Performance Installation
Die Aliens, das sind wir. Menschen sind eigentlich die fremdartigsten und kompliziertesten Wesen, die wir uns nur ausdenken könnten. Gehirngesteuerte Wesen. Ein System im Verborgenen. Das menschliche Gehirn ist ein verborgener, verbotener Raum. Wie die nachtaktiven Tiere im Zoo in ihren dunklen Séparées bilden die Zellen in den Brain-Gewölben eine existente Welt, von der der Mensch zugleich fasziniert und abgestoßen ist, denn: Was und Wer nimmt da eigentlich wahr? Das Zentrum des Systems Mensch ist verletzlich – das Gehirn ist als »kostbarster« Körperteil, mehr sogar noch als das Herz, bisher nicht technisch ersetzbar. Unersetzbar. Aber technisch übersetzbar. Als Performance und Installation: Brain study.
In Brain study geht die virtuelle Reise nicht in den Outer Space, sondern hinein in unser eigenes Zentrum. Die Installation bringt Licht und Klang in verborgene, dunkle Räume und öffnet dem Publikum das, was eigentlich nicht zugänglich, was eigentlich verschlossen ist: Wie eine Schädeldecke wird der Zugang zur Unterbühne des Festspielhauses angebohrt und führt hinein ins Unvertraute. Ins Experiment: Fünf miteinander vernetzte Gehirn-Spieler bilden ein System, ein Gehirn-Modell. Im Kontakt zur Außenwelt, zum Festival und zum Publikum kann es als lebendiger Mechanismus auf Reize reagieren, Wahrnehmungen verarbeiten, Erinnerungen aus seinem Gedächtnis abrufen. Und es besitzt emotionale Zustände wie Angst, Freude, Stress oder Euphorie. Ein virtuelles Gehirn. Ein experimentelles System, das sich im Grunde verhält wie der Mensch. Merkwürdig, fremdartig, lebendig. Die Hirnaktivität, die chemischen und elektronischen Energien der Spieler-Hirne wird mittels einer EEG-Messung live in Klang- und Lichtprojektionen übersetzt. Dabei werden die biologischen Rhythmen unverändert wiedergegeben: Die rhythmische Struktur der Installation, des lebendigen Systems bilden die Pulse, Beats und Sounds des Hirns.
Julian Klein
Brain Study
Installation für vernetzte Gehirn-Spieler (2002/2004) UA
Julian Klein – Konzeption/Inszenierung
a rose is – Gehirndarsteller
Christian Buck / Sara Hubrich / Jule Kracht / Kristina Lösche-Löwensen / Ulf Pankoke
Marc Bangert – Neuro-Elektronik
Gregor Schwellenbach / Thomas Seelig – Audio-Elektronik
Jan Meyer / Natalie Zehnder – Raum
Stefanie Wördemann – Dramaturgie/Produktionsleitung
In Koproduktion mit Hessischer Rundfunk
Preis der Danzer-Stiftung für zeitgenössische Musik 2002