Motiv Musikfest Berlin 2021

28.8.–
20.9.21

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ENDOR

Am 19. Dezember 2021 präsentieren die Sopranistin Anna Prohaska, der Cellist Nicolas Altstaedt und der Cembalist Francesco Corti im Kammermusiksaal der Philharmonie ihr Konzertprogramm ENDOR, das am 4. September bedauerlicherweise nicht stattfinden konnte.

Informationen zu bereits erworbenen Tickets und zum Ticketkauf finden Sie auf unserer Ticketseite.

Zum Konzert

Paolo Monti, „Komposition Nature morte“, 1950

Paolo Monti, „Komposition Nature morte“, 1950

© Paolo Monti – Serie fotografica (Venezia, 1950) – BEIC 6346778, Ausschnitt, CC BY-SA 4.0

Musikfest Berlin 2022

Das Musikfest Berlin 2022 wird voraussichtlich vom 27. August bis 20. September 2022 stattfinden. Das Programm erscheint im Frühjahr.

Keyvisual Musikfest Berlin 2021: Ausschnitt eines kugelförmigen Objekts aus Beton mit grober Oberfläche und Goldspuren

Musikfest Berlin on Demand

Die Aufzeichnungen der Konzerte stehen leider nicht mehr zur Verfügung. Sie können aber weiterhin unsere Interview-Reihe „All Eyes on …“ abrufen. Dort stellen wir fünf Fragen an die Künstler*innen des Musikfest Berlin 2021: über ihre Arbeit, die zeitgenössische Musik, Berlin und natürlich über Strawinsky. Mit Nicolas Altstaedt, Justin Doyle, Joolz Gale, Catherine Larsen-Maguire, Cathy Milliken, Anna Prohaska, Michael Schiefel und Tamara Stefanovich.

Zum digitalen Programm

Igor Strawinsky in Venedig, 1956

Digital Guide „Igor Strawinsky entdecken“

In unserem digitalen Leitfaden erfahren Sie in Text und Bild mehr über das Spätwerk des berühmten Komponisten.

Zum Digital Guide

Gebilde mit zerklüfteter Oberfläche in hellbraun und zartlila

Musikfest Berlin 2021. Design, Visuals & Animation: Eps51

© Berliner Festspiele

Von der Freude an der musikalischen Kreation

Das Spätwerk Igor Strawinskys beim Musikfest Berlin 2021
mit Musik von Carlo Gesualdo bis zu Heiner Goebbels und Olga Neuwirth

Vom 28. August bis 20. September 2021 startet das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit, veranstaltet von den Berliner Festspielen, in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. In 34 Veranstaltungen wird im Großen Saal der Philharmonie und deren Kammermusiksaal, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und im Großen Sendesaal des rbb Musik aus fünf Jahrhunderten präsentiert. Über 100 Werke von rund 52 Komponist*innen, aufgeführt von 29 Instrumental- und Vokalensembles und 35 Solist*innen des internationalen und Berliner Musiklebens.

Man hat ihn den Picasso unter den Komponist*innen genannt. Als Igor Strawinsky vor 50 Jahren 88-jährig verstarb, war ein Lebenswerk entstanden, das dem des Malers zu gleichen scheint: voller überraschender Wandlungen, Aneignungen und Umformungen, souverän der Zeit eine unverkennbare Gestalt gebend, die Provokation und Extravaganz nicht scheuend, bewundert und gefeiert, getragen von der unverbrüchlichen Freude an der musikalischen Kreation (plaisir de la création), wie er in seiner „Musikalischen Poetik“ schrieb.

„Strawinsky bleibt“ (Stravinsky demeure) prognostizierte der junge Pierre Boulez 1951. Da war Strawinsky gerade im Begriff, sich künstlerisch nochmals neu zu erfinden. Sein entdeckerischer Sinn wandte sich der historisch fernen Musik der Renaissance, des Frühbarocks und Mittelalters zu. Insbesondere fesselten ihn die Madrigale des italienischen Fürsten Don Carlo Gesualdo da Venosa. Das war die eine Blickrichtung. Die andere galt der Musik des am Kriegsende umgekommenen Anton Webern und den jungen, gerade durchstartenden Zeitgenossen: Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen hatten es ihm angetan. Aus den Sphären des die Epochen überbrückenden Dialogs kreierte Strawinsky seinen Altersstil und das Spätwerk, das in Kalifornien entstand, wo er seit 1939 lebte. Zentrum aber seines künstlerischen und spirituellen Imaginationsraumes wird ihm in seinen späten Lebensjahren die Inselstadt Venedig. Für deren San Marco komponiert er die Kantate „Canticum Sacrum“ und für den von Tintorettos Deckengemälden geprägten Festsaal der Scuola Grande di San Rocco seine größte Sakralkomposition „Threni“. Seine „Requiem Canticles“ schließlich werden bei seiner Beisetzung auf der Toteninsel San Michele gespielt.

Igor Strawinsky wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Ikone eines europäischen Lebens, das vom vorrevolutionären Russland über die beiden Weltkriege bis hin zur Zeit des Kalten Krieges reichte. Bei den Berliner Festwochen war er in den sechziger Jahren regelmäßiger und gefeierter Gast. Strawinskys 50. Todestag und das 70-jährige Bestehen der Berliner Festspiele in diesem Jahr werden so für das Musikfest Berlin 2021 zum Anlass, das nur selten aufgeführte Spätwerk zu präsentieren.

Das Festivalprogramm hält sich dabei an das durch Geschichte und Gegenwart umherschweifende Ohr dieses großen Komponisten: Es geht zurück in die Zeit der Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, zu Bach, Händel, Gesualdo, Gabrieli und Palestrina, aufgeführt von den Kennern der Aufführungspraxis dieser entlegenen Zeiten. Und das Festivalprogramm öffnet sich, Strawinskys Interesse fortsetzend, der Musik der Komponist*innen unserer Zeit: den neuen Werken von George Benjamin, Rebecca Saunders und Wolfgang Rihm bis hin zu Clara Iannotta, Ondřej Adámek und Ann Cleare, darunter auch die Uraufführung von Olga Neuwirths musikalischen Kalligrammen „Keyframes for a Hippogriff“ durch die Berliner Philharmoniker.

Neben den in Berlin ansässigen Orchestern, Vokal- und Instrumentalensembles gastieren beim diesjährigen Musikfest Berlin das Concertgebouworkest Amsterdam mit Daniel Harding, die English Baroque Soloists und der Monteverdi Choir mit John Eliot Gardiner, das Orchestre des Champs-Élysées und Collegium Vocale Gent mit Philippe Herreweghe, das London Symphony Orchestra mit Sir Simon Rattle, das Orchestre Les Siècles mit François-Xavier Roth und viele andere mehr.

Eine Reihe von Veranstaltungen entgrenzt das Konzertformat: In dem Partizipationsprojekt „Night Shift – The Rehearsal“ hebt Cathy Milliken auf shakespearesche Weise die Trennung zwischen Bühne und Publikum auf. Johannes Kalitzke bringt – anlässlich des Jubiläums „200 Jahre Konzerthaus Berlin“ und im Nachklang des Beethoven-Jahres 2020 – mit seinen „Beethoven-Variationen“ für Orchester Max Neufelds berühmten Stummfilm „Hoffmanns Erzählungen“ von 1923 zu neuer Wirkung. Und das Théâtre National du Luxembourg gastiert im Großen Sendesaal des rbb mit dem Szenischen Konzert „Liberté d’action“ von Heiner Goebbels, das während der Lockdowns der Corona-Zeit entstand.

Eröffnet wird das Musikfest Berlin am 30. August im Großen Saal der Philharmonie mit der Uraufführung eines weiteren und neuen abendfüllenden Werkes von Heiner Goebbels: „A House of Call. My imaginary Notebook“. Ein außergewöhnlicher ‚Liederabend‘ mit akusmatischen Stimmen und großem Orchester, mit Dialogen, Beschwörungen, Gebeten, Anrufungen, Aufrufen, Sprechakten und Liedern, die der Komponist über viele Jahre auf seinen Reisen und in Archiven gesammelt hat und die nun in einem Werk für die große Orchesterformation des Ensemble Modern vereinigt erscheinen. Im Anschluss an die Uraufführung in Berlin geht das Ensemble Modern Orchestra mit „A House of Call“ auf Tournee.

Wir danken allen beteiligten Künstler*innen und Institutionen, der gastgebenden und kooperierenden Stiftung Berliner Philharmoniker und ihrer Intendantin Frau Andrea Zietzschmann, den in Berlin ansässigen Partnerorchestern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, dem Hauptstadtkulturfonds und der Aventis Foundation für die Unterstützung der Strawinsky gewidmeten Konzerte, der BTHVN2020 Jubiläums GmbH für die Übernahme des Heiner Goebbels / Ensemble Modern Orchestra-Projektes in das Jubiläumsprogramm und den weiteren Stiftungen für die Förderung von Einzelprojekten, schließlich der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Staatsministerin Monika Grütters, für die Förderung der Berliner Festspiele.

Viel Freude beim Besuch der Veranstaltungen des Musikfest Berlin 2021 wünschen Ihnen

Winrich Hopp
Künstlerischer Leiter des Musikfest Berlin

Thomas Oberender
Intendant der Berliner Festspiele

Das Musikfest Berlin

Das Musikfest Berlin versteht sich als ein Forum für die innovative künstlerische Arbeit der großen Orchester und Ensembles im Bereich der klassischen und modernen Musik. Es präsentiert ein ambitioniertes Festivalprogramm mit wechselnden Schwerpunkten.

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