Konzert | Szene Frankreich
Luciano Berio und Georges Aperghis bewegen sich trotz unterschiedlicher geographischer Herkunft und verschiedener ästhetischer Profile an der Schnittstelle von Sprache, Klang und Instrument. Von da aus entwickelten sie neue Formen des expressiven, des gestischen und musiktheatralen Komponierens.
Berios Komposition Laborintus II, 1965 uraufgeführt und ein Auftragswerk des ORTF anlässlich des 700sten Geburtstages von Dante, findet die Kategorie des „multiplen Werks“ – als eine Verschmelzung von Instrumentalklang, elektronischem Klang, Laut und Aktion – ein kongeniales Äquivalent in Eduardo Sanguinetis Laborintus Poem, das Dante-Verse mit anderen Texten collageartig zusammenfügt.
Für die Anhänger des „théâtre instrumental“ ist Georges Aperghis’ Projekt ATEM (Atelier Thèâtre et Musique), das er 1976 – übrigens im selben Jahr wie die Gründung des Ensemble Intercontemporain durch Pierre Boulez – an der Peripherie Paris’, im Vorart Bagnolet gegründet und später dann nach Nanterre ins Théâtre Amandier verlegt hat, ein Muss. Mit seinem Musiktheater, das gleichermaßen mit Alltäglichem und Poetischem, Absurdem und Satyrischem, Theatralem und Instrumentalem spielt, hat Aperghis und ATEM Komponisten, Künstler, Schauspieler und Musiker, die die vorgegeben Grenzen ihres Berufsbildes überschreiten wollten, magisch angezogen, so zum Beispiel den Schauspieler und Regisseur Michael Lonsdale, das Trio Le Cercle und viele andere.
Jonathan Nott – Leitung
Marianne Pousseur – Stimme
Federico Sanguineti – Sprecher
Accentus / Axe 21
In Zusammenarbeit mit Französische Botschaft in Berlin / AFAA