Schwesternkünste: Aus Bildern wird Sprache, aus Sprache Bilder

Workshop for pupils

Schnittstellen von Bild und Text durchdringen Meret Oppenheims gesamtes Werk in vielseitiger Form. Oppenheim gibt ihren Arbeiten nicht nur poetische Titel, sondern integriert auch Bildtitel in ihre Werke, später auch Gedichte. Oft sind ihre Titel mehrdeutig und umkreisen die Bedeutung der Worte oder sind kuriose Wortspielereien. In der Ausstellung sammelt der eine Worte, der andere Bilder. Sie sind Grundlage für die bildnerisch-praktische Arbeit im Atelier. Schließlich wollen auch wir diese Kombination im Paarlauf und im Perspektivwechsel wagen...

<h2>Mit ganz enorm wenig viel</h2>

Meret Oppenheim (1913-1985), zählt zu den bedeutendsten und eigenwilligsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie ist am 6. Oktober 1913 in Berlin-Charlottenburg geboren. Ihren einhundertsten Geburtstag nimmt der Martin-Gropius-Bau zum Anlass, ihr Werk in Gänze zu zeigen.

Berühmt und zur zentralen Figur einer neuen Kunstbewegung, dem Surrealismus, wird sie mit einem Objekt, das sie 1936 in Paris schuf: Sie überzog eine Tasse mit Unterteller und Löffel mit Gazellenfell. So war er, der Surrealismus der Meret Oppenheim: Verrückte Wirklichkeiten, zerlegte Gewohntheiten, spitzfindiger Humor, geistreicher Wortwitz.

Ihr Motto lautete: „Mit ganz enorm wenig viel.“ Sich mit Meret Oppenheim zu beschäftigen, bedeutet daher, sich mit unterschiedlichen Kunstgenres auseinanderzusetzen, mit Malerei, Skulptur, Dichtung, Design. Sie wechselte ihre Stile, war stets neugierig und kannte keine Tabus. Das macht ihre Kunst ist bis heute frisch und gleichzeitig tiefgründig. Da entstehen aus Knochen Halsketten, aus einem Bierglas ein Eichhörnchen, aus Alltagsmaterialien Masken. Es gibt aber auch Werke, wo sie mit Bleistift nur zart schraffiert oder der feine Pinsel nur tupft. Es ging ihr um ein Suchen nach Traumideen und –bildern und nach Identität. Dabei spielten Sprache, Körper, Natur eine wichtige Rolle. „Jeder Einfall wird geboren mit einer Form. Ich realisiere die Idee, wie sie mir in den Kopf kommt. Man weiß nicht, woher die Einfälle einfallen.“