Ein Porträt von Georg Friedrich Haas. Er blickt in die Kamera vor unscharfem Hintergrund.

Georg Friedrich Haas © Harald Hoffmann

Georg Friedrich Haas

Georg Friedrich Haas (geboren am 16. August 1953 in Graz) studierte Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz von 1972 bis 1979 bei Ivan Eröd und Gösta Neuwirth und später bei Friedrich Cerha in Wien; anschließend lehrte er Musikwissenschaft an der Kunstuniversität Graz und Komposition an der Musikakademie Basel. 2013 wurde er auf die MacDowell‑Professur für Musik an der Columbia University in New York berufen.

Zu seinen Auszeichnungen zählen der Große Österreichische Staatspreis (2007), die Mitgliedschaft in der Akademie der Künste in Berlin (2013) und der Salzburger Musikpreis (2013). 2017 wurde er vom italienischen Fachmagazin Classic Voice als bedeutendster lebender Komponist bezeichnet; in der Spielzeit 2023/24 war er „Capell‑Compositeur“ der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Haas’ Opernwerk umfasst zehn Bühnenwerke, darunter Sycorax, das an den Bühnen Bern mit seiner Frau, der Schauspielerin und Aktivistin Mollena Williams‑Hass, in der Titelrolle, uraufgeführt wurde. 2024  folgte Liebesgesang, in der Regie von Tobias Kratzer. Sein groß angelegtes Werk 11.000 Saiten (ein Auftrag der Busoni‑Mahler‑Stiftung und gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung) für 50 mikrotonal gestimmte Klaviere und Ensemble, die kreisförmig um das Publikum angeordnet sind, debütierte 2023 mit großem Erfolg in Bozen. Seitdem wurde es u. a. bei Wien Modern, dem Holland Festival, Prager Frühling, Düsseldorf Festival, in der New Yorker Armory und in Hangzhou (China) aufgeführt.

Stilistisch erforscht Haas Mikrotonalität und Obertöne, um völlig neue Klangerlebnisse zu schaffen. Er verankert sich dabei in der europäischen Tradition von Schubert und Mozart und greift zugleich auf die ästhetische Freiheit von Komponisten wie Charles Ives, Harry Partch, John Cage und James Tenney sowie Giacinto Scelsi und Ivan Wyschnegradsky zurück. Sein umfangreiches Œuvre umfasst zehn Opern, elf Streichquartette, Orchesterwerke, Konzerte, Vokalmusik und zahlreiche Kammermusik-Werke, die weltweit sowohl bei avantgardistischen Festivals als auch in traditionellen Konzertsälen aufgeführt werden.

Haas verfolgt eine utopische Vision von Musik, die gleichzeitig ausdrucksstark, zugänglich und bahnbrechend neu ist und deren kommunikative Kraft dadurch eher gestärkt als einschränkt hervorgeht.

Stand: Januar 2026