Konzert
Die subtropische Schwüle von New Orleans bringt einen besonderen Musikerschlag hervor, der vom geheimnisvollen Voodoo-Zauber der Sümpfe ebenso durchdrungen ist wie von der trunkenen Buntheit des Mardi Gras. Der Pianist und Sänger Edwin Joseph Bocage, kurz Eddie Bo, stammt aus einer Musikerdynastie, die schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielen wichtigen Bands von New Orleans mitmischte. Aus Piano-Stilistiken von Art Tatum über Oscar Peterson bis Professor Longhair destillierte Eddie Bo seinen individuellen Cocktail aus R&B, Bebop und Funk. Er schrieb Hits für Etta James und Little Richard und begleitete unter anderem Joe Turner, Johnny Adams und die Algiers Brass Band. Seine Kraft und Leidenschaft trug dem „Ein-Mann-Orchester alter Schule“ (New York Times) Vergleiche mit James Brown und George Clinton ein. Seine perkussiv rollenden Grooves, sein wirbelndes Pianospiel und sein entrücktes Vokal-Stakkato mögen Langzeit-Fans des Festivals an James Booker erinnern.
Es gibt leichtere Übungen im Jazz, als Songs, die ursprünglich für kleinere Besetzungen entstanden sind, in einen Big Band-Kontext zu transformieren. Der hr-Bigband gelingt es jedoch unter Leitung des englischen Klangmagiers Colin Towns, mitten in Herz und Seele der explosiven Spiritualität von John McLaughlins Mahavishnu Orchestra einzudringen. Towns, der in den Siebzigern die Tasten für die Ian Gillan Band drückte und gerade erst das Kernschaffen Frank Zappas orchestrierte, vermag den Geist der Seventies ohne Energieverlust einer Hörwelt des neuen Jahrtausends einzuverleiben. Mit Drummer Billy Cobham und Geiger Jerry Goodman, dem Motor und einer Lead-Stimme des originalen Mahavishnu Orchestras, verfügt das Projekt über zwei Autoritäten, die es für dieses schwierige Unterfangen geradezu prädestinieren. Birds of Fire – a Celebration of the Mahavishnu Orchestra ist ein lebendiges Stück musikalischer Geschichtsaneignung, das ohne Nostalgie und falsch verstandene Heldenverehrung auskommt.
Edwin J. Bocage – piano, vocals
Louis ‘Red’ Morgan – saxes
Jimmy ‘Bean’ Ballero – guitar
Richard ‘Tricky Dick’ Dixon – bass
Dwayne Nelson – drums
arranged and conducted by Colin Towns
Colin Towns – conductor
Jerry Goodman – violin
Heinz Dieter Sauerborn – alto-, soprano sax, flute
Oliver Leicht – alto-, soprano sax, flute
Tony Lakatos – tenor-, soprano sax, flute
Julian Argüelles – tenor sax, flute
Rainer Heute – baritone sax, bass clarinet
Tobias Weidinger – trumpet, flugelhorn
Martin Auer – trumpet, flugelhorn
Thomas Vogel – trumpet, flugelhorn
Axel Schlosser – trumpet, flugelhorn
Günter Bollmann – trombone
Peter Feil – trombone
Christian Jaksjø – trombone
Manfred Honetschläger – bass trombone
Martin Scales – guitar
Peter Reiter – piano, fender rhodes, keyboard
Thomas Heidepriem – electric bass
Billy Cobham – drums