Konzert
Jordi Savall, Leitung
Felix Mendelssohn Bartholdy

Jordi Savall © David Ignaszewski
Jordi Savall, Preisträger des Ernst von Siemens Musikpreises 2026, hat mit seinem grandiosen Originalklang-Orchester Le Concert des Nations wesentlich dazu beigetragen, auch das klassische und romantische Repertoire in neuem Licht erscheinen zu lassen. Mit ungemein pointierten und geschärften Lesarten, in denen Beethoven-, Schubert-, Schumann- und Bruckner-Sinfonien kaum lebhafter und frischer klingen könnten. Im Anschluss an die Jordi Savall gewidmete Hommage der Stiftung Berliner Philharmoniker in der Saison 2025/26, widmet sich der für seine Akribie bekannte, visionäre Dirigent beim Musikfest Berlin einem reinen Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Programm, bei dem neben der „Schottischen“ und der „Italienischen“ Sinfonie auch die Ouvertüre Die Hebriden zu hören ist.
Schottland diente dank der von James McPherson herausgegebenen „alten“ Ossian-Dichtung (deren Echtheit man zu Recht frühzeitig anzweifelte), Sir Walter Scotts historischer Romane und nicht zuletzt Johann Gottfried Herders Lieder der Völker als hochromantische Projektionsfläche, die das Europa des 19. Jahrhunderts in den Bann schlug. Auch Felix Mendelssohn Bartholdy, der vor seinem obligatorischen Abstecher ins „Land, wo die Zitronen blühn“ das schottische Hochland bereiste. Auf den Spuren Maria Stuarts schrieb er inmitten der Ruinen der Klosterkirche nahe des Holyrood Castle, die ersten Takte seiner Schottischen Sinfonie nieder. Über Abbotsford, den Wohnsitz Sir Walter Scotts, verschlug es ihn anschließend bis auf die entfernte Inselgruppe der Hebriden vor der schottischen Nordwestküste. Aus Tobermory, einem kleinen Fischerort auf der Isle of Mull, schrieb er seiner Familie einen Brief, dem er einen Entwurf der 21 Anfangstakte seiner späteren Hebriden-Ouvertüre beifügte: Abwärts rollende Dreiklangsfiguren illustrieren hier den Wellengang der bewegten See, wobei lyrische Themen Bilder von winddurchwehten, schroffen Küsten evozieren. Der eigentlichen Komposition beider Werke, die Jordi Savall mit seinem Orchester Le Concert des Nations beim Musikfest Berlin präsentiert, widmete sich Mendelssohn allerdings erst später – nach einem längeren Italienaufenthalt, in dessen Umfeld als weiterer klingender Reisebericht die populäre Italienische Sinfonie entstand: Musik, die mit wirbelnden Stilisierungen neapolitanischer Volkstänze ins gleißende Licht südlicher Sonne entführt.
Bei dem Konzert musizieren erfahrene Mitglieder des Orchesters Le Concert des Nations mit Teilnehmer*innen der von Jordi Savall ins Leben gerufenen Orchesterakademie YOCPA, zu deren Programm das Berliner Gastspiel gehört. Das Projekt YOCPA– Young Orchestra and Choir Professional Academies unter der Leitung von Savall wird vom Centre Internacional de Música Antiga Fundació CIMA verwaltet und von der Europäischen Union gefördert. Es bietet Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten für den musikalischen Nachwuchs und vereint mit seinem intergenerationellen Ansatz die pädagogische Arbeit professioneller Musiker*innen mit dem Lernprozess junger Nachwuchskünstler*innen.
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 „Schottische“ (1842/43)
Ouvertüre Die Hebriden („Fingals Höhle“) op. 26 (1829–1833)
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“ (1833/34)
Le Concert des Nations
Jordi Savall – Leitung
Mit Unterstützung des Departament de Cultura der Generalitat de Catalunya und des Konsortium Institut Ramon Llull, mit finanzieller Unterstützung der Direction Régionale des Affaires Culturelles Occitanie, kofinanziert von der Europäischen Union
Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele / Musikfest Berlin