
Márton Illés, 1975 in Budapest geboren, zählt zu den profiliertesten Komponist*innen seiner Generation. Schon als Kind und Jugendlicher genoss Illés eine breit aufgestellte musikalische Ausbildung in Klavier, Komposition und Schlagzeug an Kodály-Instituten in Győr. Illés studierte ab 1994 zunächst Klavier an der Musik-Akademie Basel bei László Gyimesi, wo er 1998 das Solistendiplom erhielt, und von 1997 bis 2001 Komposition bei Detlev Müller-Siemens. 2001 begann Illés ein weiterführendes Studium an der Hochschule für Musik Karlsruhe bei Wolfgang Rihm (Komposition) und Michael Reudenbach (Musiktheorie). Meisterkurse bei György Ligeti, György Kurtág und Helmut Lachenmann beeinflussten sein kompositorisches Denken nachhaltig. Ab 2005 unterrichtete Illés Musiktheorie und Komposition an den Musikhochschulen Karlsruhe, Würzburg und Mannheim.
Illés schrieb Stücke für alle erdenklichen Gattungen und Besetzungsformen zwischen Musiktheater, Streichquartett und elektroakustischer Komposition. Eine eindringliche Verbindung von expressiver Unmittelbarkeit und konstruktiver Stringenz zeichnen seine oft ausgesprochen physisch konzipierten Stücke aus. Hinsichtlich Húr-tér I, seines 3. Streichquartettes (2016/17) sprach Illés von „störrisch-charakteristischen, körperhaft-gestischen Klangsubstanzen“. Das Interesse am „Erfassen der energetischen Natur von psycho-physischen Vorgängen“ zeichnet seine gesamte Musik aus.
Illés Kompositionen entstehen in Zusammenarbeit mit führenden Orchestern, Solist*innen und Ensembles der zeitgenössischen Musikszene, darunter das Ensemble Modern, das Ensemble Intercontemporain, das Klangforum Wien, das Ensemble Recherche und das Trio Catch. Für Sabine Meyer schrieb er das Klarinettenkonzert Re-akvarell (2015), für Patricia Kopatchinskaja und das WDR Sinfonieorchester das Violinkonzert Vont-tér (2019) und für Nicolas Altstaedt das Cellokonzert Sirt-tér (2023/24). Das Orchesterstück Lég-szín-tér wurde 2023 von den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko uraufgeführt.
Das Schaffen von Márton Illés wurde mit zahlreichen Auszeichnungen und Stipendien gewürdigt, darunter der Christoph und Stephan Kaske Preis (2005), der Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung (2008), der Schneider-Schott-Musikpreis der Stadt Mainz (2008) sowie der Paul-Hindemith-Preis (2008) des Schleswig-Holstein Musik Festivals. 2017 erhielt er den Orchesterpreis des SWR Symphonieorchesters bei den Donaueschinger Musiktagen für sein Stück Ez-tér. Illés war Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom, im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg sowie der Civitella Ranieri Foundation in Umbrien. 2020/21 war er Stipendiat an der Cité des Arts Paris, 2024 Portraitkünstler der Philharmonie Essen beim Festival NOW.
Illés ist auch als Interpret aktiv. Der ausgebildete Pianist spielte in der Uraufführung seiner Komposition Rajzok II (2011) selbst den Klavierpart. Als Gastdirigent beim Klangforum Wien, des Ensemble Modern und des Ensemble Musikfabrik dirigierte er sowohl eigene als auch Werke anderer Komponist*innen.
Stand: Februar 2026