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Edison Denisov

Edisson Denissov (1929–1996) gehört zusammen Alfred Schnittke und Sofia Gubaidulina zu den zentralen Vertretern der Generation sowjetischer Komponist*innen, die auf Dimitri Schostakowitsch folgten. Alle drei komponierten unter den Bedingungen des Post-Stalinismus und hatten harte staatlichen Repressionen zu ertragen. Denissov entwickelte sich stilistisch von Anfängen im Zeichen Schostakowitschs über die Rezeption der Dodekaphonie und serieller Techniken zu einem eher polystilistisch ausgerichteten Ansatz mit deutlichen Bezügen auf die Tradition, die zahlreiche Bearbeitungen älterer Musik umfasste. Trotz dieser vielfältigen Kompositionsweisen lassen sich der klangfarbliche Reichtum, eine stark lyrisch geprägte Grundhaltung und eine Neigung zur französischen Kultur als Konstanten ausmachen.

Denissov wurde am 6. April 1929 in der sibirischen Großstadt Tomsk geboren und erhielt seinen Vornamen nach dem von seinem Vater bewunderten amerikanischen Erfinder Thomas A. Edison. In seiner Jugend begeisterte sich Denissov gleichermaßen für Naturwissenschaften wie für die Musik und studierte zunächst bis 1951 Mathematik. Noch während der Vorbereitung seines Abschlusses nahm er Kontakt zu Dmitri Schostakowitsch auf und sendete ihm einige Kompositionen zu. Dieser erkannte das Talent Denissovs und setzte sich nach Kräften für ihn ein. Von 1951 bis 1956 studierte Denissov dann aber bei Wissarion Schebalin in Moskau Komposition. Durch den Kontakt mit dem französischen Pianisten Gérard Frémy, der drei Jahre lang in Moskau studierte, wurde er näher mit den Werken der Schönbergschule bekannt. Insbesondere der Einfluss Anton Weberns hat tiefe Spuren in seinem Werk hinterlassen.

Ab 1959 unterrichtete Denissov selbst am Moskauer Konservatorium. Auch wenn ihm nur eine untergeordnete Position und keine Kompositionsprofessur erlaubt wurde, zog seine Lehrtätigkeit Scharen junger Komponist*innen wie Elena Firsowa oder Wladimir Tarnopolski an, so dass Denissov zum einflussreichsten Kompositionslehrer der post-stalinistischen Sowjetunion wurde.

Denissovs erstes Hauptwerk stellt die von Pierre Boulez inspirierte Kammerkantate Die Sonne der Inkas aus dem Jahr 1964 dar, die er selbst als sein Opus 1 betrachtete. Der kühne, undogmatische Umgang mit Kompositionstechniken der Avantgarde, der sich in dem Werk zeigte, wurde im Westen stürmisch gefeiert und traf auf eisige Reaktionen offizieller sowjetischer Stellen. Denissov wurde mit zahlreichen Verboten und Sanktionen belegt, die bis in die 1980er Jahre wirksam blieben. In den folgenden Jahren entstand zunächst fast ausschließlich Kammermusik. Peinture (1971) zeigt dann eine Wendung zur Orchestermusik an, die ihren Niederschlag auch in zahlreichen konzertanten Werken fand, die oft für prominente Interpreten wie den Geiger Gidon Kremer entstanden. Denissov starb am 24. November 1994 in Paris, wo er sich nach einem schweren Autounfall niedergelassen hatte.

Stand: August 2026