Konzert
New York ist eine Vielvölkerstadt. Italiener, Puertoricaner, Juden und andere Bevölkerungsgruppen haben den Jazz des Big Apple nachhaltig geprägt. Zur Zeit erleben wir eine Art Welle indischer Jazz-Innovation, angeführt von dem Pianisten Vijay Iyer und dem Saxofonisten Rudresh Mahanthappa. In Mahanthappas Musik strömen unterschiedliche Erfahrungen von New Yorker Post-Loft-Jazz bis M-Base Sound mit den Traditionen indischer Musik zusammen. Mit seinen Jazz-Ragas geht es dem Saxofonisten nicht um die oberflächliche Fusion zweier Idiome, sondern er sucht nach schlüssigen Wegen, seine indische und amerikanische Sozialisation so authentisch wie möglich auszudrücken.
In der Band Kinsmen („Bluts-Verwandte“) teilt er sich den Altsax-Part mit Kadri Gopalnath, dessen Spiel sich vom Nadaswaram, einer Art indischer Oboe, ableitet. Der in Mangalore lebende Gopalnath, der schon beim JazzFest ’83 als Partner von John Handy zu beeindrucken wusste, ist klassischer karnatischer Musiker und als solcher ein virtuoser Improvisator. Im Spannungsfeld von Identifikation und Assimilation entsteht indisch geprägter Jazz ohne verspielte Weltmusikromantik.
Unter den europäischen Orchesterformationen hat sich die Jazz Bigband Graz einen besonderen Ruf erworben. Die internationale Solistenriege agiert auf höchstem Niveau. Den beiden künstlerischen Leitern Heinrich von Kalnein und Horst-Michael Schaffer ist es gelungen, diese heterogene Schar von Individualisten zu einem homogenen Team mit einer genuinen Klangsprache zu formen.
Der Begriff Big Band erscheint für das waghalsige Klangabenteuer der Steirer fast schon zu konventionell, denn mit jedem neuen Projekt entfernen sie sich weiter vom angestammten Terrain der Jazz-Großformationen. 2008 feierte die JBBG mit Electric Poetry & Lo-Fi Cookies Triumphe. Auf dem JazzFest Berlin führt sie dieses Konzept nun mit Urban Folktales … And A Rose! fort. Die Poesie des zeitgemäß runderneuerten und neben dem Theremin durch elektrische Zither, elektrisch verstärkte Drehleier visuelle Projektionen der Künstlergruppe OchoReSotto erweiterten Klangkörpers dreht sich dabei um das elementarste aller Menschheitsthemen, die Liebe.
Rudresh Mahanthappa – alto sax
Kadri Gopalnath – alto sax
A. Kanyakumari – violin
Rez Abassi – guitar
Poovalur Sriji – mridangam
Carlo de Rosa – bass
Dan Weiss – drums
Heinrich von Kalnein – saxophones, flute, conductor
Christoph ‘Pepe’ Auer – saxophones, clarinet, bass clarinet
Johannes Enders – saxophones, flute
Martin Harms – saxophones, bass clarinet
Bernhard Nolf, Axel Mayer, David Jarh – trumpet, flugelhorn
Johannes Herrlich, Robert Bachner – trombone
Wolfgang Tischhart – bass trombone
Uli Rennert – keyboards, lapsteel guitar
Matthias Loibner – electric hurdy-gurdy
Christof Dienz – e-zither, bassoon
Henning Sieverts – bass, cello
Gregor Hilbe – drums, programming
Barbara Buchholz – theremin
OchoReSotto – visuals