
Catherine Milliken © Annika Bauer
Cathy Milliken wurde 1956 in Brisbane geboren. Die in Berlin lebende Australierin steht als Komponistin, Performerin und Musikvermittlerin in Personalunion für einen umfassenden Musikbegriff in genreübergreifenden Projekten zwischen Neuer Musik, Musiktheater und partizipativen, interkulturellen Formaten.
Milliken studierte Oboe, Klavier und Komposition an der University of Sydney und setzte ihre Ausbildung in Europa bei Heinz Holliger und Maurice Bourgue fort. Ganz wesentlich für die Entwicklung ihres vielgestaltigen Schaffens war die enge Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern, dem sie als Gründungsmitglied bis 2007 als feste Interpretin angehörte. Über viele Jahre wirkte sie dort nicht nur als Oboistin und Komponistin, sondern auch als Initiatorin neuer Konzertformate und experimenteller Produktionsweisen. Von 2005-2012 leitete sie das Education-Programm der Berliner Philharmoniker und entwickelte maßgebende pädagogische Projekte. In Melbourne etablierte sie als künstlerische Leiterin der Australian National Academy of Music (ANAM) von 2014 bis 2020 neue interdisziplinäre Ausbildungsmodelle.
Cathy Millikens Schaffen verbindet exemplarisch die Idee künstlerischer Innovation mit dem Ethos gesellschaftlicher Verantwortung. Sie komponiert Werke für renommierte Orchester und Klangkörper zeitgenössischer Musik ebenso wie für Laienensembles, schreibt für Musiktheater und Konzert, für Radio, Film und elektronische Medien, entwickelt Installationen oder ortsspezifische Performances. Häufig entstehen ihre Stücke in enger Zusammenarbeit mit den Ausführenden und Communities vor Ort, um die Grenzen von Komponistin, Interpret*innen und Publikum aufzulösen. Dabei stehen virulente gesellschaftliche Themen (Identität, Migration, Umwelt etc.) im Fokus vielschichtiger Klangräume. Milliken versteht Musik als einen offenen Prozess gemeinsamer Erfahrung, Komponieren als lebendigen Teil sozialer Wirklichkeit.
Milliken erhielt weltweit Aufträge für Kompositionen und partizipative Performance-Projekte, so wie von den Donaueschinger Musiktagen, der Ruhrtriennale, der Münchener Biennale, den Klangspuren Schwaz, dem ZKM Karlsruhe, der Hamburger Elbphilharmonie, den Salzburger Festspielen, der Staatsoper Berlin, der musica viva, dem Southbank Centre London, dem Umculo Festival (Südafrika), der Biennale Venedig und Future Labo (Japan). Von 2018-2020 war sie Composer in Residence beim Adelaide Symphony Orchestra.
Cathy Milliken wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter 2012 der Prix Marulic, 2015 der Prix Italia, 2016 der Paul Lowin Orchestral Prize (für Earth Plays), 2018 der YAM Award, 2019 der International Opera Award (für Romeo’s Passion), 2021 der Australian Art Music Award, 2025 der Excellence in Classical Music bei den Australian Women in Music Awards.
Stand: Februar 2026