Maurice Duruflé

Der Musikwelt ist der Franzose Maurice Duruflé (1902–1986) vor allem als Schöpfer einer der klangschönsten und innigsten Requiem-Vertonungen des 20. Jahrhunderts bekannt. Zugleich setzte er als Orgelvirtuose und Komponist die Traditionslinie der großen französischen Orgelschule fort, in der er den Staffelstab von seinem Lehrer, dem Franck- und Widor-Schüler Louis Vierne, an die jüngere Generation weitergab.

Duruflé stammt aus der Normandie und erlernte das Orgelspiel an der Kathedrale in Rouen. Daneben nahm er Unterrichte bei Louis Vierne und Charles Tourenmire. 1919 ging Duruflé nach Paris, wo er von 1920 bis 1928 am Conservatoire unter anderem Orgel, Harmonielehre sowie Komposition in der Klasse von Paul Dukas studierte.  Unter anderem zählte hier Olivier Messiaen zu seinen Kommilitonen. Daneben assistierte und vertrat Duruflé Vierne bei dessen Dienst an der Kathedrale Notre Dame. Diese Verbindung riss auch nicht ab, als Duruflé 1930 zum Titularorganisten an der Pariser Pfarrkirche Saint-Etienne-du-Mont ernannt wurde. So saß er auch neben Vierne auf der Orgelempore von Notre Dame, als dieser 1937 während seines letzten Konzerts einen tödlichen Schlaganfall erlitt.

1943 wurde Duruflé selbst ans Conservatoire berufen, um dort Orgel und Harmonielehre zu unterrichteten. Zahlreiche bekannte Organist*innen wie Marie-Claire Alain und Pierre Cochereau sind durch seine Schule gegangen. Daneben versah er zeitlebens seinen Dienst an Saint-Etienne-du-Mont. Als berühmter Virtuose und auch als Dirigent eigener Werke führten Duruflé Konzertreisen durch zahlreiche europäische Länder, in die USA und in die Sowjetunion. Nach einem schweren Verkehrsunfall musste er sich 1975 weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Duruflés kompositorisches Schaffen ist schmal und umfasst im Wesentlichen Vokalmusik und Orgelwerke. Letztere gehören zum Standardrepertoire für Orgel. Stilistisch folgte Duruflé den Vorbildern Maurice Ravel und Gabriel Faure. Weitere Inspirationen bezog Duruflé aus dem Gregorianische Choral. So unzeitgemäß dieser künstlerische Ansatz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert auch erscheinen mag, gelangen Duruflé auf diesem Weg beeindruckende Werke, wofür das Requiem das beste Beispiel ist.