
Theater
Socìetas Raffaello Sanzio
Deutschlandpremiere
Uraufführung 15. März 2011, Théâtre National de Bretagne, Rennes
Romeo Castellucci hat sich in seinem neuen Stück von einem klassischen Text der amerikanischen Schauerromantik inspirieren lassen: Nathaniel Hawthornes The Minister’s Black Veil – Des Pfarrers schwarzer Schleier von 1836. Zentrales Emblem ist der schwarze Schleier, den Pfarrer Hooper eines Tages trägt, um ihn nie wieder abzulegen. Ein Akt der Buße, der Schuld oder Strafe, eine Geste der Demut oder gar des Stolzes? Bis zum Ende seines Lebens gibt er keine Erklärung für seine ungewöhnliche Maske ab, die ihn der Welt sowohl entfremdet als auch Macht gibt über »alle Seelen, die sich im Bewusstsein ihrer Sünden winden«.
Die vom Autor selbst als »Parabel« bezeichnete Geschichte bietet Romeo Castelluccis suggestivem Bildertheater erneut Anlass, sich mit dem Gesicht, dem Blick, mit der Beziehung zwischen Repräsentation und Nicht-Darstellbarkeit zu beschäftigen. Der italienische Theatermacher und Leiter der Compagnie Socìetas Raffaello Sanzio spielt den Plot der Vorlage nicht nach, sondern übersetzt ihn in machtvolle Bild- und Klangwelten. Zwischen Realismus und Surrealismus wählt der Regisseur eine Fülle von symbolhaften bis allegorischen Darstellungsformen, die das Geschehen auf der Bühne nicht weniger rätselhaft, uneindeutig und beeindruckend machen wie das Ereignis in der literarischen Vorlage.
»›But what has good Parson Hooper got upon his face?‹ All within hearing immediately turned about, and beheld the semblance of Mr. Hooper, pacing slowly his meditative way towards the meetinghouse. … There was but one thing remarkable in his appearance. Swathed about his forehead, and hanging down over his face, so low as to be shaken by his breath, Mr. Hooper had on a black veil.«
Nathaniel Hawthorne
Regie, Bühne und Licht Romeo Castellucci
Musik Scott Gibbons
Silvia Costa u. a.
Mitarbeit Dramaturgie Piersandra Di Matteo
Produktion Socìetas Raffaello Sanzio mit Théâtre National de Bretagne, Rennes
In Koproduktion mit Theater der Welt 2010, deSingel international arts campus Antwerpen, Nationaltheatret Oslo, Barbican London und SPILL Festival of Performance, Internationales Tschechow-Theaterfestival Moskau, Holland Festival Amsterdam, Athens Festival, GREC 2011 Festival de Barcelona, Festival d’Avignon, Internationales Theaterfestival DIALOG Wrocław, Belgrade International Theatre Festival, spielzeit‘europa | Berliner Festspiele, Théâtre de la Ville Paris, Romaeuropa Festival, Theaterfestival SPIELART München, Le-Maillon – Théâtre de Strasbourg / Scène Européenne, TAP Théâtre Auditorium de Poitiers – Scène Nationale, Peak Performances @ Montclair State-USA