Konzert | Ives und die Folgen
American UnPOP
Einige der Mythen reihen sich nahtlos ein in andere amerikanische Mythen: dass 'American-ness' und 'Mannhaftigkeit' globale Tugenden sind, dass wir robuste Individuen sind, die an einer neuen und besseren Welt bauen, dass revolutionäre Entdeckungen nur von Rebellen gemacht werden, die außerhalb von Institutionen und Akademien agieren, dass das freimütige Amerika gegen das formalistische Europa ankämpft. All diesen Mythen liegt ein ganz und gar heroisches Bild Amerika zugrunde. Für die Außenpolitik ist das ein gefährlicher Blickwinkel. In der Musik könnte er ebenso gefährlich sein.
Der Mythos, für den amerikanische Komponisten am empfänglichsten sind, ist das Konzept des Außenseiters. Es gibt zwei wirklich wichtige amerikanische Beiträge zur Musikkultur weltweit: einmal den Jazz, und dann eine große Zahl einzelgängerischer, experimenteller Rebellen, deren Reihe bei Charles Ives beginnt und sich fortsetzt mit Komponisten wie Harry Partch, Conlon Nancarrow, Morton Feldman und John Cage. Es mag widersinnig klingen von einer Tradition der Unabhängigen oder einer Schule der Einzelgänger zu sprechen, aber tatsächlich ist dies eine unserer größten Errungenschaften. Es gibt in Amerika eine lange Tradition von Komponisten / Erfindern, die am Rande unserer diversen musikalischen Mainstreams arbeiten. Viele ihrer Erfindungen beziehen ihre Energie aus der Transplantierung populärer musikalischer Elemente in Kontexte der ‚hohen Kunst’, und das ist es, was sie zurück verbindet zu Charles Ives.
Heute Abend präsentieren die Bang on a Can All-Stars Kompositionen, die sich frei auf populäre amerikanische Musikrichtungen beziehen. Und alle – von den mathematisch unmöglichen Boogie Woogies von Conlon Nancarrow, über die mutigen Sounds von Sonic Youth’s Thurston Moore bis hin zu den Meilenstein-Texten von Lou Reed und der enormen Energie von Louis Andriessen – führen uns auf die eine oder andere Art zurück zu Ives.
Conlon Nancarrow
Four Studies: # 2a, 3a, 3c, 11
arrangiert von Evan Ziporyn (2002)
David Lang
Heroin aus Songs for Lou Reed
nach Texten von Lou Reed (2000)
mit Video von Doug Aitken
Julia Wolfe
Big, Beautiful, Dark and Scary (2002)
Michael Gordon
Light is Calling (2003)
mit Video von Bill Morrison
Thurston Moore
Stroking Piece # 1 (2003)
Louis Andriessen
Workers Union (1975)