
Manuel de Falla (1876–1946) war die zentrale Gestalt der Erneuerung der spanischen Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und arbeitete begeistert mit den Kompositionsmethoden der Moderne. Seine Werke changieren zwischen einer differenzierten, klar gezeichneten Farbigkeit und einer Tendenz zu klanglicher Härte und Herbheit.
De Falla wurde in Cádiz in Andalusien geboren, und wuchs hier auch auf, bis er 1896 nach Madrid ging, um dort Klavier und Komposition zu studieren. Nachdem er einige kleinere Klavierwerke und Lieder veröffentlichen konnte, nahm de Falla an einem Wettbewerb zur Förderung der spanischen Nationaloper teil, den er 1905 mit dem Einakter La vida breve gewann. Als die Madrider Oper das preisgekrönte Stück nicht aufführen wollte, entschloss er sich 1907 frustriert, seine Heimat zu verlassen und nach Paris zu gehen. Dort lebte er lange Zeit in prekären Verhältnissen, schlug sich, so gut es ging, mit Klavierstunden durch, gewann aber die Anerkennung von Musikern wie Claude Debussy, Maurice Ravel und Igor Strawinsky und knüpfte vielfältige Kontakte, etwa zu Sergei Djagilew, dem Impresario der berühmten Ballets Russes. Auch der Unterstützung vonseiten seiner prominenten Komponistenkollegen war es zu verdanken, dass eine überarbeitete Fassung von La vida breve in Nizza und in Paris auf die Bühne kam. Mit diesen Erfolgen im Rücken kehrte de Falla im August 1914 nach Madrid zurück, wo seine Oper im November zu einer verspäteten Premiere kam. Die Zustimmung des Publikums war groß, wurde aber noch übertroffen von den begeisterten Reaktionen auf die Uraufführung der Nächte in spanischen Gärten zwei Jahre später.
In der folgenden Zeit konnte sich de Falla, der 1920 wieder nach Andalusien zurück ging und sich in Granada niederließ, international als Komponist etablieren. Die Bekanntschaft mit Djagilev trug Früchte in Gestalt des Balletts Der Dreispitz, dessen beide Orchestersuiten heute de Fallas wohl meistgespielte Kompositionen sind. Auch der Pianist Arthur Rubinstein wurde zu einem Anwalt der Musik de Fallas, der Ende der 1920er Jahre auf dem Zenit seines Ruhmes stand. 1927 nahm er ein ehrgeiziges Projekt in Angriff, die szenische Kantate Atlántida, die auf einem epischen Gedicht in katalanischer Sprache beruht. Das Werk sollte ihn bis ans Ende seines Lebens beschäftigen, blieb aber unvollendet.
Mit dem Militärputsch im Jahr 1936 veränderte sich de Fallas Lage grundlegend. Dem faschistischen Franco-Regime stand er zunächst nicht ablehnend gegenüber, ging dann aber deutlich auf Distanz. Trotz aller Avancen, die ihm von Seiten des Regimes gemacht wurden, nutzte er 1938 eine Konzertreise nach Argentinien zur Emigration. Er kehrte auch nach dem Ende des Krieges nicht mehr nach Spanien zurück und starb 1946 in Argentinien.