Theater

Dies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)

Stefan Kaegi (Rimini Protokoll)

Uraufführung

Dies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)

Dies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)

Gemeinsam mit Expert*innen aus Taiwan untersucht Stefan Kaegi, Regisseur und Mitbegründer des Berliner Theaterlabels Rimini Protokoll, in „Dies ist keine Botschaft (Made in Taiwan)“ den fragilen Zustand des diplomatischen „Dazwischens“ – des Lebens zwischen zwei Großmächten. Das Bühnenstück ist ein Versuch, die Errichtung einer in der realen Welt unmöglichen Botschaft zu simulieren – geschützt durch die Freiheit der Kunst.

Wie kann es sein, dass Taiwan zu den zwanzig größten Wirtschaftszonen und zu den lebendigsten Demokratien Asiens zählt, aber seine Regierung offiziell nicht nach Europa reisen darf? Was bedeutet diplomatische Anerkennung für eine Insel, die droht, zwischen geopolitischen Machtblöcken in Ost und West zerrieben zu werden? Wie kann die subjektive Repräsentationsmaschine Theater zu einer Bühne der Weltpolitik werden?

Geologisch gesehen ist Taiwan Teil des „Pazifischen Feuerrings“, einer seismisch besonders aktiven Zone, in der riesige tektonische Platten aufeinandertreffen, und so kommt es hier immer wieder zu schweren Erdbeben. Ähnlich fragil steht es um die politische Stabilität auf der Insel. Auch sie droht zwischen Machtblöcken und Erschütterungen zerrieben zu werden.

1945 wurde Taiwan als „Republic of China“ eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen und ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Aber 1971 stellte Richard Nixon die Beziehungen der USA zum chinesischen Festland wieder her, und die „Republic of China“ musste die Vereinten Nationen verlassen. Seitdem kämpft Taiwan um seine diplomatische Anerkennung. Nur in einem Dutzend Ländern rund um den Erdball haben seine diplomatischen Vertretungen den Status einer Botschaft. Während Taiwan einerseits über zahlreiche internationale Freunde und Handelspartner verfügt, kann es sich keine Nation leisten, die Beziehungen zur Wirtschaftsmacht China abzubrechen, und so wird Taiwan weder von Deutschland noch sonst einem europäischen Land außer dem Vatikan diplomatisch anerkannt. Mit anderen Worten: Taiwan ist nur der sichtbarste Repräsentant eines globalen Dilemmas.

Im Theater sind wir es gewohnt, so zu tun, als ob. Wie könnte eine Vertretung Taiwans auf der Bühne funktionieren? Welche Fahne, welche Hymne und welches Ritual passt in unsere Zeit?

Gemeinsam simulieren die drei Expert*innen mit vielen Bildern und Musik auf der Bühne die Eröffnung einer in der realen Welt unmöglichen Botschaft – geschützt durch die Freiheit der Kunst. So entsteht die mobile Stichprobe eines Landes, ein transformierbares Architekturmodell, das die drei Expert*innen als Miniaturfilmkulisse für ihre eigene und die Biografie ihres Landes nutzen. Das Publikum wird dabei zu Gästen und zugleich Mitwirkenden einer heiklen politischen Mission, in deren Zentrum nicht zuletzt das Verhältnis von Deutschland zu China steht.

Gemeinsam mit Rimini Protokoll erstellen sie die mobile Stichprobe eines Landes, ein transformierbares Architekturmodell, das sie als Miniaturfilmkulisse nutzen. Mit kleinen Kameras in der Hand lassen sie dabei Puppen, die sie selbst darstellen, Rollen spielen. Wohin wird uns dieser Politthriller führen?

Künstlerisches Team

Mit Chiayo Kuo, Debby Szu-Ya Wang, David Chienkuo Wu

Stefan Kaegi (Rimini Protokoll) – Konzept und Regie
Szu-Ni WenDramaturgie und Regieassistenz 
Dominic HuberSzenografie
Mikko GaestelVideo 
Polina Lapkovskaja (Pollyester), Debby Szu-Ya Wang, Heiko Tubbesing – Musik
Yinru LoRecherche Taiwan
Philip LinVideodreh
Pierre-Nicolas Moulin – Licht
Caroline BarneaudCo-Dramaturgie
Kim Crofts Regieassistenz
Matthieu Stephan – Mitarbeit Szenografie (Trainee)
Aljoscha Begrich, Viviane Pavillon – Outside Eyes
 
Tristan Pannatier (Théâtre Vidy-Lausanne) – Produktion Europa
Chin Mu (National Theater & Concert Hall Taipei) – Produktion Taiwan

Technikteam

Quentin BrichetTechnische Leitung
Bruno MoussierStage Manager
Charlotte Constant, Ludovic GuglielmazziTontechnik
Sebastian Hefti, Nicolas GerlierVideotechnik
Pierre-Nicolas Moulin, Jean-Baptiste Boutte –  Beleuchtung
Séverine Blanc, Clélia Ducraux, Mathieu DorsazRequisite
Théâtre Vidy-LausanneKonstruktion Bühne

Eine Produktion von Théâtre Vidy-Lausanne und National Theater & Concert Hall Taipei in Koproduktion mit Rimini Apparat, Berliner Festspiele, Volkstheater Wien, Centro Dramático Nacional Madrid, Zürcher Theater Spektakel, Festival d’Automne à Paris, National Theatre Drama / Prague Crossroads Festival mit Unterstützung von Centre Culturel de Taiwan à Paris und Prix Tremplin Leenaards / La Manufacture.