren, zunächst mit einem Schwerpunkt auf experimentellen Film- und Radioprojekten sowie seiner Arbeit als improvisierender Musiker. Sein internationaler Ruf als Komponist festigte sich durch Werke wie das Klarinettenkonzert Ariel’s Music (1995), das beim UNESCO International Rostrum of Composers ausgezeichnet wurde, und Carlo (1997) für Streicher, Sampler und Tonband — inspiriert von der Musik Carlo Gesualdos. Für sein Violinkonzert The Lost Art of Letter Writing erhielt Dean 2009 den Grawemeyer Award for Music Composition. 2016 wurde er vom Australia Council mit dem Don Banks Music Award ausgezeichnet, in Anerkennung seines nachhaltigen und bedeutenden Beitrags zum musikalischen Leben Australiens.

2017 wurde Deans zweite Oper Hamlet bei der Glyndebourne Festival Opera unter großem Beifall uraufgeführt. Seither wurde das Werk an der Oper Köln, beim Adelaide Festival, an der Metropolitan Opera, an der Bayerischen Staatsoper sowie bei Opera Australia gezeigt und mit dem South Bank Sky Arts Award 2018 sowie dem International Opera Award für die beste neue Oper ausgezeichnet.

Im Jahr 2022 erhielt Dean den Ivor Novello Award für Kammermusikkomposition für Madame ma bonne sœur, geschrieben für die Mezzosopranistin Lotte Betts-Dean und das Armida Quartett. 2023 folgte der Ivor Novello Award für Orchesterkomposition für sein Cellokonzert, das für Alban Gerhardt entstand. Zu seinen weiteren bedeutenden Werken zählen ein Klavierkonzert für Jonathan Biss sowie ein Trompetenkonzert für Håkan Hardenberger. Zu den jüngsten Kompositionen gehören das Orchesterwerk Nocturnes and Night Rides für das Bayerische Staatsorchester sowie In spe contra spem für zwei Sopranistinnen und Orchester, uraufgeführt 2023 vom London Philharmonic Orchestra.

Von 2019 bis 2023 war Dean Composer in Residence beim London Philharmonic Orchestra, außerdem wirkte er in der Saison 2023/24 als Composer in Residence an der Wigmore Hall. 2024 wurde er zum Gastprofessor am Fachbereich Komposition und zeitgenössische Musik der Royal Academy of Music in London ernannt.

Neben seiner Tätigkeit als Komponist ist Dean auch als Bratschist und Dirigent international aktiv und interpretiert regelmäßig sein eigenes Violakonzert mit führenden Orchestern weltweit. Als leidenschaftlicher Kammermusiker arbeitet er häufig mit Solisten und Ensembles wie dem Doric Quartet, dem Scharoun Ensemble, dem Australian Chamber Orchestra und der Australian National Academy of Music zusammen. Seine fantasievollen Dirigierprogramme verbinden meist eigene Werke mit Musik anderer Komponisten. Zu den Höhepunkten seiner bisherigen Auftritte zählen Konzerte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Finnischen Rundfunk-Sinfonieorchester, dem BBC Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Melbourne Symphony Orchestra, dem Sydney Symphony Orchestra, dem BBC Philharmonic, dem Göteborger Symphonieorchester, dem Toronto Symphony Orchestra und dem Schwedischen Kammerorchester.

In der Saison 2025/26 ist Dean Composer in Residence beim Krzyżowa Music Festival in Polen. Es folgt die Uraufführung seines Streichquartetts Nr. 4 (A Little Book of Prayers), das vom Belcea Quartett zum Gedenken an dessen frühere zweite Geigerin Laura Samuel in Auftrag gegeben wurde. Die Weltpremiere findet in der Carnegie Hall in New York statt, weitere Aufführungen folgen im Ukaria Cultural Centre in Australien, in der Philharmonie de Paris, im Muziekgebouw Amsterdam, in der Kölner Philharmonie sowie im Wiener Konzerthaus.

Deans neue Oper Of One Blood wird ebenfalls an der Bayerischen Staatsoper in München uraufgeführt, nahezu ein Jahrzehnt nach dem internationalen Erfolg von Hamlet. Darüber hinaus tritt Dean in derselben Saison als Solist in seinem Violakonzert mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken auf.

Deans Musik ist bei BIS, Chandos, Warner Classics, ECM Records und ABC Classics erschienen. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen zählt eine BIS Produktion aus dem Jahr 2016 mit den Werken Shadow Music, Testament, Short Stories und Etudenfest, eingespielt vom Schwedischen Kammerorchester unter Deans Leitung. Auch sein Violakonzert liegt bei BIS mit dem Sydney Symphony Orchestra vor. Die DVD Aufnahme von Hamlet, veröffentlicht von Glyndebourne im Juni 2018, wurde 2019 mit einem Gramophone Award ausgezeichnet.

Stand: April 2026