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Chico Mello: Destino das Oito

Eine Familie wartet auf die Rückkehr der Tochter. Doch diese lässt auf sich warten. In einer Zwangsgemeinschaft gefangen, fallen die Mitglieder der Kleinfamilie in ein Vakuum, in dem sich ungeahnte zwischenmenschliche Abgründe auftun.

Die Situation erinnert an die melodramatische Gemütlichkeit einer Telenovela – dem brasilianischen Pendant zu unseren Vorabendserien.

Es entwickelt sich jedoch keine unendliche Familiensaga. In einer einzigen Folge einer fiktiven Telenovela werden zahlreiche Variationsmöglichkeiten der Handlung im Rewind-Verfahren durchgespielt. In Interaktion mit dem Live-Video werden immer wieder neue Entwicklungen und Widersprüche der Personen erzählt.

Dabei mischt sich Alltägliches mit Absurdem, Witziges mit Ausweglosem. Ein Spiel aus Liebe, Leidenschaft, Betrug und Intrige beginnt, das durch soziale Unterschiede und geschlechterspezifische Missverständnisse der Familienstars genährt wird.

 

Chico Mello arbeitet mit der Dekontextualisierung der Bossa Nova. Seine Telebossa ist eine künstlerische Verbindung von Telenovela und Bossa Nova. In beiden werden permanent durch wiederkehrende Muster starke Emotionen erzeugt. Während die Telenovela die Gefühle jedoch melodramatisiert, ist die Bossa eher zurückhaltend und schafft einen Zustand von Fröhlichkeit bzw. gelassener Trauer. Durch eine „Verbossanovierung“ der Dramatik der Telenovelas entsteht so ein spannender Widerspruch, der durch das Szenische verstärkt wird.

Destino das Oito - Fate at Eight - Schicksal um acht
Eine Telebossa von Chico Mello und Christina Tappe frei nach dem Theaterstück „Heart’s Desire“ von Caryl Churchill (2005) UA

Chico Mello Komposition/Künstlerische Leitung
Christina TappeRegie
Steffi WeismannAusstattung/Live-Video
Matthias KirschkeTon
Veit GriessLicht
Thomas Bruns / Sabine SpilleckeProduktionsleitung

Kammerensemble Neue Musik Berlin
Katia Guedes / Anna ProhaskaSopran
Fernanda FarahAlt
Christian KestenBariton
Sascha BorrisBass

Ein Projekt des Kammerensemble Neue Musik Berlin in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele und Hebbel am Ufer HAU, ermöglicht aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, gefördert durch die INM Berlin.