Konzert

Berliner Philharmoniker I

Brett Dean, Leitung 
Dean / Debussy

Porträt von Brett Dean

Brett Dean © Pawel Kopczynski

Wenn Brett Dean für Streicher komponiert, weiß er, wovon er schreibt. Schließlich war er als exzellenter Viola-Spieler 14 Jahre lang Mitglied der Berliner Philharmoniker, bevor er zu einem der erfolgreichsten Komponisten seiner Generation avancierte. Für dieses Konzert am Pult seiner ehemaligen Orchesterkolleg*innen präsentiert Dean sein Orchesterstück Beggars and Angels, zu dem er durch eine Ausstellung in Potsdam inspiriert wurde, bei der sich Skulpturen von Bettlern und Gemälde von Engeln gegenüberstanden – für den australischen Musiker nur scheinbar gegensätzliche Sphären, da ihm einige der Engel bei genauerem Hinsehen als Abbilder der Bettler erschienen. Neben zwei weiteren Werken Deans ist Debussys La cathédrale engloutie in der raffinierten Orchesterversion von Colin Matthews zu hören: entrückter Klangzauber, der eine sagenhaft-mystische Welt heraufbeschwört.

Einführungsveranstaltung
jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn, Südfoyer


Programmheft vor Ort

Brett Dean hat schon eine ganze Reihe von Werken geschrieben, die sich ausdrücklich auf das Schaffen von Robert und Clara Schumann bzw. auf deren persönliches Umfeld beziehen – Bezüge, die weniger durch direkte Zitate vermittelt werden als vielmehr durch verfremdete Anklänge und bruchstückhafte Reminiszenzen, in denen Momente der musikalischen Romantik wie ein historisches Echo im zeitgenössischen Kontext wahrnehmbar werden. Die ursprüngliche tonale Harmonik wird dabei durch mikrotonale Verschiebungen und Cluster wie in einem Hohlspiegel verfremdet, was einen oft irreal anmutenden Dialog zwischen ferner Vergangenheit und Gegenwart entstehen lässt, wobei Dean bisweilen auch mit kontrastierenden Klangzuständen auf die beiden poetischen Alter Egos von Schumann Bezug nimmt (Florestan und Eusebius). Einen solchen Dialog komponierte Dean auch mit seinen Conversations with Schumann für Sopran und Orchester – eine „Suite“, die zwischen impulsiven (Florestan) und introvertiert-lyrischen (Eusebius) Teilen wechselt. In seinem Werk And once I played Ophelia für die gleiche Besetzung dreht sich die entrückte Musik um die singend in den Tod gehende Geliebte von Shakespeares Hamlet, deren Solopart der Sopranistin allerhand abverlangt: von vierteltönigen Klagerufen bis zum dreigestrichenen f. Mit Debussys La cathédrale engloutie in der brillanten Orchesterversion von Colin Matthews folgt eine atmosphärische Musik, die mit Assoziationen an mittelalterlichen Gesang, Glockenton und Orgelklänge das Bild der Kathedrale von Ys heraufbeschwört, die nach einer bretonischen Legende im Morgengrauen aus dem Meer aufsteigt und wieder versinkt. Der Abend schließt mit Brett Deans Orchesterstück Beggars and Angels, in dem bedrohliche Klangeruptionen auf flirrende Streicher-Flageoletts treffen: Die Himmelsgeschöpfe erweisen sich als unbeständige, vielleicht sogar gefährliche Wesen.

Programm

Brett Dean (*1961)
Conversations with Schumann (2026) 
für Sopran und Orchester

And once I played Ophelia (2013) 
für Sopran und Orchester

Claude Debussy (1862–1918) 
La cathédrale engloutie (1910) 
Bearbeitung für Orchester von Colin Matthews

Brett Dean
Beggars and Angels (1999) 
für Orchester 

Mitwirkende

Jennifer FranceSopran

Berliner Philharmoniker 
Brett DeanLeitung

Veranstaltungen der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin