Konzert | Japan und der Westen | Kammermusik
Das Programm zeigt, wie sorgsam die Verschränkung großer Traditionen durchdacht sein will, wenn sie nicht nur die Oberfläche streifen soll. Die Komponistengruppe um Joji Yuasa und Toru Takemitsu machte die sich Verfahren der westlichen Avantgarde zu Eigen, um dadurch die japanischen Überlieferungen aufzubrechen und neu zu „verorten“. Musik wurde verstanden als geistiger Prozess, ganz im Sinne der europäischen Neuerer. Hans Zender, fand seinerseits in der Form der japanischen Haiku-Dichtung einen Weg, seine Tonsprache zu konzentrieren und die musikalische Zeit ins Schweben zu bringen.
Gerhardt Müller-Goldboom nahm „die Reduktion des Materials bei gleichzeitiger Ausweitung des Inhaltlichen“ zum Ausgangspunkt für sabi – der Begriff bezeichnet ursprünglich das Erspüren von Schönheit, wurde dann für die ästhetische Grundhaltung der Haikus verwandt. Erfahrungen des buddhistischen Mönchsgesangs brechen sich in Giacinto Scelsis Ho, einer Gesangsmeditation um einen Ton. Toshio Hosokawa aber projizierte Klangformen der zeremoniellen höfischen Musik in die Denkwelt der europäischen Avantgarde und versetzte sie in Hörperspektiven, die denen der chinesischen Landschaftsmalerei gleichen.
Joji Yuasa
A Winter Day – Homage to Bashô für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Harfe und Klavier (1982)
Hans Zender
LOSHU VI Fünf Haiku für Flöte und Violoncello (1989)
Toshio Hosokawa
Interim für Harfe solo und Ensemble (1994)
Gerhardt Müller-Goldboom
sabi für Violine solo (1997)
Giacinto Scelsi
Ho für Sopran solo (1960)
Hans Zender
Forin No Kyo für Sopran und Kammerorchester (1989)
Solistenensemble des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin
Mojca Erdmann, Ksenija Lukic – Sopran
Eva Christina Schönweiß – Violine
Matthias Schorn – Klarinette
Katharina Hanstedt – Harfe
Gerhardt Müller-Goldboom – Leitung
Eine Veranstaltung von DSO Berlin/ROC-GmbH in Zusammenarbeit mit MaerzMusik | Berliner Festspiele und Haus der Kulturen der Welt