Konzert | Klavier Solitär
Die Serie dieser Konzerte spannt einen weiten historischen und künstlerischen Bogen zwischen großen Klavierwerken, die als Marksteine eines in Hinblick auf Satztechnik, Spielweise, Klangfarbe und Dauer radikalen und monumentalen künstlerischen Anspruchs gelten können: von Johann Sebastian Bachs zwei Bänden „Das Wohltemperierte Klavier“ als historischem Referenzpunkt, in denen ein neues „rationalistisches“ Stimmungssystem, diverse Satztechniken und formale Aspekte ihre systematische Ausarbeitung erfuhren, bis hin zu La Monte Youngs legendärem und antipodischem „The Well-Tuned Piano“, freien Ausspielungen eines begrenzten Tonmaterials in reintöniger, modaler Stimmung in Aufführungen von bis zu 6,5- stündiger Dauer.
Zwischen diesen Polen vermittelt das nach 1983 erst zum zweiten Mal in Deutschland vollständig aufgeführte 3,5-stündige „Opus Clavicembalisticum“ des englisch- indischen Komponisten Kaikhosru Sorabji aus den Jahren 1929/30, ein in Satzdichte und Spieltechnik extrem schwieriges Werk in der Busoni -Nachfolge; John Cages wegweisender Zyklus „Sonatas & Interludes“ für präpariertes Klavier aus den späten 40er Jahren; James Tenneys großes Werk Bridge (1984) für 4 Spieler an zwei Klavieren in mikrotonaler Stimmung; das schroffe Werk „De namen der Goden“ (1990-92) des Holländers Cornelis de Bondt für zwei Klaviere und speziell gefertigte Live- Elektronik in deutscher Erstaufführung und schließlich Stephen Scotts ätherische Stücke für gestrichenes Klavier, von 11 Spielern mit harten und weichen kleinen Bögen im Inneren des Flügels zum Klingen gebracht.
Johann Sebastian Bach
Das Wohltemperierte Klavier II (ca. 1722 – 1744)
Geoffrey Madge – Klavier