Stadtbild mit modernen Hochhäusern und deren Spiegelung in einem ruhigen Gewässer, Bäume im Vordergrund.

Focus Japan © Shiro Takatani / Dumb Type

Focus Japan

Ein Impuls der Berliner Festspiele 2026/27

Die Berliner Festspiele richten in ihrem Jubiläumsjahr in Partnerschaft mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin einen besonderen Fokus auf performative und musikalische Künste aus Japan. Mit Beiträgen im Programm des Musikfest Berlin, der Performing Arts Season, des Jazzfest Berlin und von MaerzMusik sowie einem eigens entwickelten Projekt im Stadtraum knüpfen sie an eine langjährig gewachsene Beziehung des Austauschs zwischen den Berliner Festspielen und künstlerischen Ausdrucksformen japanischer Kultur an.

Die präsentierten Werke eröffnen vielschichtige Perspektiven auf die Themen Identität und Gemeinschaft. Fragen nach Tradition und Ursprung spiegeln sich sowohl in Momenten des meisterhaften Kanze Nō Theaters als auch in der choreografisch interpretierten Schöpfungsgeschichte Japans in Planet [wanderer] von Damien Jalet und Kohei Nawa wider. 

Akira Takayamas Projekt What If Berlin, das entlang des Berliner S-Bahn-Rings archivierte Visionen eines „Neuen Berlin“ erkundet, sowie die dystopisch-technologischen Reflexionen über die Bedrohtheit des Menschen des Kollektivs Dumb Type in 2020 verhandeln den Wunsch nach einer verbindenden Zukunftsperspektive. Die Suche nach einem gemeinsamen Horizont findet schließlich Ausdruck in den experimentellen Improvisationen des Otomo Yoshihide New Jazz Quintetts.

Kooperationspartner der Berliner Festspiele für Focus Japan ist die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit zwei Neuproduktionen und einem Gastspiel.
 

Spielstätten: Haus der Berliner Festspiele, Philharmonie Berlin, Berliner S-Bahn-Ring, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 

 

Logo Focus Japan

 

28. August bis 20. September 2026 | Berliner S-Bahn-Ring

What If Berlin

Die Ringbahn als Bühne für 27 vergessene Zukunftsvisionen

Für das 75. Jubiläum lädt der japanische Künstler Akira Takayama das Publikum der Berliner Festspiele auf die Berliner Ringbahn ein. An vier Wochenenden veranstaltet er „guided tours” über die 27 Ringbahnhöfe, für deren Umgestaltung er die Realisierung jeweils eines ortsspezifischen künstlerischen Projekts vorschlägt. Die Ideen zu diesen Projekten sind nicht neu, sondern stammen aus den Schubladen der Berliner Festwochen, der Berliner Festspiele, anderer Berliner Kulturinstitutionen oder Künstler*innen. Es sind unrealisierte Projekte aus der Vergangenheit, die von erfahrenen Stadtführer*innen auf der Ringbahn vorgestellt und von Takayama, der die sichtbaren wie unsichtbaren, alten wie neuen Grenzen Berlins thematisiert, auf diese Weise in die Gegenwart überführt werden. Am Ende fragt er uns, welche Projekte wir tatsächlich in der Zukunft realisiert sehen wollen – für ein nächstes, für unser Neues Berlin.  

Ein Mann steht in einem schmalen, mit Technik‑ und Stuhlmaterial vollgestellten Lagerraum und blickt in Richtung Kamera.

Akira Takayama

© privat, Foto: Bea Borgers

30. August 2026, 12:00 – 13:30 | Haus der Berliner Festspiele, Kassenhalle

Japanese Brunch

In gemütlicher Atmosphäre erläutert der Künstler Akira Takayama am Sonntagvormittag die konzeptionellen Grundgedanken seiner experimentellen Theaterarbeit und des auf der Ringbahn geplanten Projekts What If Berlin und stellt sich den Fragen des Publikums.

Menschen sitzen an langen Holztischen in einem Raum mit großen Glasfronten, dahinter grüne Bäume.

Kassenhalle im Haus der Berliner Festspiele während des Theatertreffen 2026

© Berliner Festspiele, Foto: Fabian Schellhorn

21. September 2026 | Philharmonie Berlin

Kanze Nō Theater

Musikfest Berlin

Im Rahmen seiner Europa-Tournee 2026 ist das Ensemble des Kanze Nō Theaters aus Tokio beim Musikfest Berlin zu Gast. Mit Kiyokazu Kanze – dem 26. Großmeister der Kanze-Schule – als Hauptdarsteller präsentiert die Kompanie drei Werke des klassischen Nō-Theaters. Die genuin japanische Theaterform entstand vor ungefähr 700 Jahren und gilt als eine der ältesten der Welt. Mit seiner Bildsprache, seinem Klangsinn und seiner (musikalischen) Dramaturgie übte das Nō-Theater nicht zuletzt einen starken Einfluss auf die europäische Gegenwartsmusik aus. Zu seinen Charakteristika zählen die bewusste Minimalisierung der Ausdrucksmittel, der Einsatz von Masken sowie die starke Formalisierung körperlicher Bewegungen. Am folgenden Tag gibt Kiyokazu Kanze im Rahmen einer speziell für Kinder und Jugendliche vorbehaltenen Education-Veranstaltung einmalige Einblicke in die Welt des Nō-Theaters.

Porträt von Kiyokazu Kanze

Kiyokazu Kanze, 26. Großmeister der Kanze-Schule

© Yoshikatsu Hayashi

30. Oktober 2026 | Haus der Berliner Festspiele

Otomo Yoshihide New Jazz Quintet

Jazzfest Berlin

Der japanische Musiker Otomo Yoshihide hat viele Gesichter. Er ist bekannt als abenteuerlustiger Experimentalist, E-Gitarrist und Turntablist im Grenzbereich von Noise, freier Improvisation und Pop. Doch auch als emsiger Film- und Fernsehkomponist hat er sich einen Namen gemacht. Nach dem spektakulären Berlin-Debüt seiner 16-köpfigen Special Big Band beim Jazzfest Berlin 2024 sowohl auf der Großen Bühne des Festspielhauses als auch im Moabiter Kiez im Rahmen der Community-Aktivitäten ist der Musiker bei der diesjährigen Festivalausgabe mit dem Otomo Yoshihide New Jazz Quintet zu erleben, das bei seinen energiegeladenen Auftritten auf raffinierte Weise komplexe Swing-Passagen, walls of noise und ekstatisches Gruppenspiel zusammenbringt.

Fünf Personen stehen vor einer grauen Wand; zwei halten Instrumente, eine Trompete und eine Posaune.

Otomo Yoshihide New Jazz Quintet

© Malwina Witkowska

4. & 5. Dezember 2026 | Haus der Berliner Festspiele

Damien Jalet / Kohei Nawa: Planet [wanderer]

Performing Arts Season

Ein leuchtendes Feld, acht wandernde Körper: In Planet [wanderer] erschaffen Damien Jalet und Kohei Nawa eine kosmische Choreografie zwischen Ritual und Vision. Tanz, Material und Licht verbinden sich zu einer sinnlichen Meditation über Bewegung, Verletzlichkeit und unseren Planeten Erde.

Eine Person mit weißer Flüssigkeit umringt, so in Bewegung, das vom ganzen Körper her Fäden gezogen werden.

Planet [wanderer]

© Yoshikazu Inoue

15. bis 17. Januar 2027 | Haus der Berliner Festspiele

Dumb Type: 2020

Performing Arts Season

Fast vollendet, dann unterbrochen: 2020 von Dumb Type war lange eine Phantomarbeit. Nun wird sie Realität auf der Bühne. In einem hybriden Zusammenspiel aus Körper, Technologie und Klang verdichtet sich ein Bild unserer verletzlichen, überwachten und überinformierten Welt.

Eine in weiß gekleidete Person sitzt hinter einem quadratischen Bühnenloch, hinter ihr drei Leinwände.

2020

© Kazuo Fukunaga

Partnerveranstaltungen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Satoko Ichihara: Mononoke

Premiere am 3. Oktober 2026

Die japanische Autorin und Regisseurin Satoko Ichihara gehört zu den wichtigsten Stimmen einer neuen, feministischen Generation von Theatermacher*innen. Für Mononoke, ihre erste Arbeit an einem deutschen Theater, hat sie die in Berlin lebende, südkoreanische Künstlerin Mire Lee als Bühnenbildnerin eingeladen, deren faszinierend lebendig wirkende Skulpturen sonst Museen bespielen. Gemeinsam mit der Kostümbildnerin Belle Santos schöpft Ichihara aus der japanischen Puppenspieltradition Bunraku und treibt sie in die Gegenwart: Körper, die mit Puppen verwachsen sind, Fleisch, das aus Eisen wächst, und Götter, die man besser nicht verärgert.


Eine Inszenierung von Toshiki Okada

Premiere im Februar 2027

Der japanische Theatermacher Toshiki Okada ist bekannt für ebenso hellsichtige wie komische Stücke, die soziale Probleme der japanischen Gegenwartsgesellschaft unter die Lupe nehmen. In Okadas Inszenierungen entwickeln die Körper auf der Bühne ein eigentümlich-faszinierendes Bewegungsrepertoire, während die Gespräche der Figuren banal-philosophisch Details der Alltagsbewältigung umkreisen. Seinen internationalen Durchbruch erlebte Okada 2004 mit seiner Inszenierung Five Days in March. In dem Stück geht es um eine junge sogenannte Lost Generation von Japaner*innen, die der Zukunft ohne Hoffnung entgegensieht. Seine erste Inszenierung an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz handelt über zwanzig Jahre später erneut von persönlichen Ängsten und politischer Hoffnungslosigkeit: Wer nicht genug Geld zum Leben hat, muss eben früh sterben.


Satoko Ichihara: Yoroboshi

Gastspiel im Frühjahr 2027

Mit dem 2023 uraufgeführten Stück Yoroboshi kehrt Satoko Ichihara im Frühjahr 2027 zurück an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Das Gastspiel interpretiert die japanische Legende vom „Blinden Schwächling“ (Shuntokumaru) neu und erzählt eine berührende Geschichte über Einsamkeit, Gewalt und Sexualität.

In Partnerschaft mit dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin

Logo Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin