1 / 1

Musikfest Berlin 2023

Das Musikfest Berlin 2023 findet voraussichtlich vom 26. August bis 19. September 2023 statt.

Goldfarbenes Gebilde mit zerklüfteter Oberfläche

Musikfest Berlin 2022. Design, Art Direction: Eps51, CGI: Nicolas Kawohl

© Berliner Festspiele

Musikfest Berlin 2022

Saisonstart in das internationale Musikleben:
Die großen Orchester und Chöre Berlins und Gastensembles aus Europa, Amerika und Asien

Vom 27. August bis 19. September 2022 startete das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. In 27 Veranstaltungen wurden in der Philharmonie, in deren Kammermusiksaal, im Konzerthaus Berlin, dem Haus der Berliner Festspiele und in der Kirche Am Hohenzollernplatz über 50 Werke von rund 40 Komponist*innen präsentiert, aufgeführt von 33 Klangkörpern und zahlreichen Solist*innen des internationalen und Berliner Musiklebens.

Aus den USA kamen das Philadelphia Orchestra mit Yannick Nézet-Séguin, das Cleveland Orchestra mit Franz Welser-Möst, aus Großbritannien John Eliot Gardiner mit seinem Monteverdi Choir und Orchestre Révolutionnaire et Romantique, Sir Simon Rattle mit dem London Symphony Orchestra, aus den Niederlanden das Concertgebouworkest Amsterdam mit Klaus Mäkelä, das Rotterdams Philharmonisch Orkest mit Lahav Shani, aus Belgien Philippe Herreweghes Collegium Vocale Gent mit Instrumentalensemble und aus Italien der Chor und das Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter der Leitung von Sir Antonio Pappano, aus Leipzig schließlich das Gewandhausorchester mit Andris Nelsons.
Mit dabei waren selbstverständlich auch unsere in Berlin ansässigen Partnerorchester, die in den vergangenen beiden Jahren so ideenreich und flexibel geholfen haben, das Musikfest Berlin auch ohne die internationalen Gäste durch die schwierige Pandemiezeit am Leben zu halten: die Berliner Philharmoniker, das Konzerthausorchester Berlin, die Klangkörper der ROC und das Orchester der Deutschen Oper Berlin.
Neben den großen Werken des Repertoires – von Beethoven, Mahler, Sibelius und der frühen Moderne des 20. Jahrhunderts – brachten sie Raritäten oder in Berlin bislang noch nicht präsentierte Namen in die Philharmonie: Werke von Florence Price, Willem Pijper, von Ferruccio Busoni über Bernd Alois Zimmermann und Morton Feldman bis zu Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit. Gleich mehrere runde und hohe Geburtstage und Jahrestage fanden sich darunter, einigen davon war die öffentliche Würdigung durch die Corona-Jahre verwehrt: Geburtstage von Sofia Gubaidulina, Wolfgang Rihm, Kaija Saariaho, Gerald Barry und Aribert Reimann. Der Geburtstag von Iannis Xenakis jährte sich zum 100. Mal, und seiner Musik widmeten sich die Berliner Philharmoniker, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das Ensemblekollektiv und das JACK Quartet.
Im selben Jahr wie der griechisch-französische Komponist und Architekt Iannis Xenakis wurde auch die Jazz-Legende Charles Mingus geboren. Die BigBand der Deutschen Oper Berlin ehrte ihn mit der von Titus Engel geleiteten Aufführung seines abendfüllenden Opus magnum „Epitaph“ in der Philharmonie. Mit Mingus’ Vision einer stilistisch entgrenzten Big-Band-Formation korrespondierte die jüngst entstandene Ensemblekomposition „Körper“ von Enno Poppe, mit der er die Möglichkeiten des historischen Big-Band-Klangs für die Gegenwart neu entdeckt. „Körper“ entstand für das Ensemble Modern, das das neue Werk unter der Leitung des Komponisten im Haus der Berliner Festspiele präsentiert.
Die in Australien beheimatete Komponistin Liza Lim, derzeit Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, gehört zu den führenden internationalen Künstler*innen, die sich mit ihrem Schaffen exemplarisch transkulturellen Themen der Gegenwart widmen. Aus ihrem umfangreichen OEuvre präsentierte das Musikfest Berlin als deutsche Erstaufführungen zwei großformatige Werke ihrer Ensemble- und Kammermusik: „Machine for Contacting the Dead“ und das neue, für das JACK Quartet geschriebene Streichquartett „String Creatures“.
John Eliot Gardiners Aufführung der „Missa solemnis“, die 2020 coronabedingt abgesagt werden musste, wurde zum Anlass, das Festivalprogramm für die Musik einer Zeit zu öffnen, in der es so etwas wie Symphonieorchester noch gar nicht gab und die europäische Musik, die heute unter dem Label „Klassik“ vermarktet wird, aus religiösrituellen Kontexten heraus entstand: für die „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi mit dem Collegium Vocale Gent, für die Psalmenvertonungen von Heinrich Schütz, William Byrd und Orlando Gibbons mit dem RIAS Kammerchor Berlin und für das Erlebnis eines 24-stündigen Offiziums in der Kirche Am Hohenzollernplatz mit Musik von der Gregorianik über Thomas Tallis bis zu Felix Mendelssohn Bartholdy, u. a. mit dem Vokalensemble sirventes berlin, dem georgischen Chor Basiani, dem Tenebrae Choir London und dem Staats- und Domchor Berlin.
Das National Gugak Center aus Seoul schließlich, Südkoreas Hochburg für die traditionelle koreanische Musik und die performativen Künste, präsentierte im Rahmen seiner Deutschland-Tournee die seit über 600 Jahren gepflegte Tradition der königlich-rituellen Ahnenzeremonie „Jongmyojeryeak“ der Joseon-Dynastie. Das konfuzianische Gesamtkunstwerk, eine einzigartige Synthese aus Musik, Gesang, Tanz und Kostümen, wurde 2008 in die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Berliner Festspiele und dem Team des Musikfest Berlin danke ich allen beteiligten Künstler*innen und Institutionen, der gastgebenden und kooperierenden Stiftung der Berliner Philharmoniker und ihrer Intendantin, Frau Andrea Zietzschmann, den in Berlin ansässigen Partnerorchestern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, dem Hauptstadtkulturfonds für die Förderung der beim Musikfest Berlin beteiligten Projektpartner Ensemblekollektiv und NoonSong e. V. und der Aventis Foundation für die Unterstützung des Gastspiels des Rotterdams Philharmonisch Orkest, schließlich der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Staatsministerin Claudia Roth für die Förderung des Musikfest Berlin der Berliner Festspiele.

Ihr
Winrich Hopp
Künstlerischer Leiter des Musikfest Berlin

Mehr Berliner Festspiele